Heute war ich an einem anderen Platz und ich hatte keine Ahnung, wo. Sofort als ich in meine Träume geschlüpft war, war ich an diesem sonderbaren Ort gelandet. Es war ein Wohnzimmer, komplett weinrot eingerichtet und sehr ordentlich, nirgendwo lag etwas rum.
„Thomas?", rief ich in die Leere, doch ich bekam keine Antwort. Das hier musste doch alles sein Werk sein, ich konnte mir schließlich noch nicht selbst herzaubern, welchen Ort ich in meinen Träumen besuchen wollte, also musste es ja schließlich von ihm stammen.
Da ich unschlüssig war, was ich machen sollte, ließ ich mich einfach auf der weinroten Couch nieder. In dem Moment, in dem ich mich hinsetzte, tauchte auf einmal eine Person neben mir auf, völlig aus dem Nichts. „Hallo, Leana, schön, dass du da bist. Ich bin heute bei dir, da Thomas anderweitig beschäftigt ist, aber keine Sorge, wir werden auch gut miteinander auskommen."
Ich blickte um mich, um zu sehen, ob hier irgendwo eine Tür war, aus der das Mädchen hätte kommen können, doch da war keine. Hatte sie wohl wirklich etwas mit Thomas zu tun, wenn sie auch meinen Namen kannte. „Wo ist er denn und wer bist du?"
Das Mädchen grinste mich an und schob sich eine braune Haarsträhne hinter das Ohr. „Er konstruiert gerade einen Plan für euer Trainingsprogramm und ich soll heute anfangen, dir etwas beizubringen. Thomas meint, dass ich heute nur etwas Leichtes mit dir üben soll, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du gleich schon etwas Anspruchsvolleres machen willst, sehe ich das richtig?" Sie zwinkerte mir zu und ich runzelte verwirrt die Stirn.
Thomas hatte noch gar nichts von einer Assistentin erwähnt, die ihn vertreten würde. Doch sicherlich war es so, wie sie es sagte und er arbeitete gerade an einem Trainingsplan. Ich musste grinsen bei der Tatsache, dass er es wirklich ernst nahm und er mir helfen wollte. Und es würde doch auch sicherlich nichts schaden, wenn ich heute mal etwas lernen würde, mit dem ich Thomas dann überraschen würde, somit wäre er bestimmt auch glücklich.
„Eine sehr gute Idee von dir, ich bin schon sehr gespannt und ich werde Thomas nichts sagen", antwortete ich ihr. „Super, dann lass uns gleich anfangen!", meinte sie und sprang leichtfüßig vom weinroten Sofa auf. Sie nickte mit ihrem Kopf auf den Platz neben sich. Ich atmete tief ein uns stand ebenfalls auf. Ich tat hier nichts Schlechtes, obwohl Thomas es eigentlich nicht gut fand, er sollte sich wirklich mal locker machen.
Er musste seiner Assistentin schließlich vertrauen und wenn er ihr vertraute, machte ich das nun auch mal. So konnte ich auch verhindern, dass meine Gedanken wieder zu ihm und seiner Freundin, Isabella, wegen der er sich so komisch verhalten hatte, abschweiften.
„Gut, ich möchte, dass du dich jetzt konzentrierst. Du denkst dir einen roten Ball, etwa so groß wie deine Handfläche. Stell dir seine Form und seine intensive, rote Farbe genau vor."
Ich konzentrierte mich auf den Ball und versuchte, ihn auf meiner Handfläche auftauchen zu lassen. Doch so sehr ich mich auch konzentrierte, es klappte nicht. Ach verflixt! Wieso klappte das bei jedem außer mir? Ich war wirklich zu dumm für alles.
Ich konzentrierte mich nochmals und nochmals, auf einmal sah ich leicht einen roten Ball auf meiner Handfläche auftauchen, doch so schwach, als wäre er nicht richtig hier. Erstaunt streckte ich meine Hand nach ihm aus, doch in der Sekunde, in der meine Konzentration nachließ, war er auch schon wieder verschwunden. Das war ja typisch!
„Ach Mist!", fluchte ich und stampfte auf dem Boden auf. Ich steigerte mich da gerade wirklich sehr rein. Doch ich wollte es auch können, sie konnte es und Thomas auch.
„Das war doch schon einmal gut für den Anfang. Probieren wir etwas anderes. Es ist zwar noch schwerer, doch sicherlich wirst du mit dieser Sache auch mehr Ansporn haben. Glaube mir, wenn du das erst einmal geschafft hast, klappt alles andere auch fast automatisch. Du musst dich für diese Aufgabe aber ziemlich gut konzentrieren, das hat oberste Priorität."
Verwirrt schaute ich sie an. Warum macht sie schon so viel mit mir? Das könnte Thomas doch nie und nimmer akzeptieren. „Bist du dir ganz sicher, dass das eine gute Idee ist?", fragte ich sie und hegte leichte Zweifel.
„Du hast doch selbst gesagt, dass du es versuchen willst, Leana. Du musst vorankommen mit deinen Fähigkeiten, Thomas wird sich sicherlich freuen. Du kannst es natürlich auch lassen", sagte sie und drehte sich um, als wollte sie verschwinden. Okay, dann probierte ich es einfach mal, es würde bestimmt nichts so Schlimmes passieren.
„Nein, bleibe da, ich versuche es, du hast Recht!" Ich musste es versuchen, damit ich danach etwas Entspanntes tun konnte. Okay, das würde ich schon schaffen! „Was soll ich tun?", fragte ich sie. Sie verdrehte belustigt die Augen.
„Konzentrieren! Konzentrier dich auf einen schönen Ort, einen Strand. Spüre die Atmosphäre dieses Ortes, lass dich auf ihn ein. Dann bekommst du das hin." Ich überlegte kurz. Eigentlich war das hier doch wirklich sehr merkwürdig, erst lernte ich Thomas kennen, vertraute ihm nun einigermaßen, so gut es eben bei jemandem ging, den man nicht wirklich kannte, doch nun sollte ich einfach seine Assistentin akzeptieren und ihr vertrauen. Das war, wenn man es mal genau betrachtete, schon ziemlich merkwürdig.
Konzentrier dich, Leana! Zeig, dass du auch schnell lernst! Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf den Strand. Ich konnte das Rauschen des Meeres in meinen Ohren hören und die Wärme der Sonne auf meiner Haut spüren. „Sehr gut, weiter so, Leana! Du schaffst das!" Das Schwindelgefühl breitete sich in mir aus, ich fing an zu schwanken und auf einmal wurde es so stark, dass ich auf den Boden kippte.
Ich zitterte wie Espenlaub und das Bild des Strandes verschwand, als wenn es nie da gewesen wäre. Na super, jetzt hatte ich es eindeutig vermasselt! Ich fühlte mich so schlecht, dass ich nicht mehr in der Lage war, es nochmals zu probieren. Alle meine Körperteile schmerzten, als hätte jemand ein Feuer entzündet, das mich gerade zerstören würde. Ich hatte solche Schmerzen! Woher kam das?
„Na, hopp, steh auf, Leana! Du hattest es schon fast! Du musst dich richtig konzentrieren, dann klappt das auch!", forderte mich das Mädchen auf. „Ich ... Ich kann nicht, es tut so weh. Lass mich ausruhen ..." „Leana, du machst jetzt weiter! Schließlich war es dein Wunsch!"
Sie packte mich am Oberarm und versuchte, mich wieder auf die Beine zu ziehen, doch es schmerzte so sehr. Sie sollte mich in Ruhe lassen!
Auf einmal ließ sie meinen Arm los, als wäre Gift auf ihm. Ich krachte auf den Boden und krümmte mich vor Schmerzen. Anscheinend war das alles doch noch eine Nummer zu groß für mich gewesen. Hinter mir vernahm ich eine wütende Stimme. Thomas' Stimme.
„Isabella, du hättest sie damit umbringen können!"
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In our dreams (Thomas Sangster FF)
أدب الهواةSeit einigen Wochen hatte ich schon diese seltsamen Träume. Wenn es überhaupt Träume waren. Normalerweise verarbeitet man in seinen Träumen den Alltag oder sucht Orte seiner Fantasie auf, so wie auch bei mir, doch eines Tages tauchte auf einmal ein...