9.

531 30 5
                                    

Am nächsten Tag fand ich mich in einem Alltags-Traum wieder. Ich verarbeitete den Alltag, was heute nicht wirklich ein Wunder. Mein Tag war der schlimmste aller Zeiten gewesen. Ich hatte einen wertvollen Menschen verloren und das alles nur wegen mir. Ich war so dämlich gewesen, wie konnte das nur passieren? Hatte er in meiner Tasche geschnüffelt oder war es herausgefallen? Warum musste ich auch immer während des Unterrichts zeichnen?

Ich krümmte mich auf dem Boden und ließ den Tränen freien Lauf. Er war weg, wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Über ein halbes Jahr waren Wells und ich zusammen gewesen, doch nun lag das alles in der Vergangenheit. Er hatte mit mir Schluss gemacht und diese Szene lief gerad noch einmal ab, als hätte jemand sie auf Video aufgenommen und hätte zurückgespult, um nun wieder auf Play zu drücken. Den ganzen Schmerz machte ich nun noch einmal durch.

„Du hast ihn geliebt, oder? Warum hat er dir das angetan?" Thomas, warum musste er immer aus dem Nichts auftauchen? Ich war gerade überhaupt nicht in der Stimmung, mit ihm zu sprechen, vor allem nicht wegen dem, was alles passiert war. Ich war ja so intelligent gewesen und hatte ihn gefragt, ob er mit Claire zusammen war, was er verneinte, doch sein Blick nach seiner Antwort war wirklich nicht gerade freudig.

Nun heute diese Trennung, dieser Schmerz und das alles nur, weil ich Thomas im Unterricht gezeichnet hatte. Irgendwie hatte Wells wohl das Blatt herbekommen, ich fragte mich wirklich, wie, doch danach hatte er gemeint, ich hätte einen anderen, würde ihn nicht mehr lieben und er hatte Schluss mit mir gemacht.

Deswegen war es auch eine ganz schlechte Idee, dass Thomas gerade hier war, denn ohne ihn wäre das ganze Schlamassel gar nicht passiert. Reichte es nicht, dass ich schon nachts von ihm träumte, musste das am Tag nun auch noch passieren? Was war denn nur aus meinem Leben geworden?

„Hey, ganz ruhig, es ist alles okay. Komm mit, ich helfe dir, hier wegzukommen!" Er legte mir seine Hand auf die Schulter, doch ich schüttelte sie ab. Das wollte ich keinesfalls. Er hatte war jetzt nur so drauf, weil er Mitleid mit mir hatte. Doch das wollte ich nicht, ich wollte jemanden, der mich so mochte, wie ich war. „Leana, es wird alles gut, das verspreche ich dir!" Er zog an meinem Arm, sodass ich mich drehen musste und ihm ins Gesicht sah. Thomas zog mich auf die Beine und kaum, dass ich stand, zog er mich in eine Umarmung.

Ich war von allem so überfordert, dass ich einfach nur den Kopf an seine Schulter legte und anfing zu schluchzen. Die Tränen flossen wie Sturzbäche über meine Wange bis auf seine Jacke, sie besudelten alles. Er strich mir beruhigend über den Rücken und summte leise vor sich hin. Eigentlich sollte diese Situation mir gerade peinlich sein, doch ich war so froh, dass er da war, was ich noch vor wenigen Minuten nicht gedacht hätte.

Er hatte wirklich so eine unbeschreibliche Wirkung auf mich. Wenn man bedachte, wie schlimm ich mich erst vor wenigen Minuten gefühlt hatte und nun, wie sich langsam ein Gefühl ausbreitete, dass er für mich da war, war einfach wunderbar. Ich wusste es wirklich zu schätzen, dass er für mich da war.

„Ich will hier weg, Thomas", murmelte ich. „Dann lass uns verschwinden. Das mag zwar makaber klingen, doch du bist gerade in einer guten Verfassung zur Teleportation. Konzentriere dich auf einen schönen Ort, einen Ort, an dem du dich wohl fühlst ..." „An diesen Orten ist er." „Dann nimm dein Schlafzimmer. Es sei denn, es ist dir peinlich, dass ich es sehe", schmunzelte er.

Ich löste mich aus seiner Umarmung und schlug ihm spielerisch auf die Schulter. „Sicher nicht", sagte ich und nahm seine Hand. Trotz seiner Anwesenheit versuchte ich alle meine Gefühle zu bündeln und mich auf mein Zimmer zu konzentrieren.

Ich merkte schon anfangs, dass es schwieriger war als das, was ich bisher gemacht hatte, es lastete ein Druck auf mir, von dem ich das Gefühl hatte, ihn bewältigen zu müssen. Mein Zimmer tauchte vor meinen Augen auf und ich konzentrierte mich darauf. Als das Schwindelgefühl einsetzte, hatte ich das Gefühl, es fast geschafft zu haben und meine Konzentration ließ nach, was anscheinend ein echt großer Fehler war.

Die Kraft des jetzigen Ortes holte mich vollständig wieder zurück und ich fiel auf den Boden. Verfluchter Mist! Das konnte doch wirklich nur mir passieren! „Kein Problem, das passiert öfter mal! Komm, ich helfe dir und wir versuchen es noch einmal!"

Ich nickte verlegen und ließ mir von Thomas wieder auf die Beine helfen, gemeinsam klappte es sogar sehr gut. Thomas schaffte wirklich so viel, ich war echt so froh ihn zu haben, natürlich auch davon abgesehen, dass er sehr gut aussah und mir unheimlich sympathisch war. „Siehst du, gar nicht so schwer", schmunzelte er, als wir in meinem Zimmer ankamen.

Ich ließ mich völlig erschöpft auf meinem Bett nieder, setze mich an den Rand und klopfte einladend neben mich auf die Bettdecke. Thomas errötete leicht und ließ sich neben mir nieder. Ich konnte nicht anders, auf einmal lag mein Kopf auf seiner Schulter. Mein Herz raste wie eine Maschine. Vielleicht war es im Nachhinein gar nicht so schlecht gewesen, dass ich nun nicht mehr mit Wells zusammen war, jemand besseren als Thomas würde ich sowieso nie finden.

„Wenn ich das jetzt so fragen darf, warum hat er sich von dir getrennt?" Ich versuchte mit der Geschichte so schnell wie möglich abzuschließen. „Also, ich habe im Unterricht gezeichnet, eine Person ... Dich um genauer zu sein." Schweigen entstand zwischen uns und ich errötete. Er wollte die Wahrheit hören und nun hatte ich sie ihm erzählt. Wenn er nicht von einem ganz anderen Planeten war, könnte er sowieso schon wissen, was ich für ihn empfand. Das war wohl offensichtlich genug.

„Leana, du bist in der letzter Zeit zu einem sehr wichtigen Menschen für mich geworden. Ich wollte nur, dass du das weißt ..."

In our dreams (Thomas Sangster FF) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt