„Mann, das klingt jetzt komisch, ich bin jetzt auch nicht der Typ dafür, aber auf jeden Fall wollte ich, dass du weißt, dass du ein starker Mensch bist. Ich weiß das und bin sehr froh, dass wir uns kennen gelernt haben."
Ich errötete so stark wie noch nie im meinem Leben. Was hatte das nun zu bedeuten? Wollte er mir damit nur sagen, dass er mich mochte oder sollte das mehr bedeuten? Ich wollte so sehr, dass es mehr bedeutet, aber ich wusste es nicht. Es war einfach alles zu kompliziert, warum musste das ganze Leben so kompliziert sein, das war doch wirklich nicht mehr lustig.
„Ha- habe ich etwas falsch gemacht?", fragte Thomas mich und ich sah es ihm an, dass es ihm gerade sehr peinlich war. Ich blickte ihm in die Augen. Sie waren so braun wie Schokolade und das führte dazu, dass meine Beine wie Wackelpudding wurden. Würde ich nicht gerade sitzen, hätte ich ein ehrliches Problem.
Ich sah ihm ins Gesicht und kaum, dass ich es bemerkte, kam ich ihm ein Stück näher. Thomas wich nicht zurück, ganz im Gegenteil, er rutschte näher an mich heran, sodass unsere Gesichter nur wenige Zentimeter entfernt waren. Hatte er das wirklich vor? Träumte ich gerade? Als ich bemerkte, wie dämlich die letzte Frage war, zweifelte ich an mir selbst. Natürlich träumte ich, das war wohl logisch.
Man sagte ja immer, dass Träume besser wären als der Alltag und eigentlich musste es ja nun auch alles besser werden, schlimmer als den letzten Tag ging es ja nicht mehr.
Aber war das überhaupt richtig, wenn wir das jetzt taten? Ich wollte es, das war keine Frage, doch stürzte ich mich nicht in eine Sache, nur weil ich über die Trennung nicht hinwegkam? Thomas bemerkte anscheinend, dass alles in meinem Kopf ratterte, denn er wich wieder ein paar Zentimeter zurück. Na super, ganz toll gemacht, Leana! Ich musste doch wirklich alles vermasseln.
Ich stand auf und schritt im Zimmer auf und ab. Tigerte hin und her, ohne Sinn. Konnte ich noch irgendetwas tun, um den Moment zu retten? Vielleicht könnte ich ihm etwas schenken, etwas, das zeigte, dass er mir half und ich das nun auch anwenden konnte. So könnte es eventuell auch klappen, dass er wusste, dass ich ihn mochte, sehr mochte, falls er Zweifel bekommen haben sollte.
Ich stellte mir vor, dass ich einen braunen Holzrahmen in der Hand halten würde, in dem sich ein Bild von Thomas und mir befanden. Auf dem Bild waren wir beide am Strand und lächelten glücklich aus dem Wasser in die Kamera. Obwohl es diesen Moment nie gegeben hatte, war es, wie wenn ich mich erinnern würde. Es war, wie wenn es real wäre. Deswegen dauert es auch nicht lange, bis ich das Foto wirklich in der Hand hielt.
Es war doch gar nicht so kompliziert, ich merkte, wie es allmählich einfacher wurde. Schnell drehte ich mich zu Thomas um und grif zitternd nach seiner Hand. Ich legte ihm das Bild in die Hand und er errötete beim Anblick. „Das- das ist sehr schön. Vielen Dank", bedankte er sich stotternd und stand nun ebenfalls auf. Er schloss mich in eine Umarmung und ich legte meinen Kopf an seine Brust. Mein Herz raste wie eine Maschine und so, wie ich es mitbekam, ging es ihm momentan genau so. Hatte ich wohl doch richtig gelegen, dass ich ihm nicht egal war. Thomas machte kurz einen ernsten Gesichtsausdruck und danach klang Musik laut wie aus Lautsprechen, nur dass dort, wo die Musik herdrang keine Lautsprecher waren.
„Darf ich um diesen Tanz bitten?" Ich nickte und legte meine Hand in seine und er bewegte sich im Takt der Musik. „Ich mag dich auch, Thomas. Es schmerzt zwar noch, aber ich habe das Gefühl gehabt, Wells nie wirklich so geliebt zu haben, wie man einen Menschen lieben sollte. Danke, für alles, dass du so für mich da bist, das weiß ich wirklich zu schätzen", murmelte ich.
Ich hatte so ein komisches Kribbeln im Bauch, während ich diese Worte sprach. Es war nicht einfach nur dahergeredet, es war etwas Persönliches, das ich ihm da gerade offenbart hatte. Ich war wirklich in ihn verliebt, dessen wurde ich mir gerade wieder richtig bewusst. Es war wirklich so und ich war ihm wirklich so dankbar.
„Es war bei Isabella und mir ebenfalls so. Nur, dass ich irgendwann bemerkte, was sie für ein schlechter Mensch ist. Ich werde dich vor ihr beschützen, egal, was auch kommen mag." Ich war wirklich so gerührt, dass ich nicht anders konnte, als ihn auf die Wange zu küssen. Es war nur ein kurzer Kuss, doch ich zitterte noch wie noch nie in meinem Leben.
Mein ganzer Körper stand unter Strom und alles kribbelte in dem Moment, als mein Mund seine Wange berührte. Es war intensiver als jeder Kuss, den ich Wells jemals gegeben hatte. Alles, wirklich alles kribbelte in mir.
„Schätze du bist nun gezwungen einen Walzer mit mir zu tanzen", schmunzelte Thomas, damit ich wohl nicht mitbekam, wie nervös er war. Das musste er auch gar nicht zeigen, sein Gesicht war rot wie eine Tomate und er war vollkommen aus dem Takt. Wenn das mal kein Anzeichen war. Wenn ich ehrlich war, musste ich mal wieder etwas zu Ruhe kommen, da würde ein Walzer sicherlich nichts schaden.
„Okay, alles klar, DJ, dann leg mal die Musik auf", schmunzelte ich und in Null komma Nichts tönte ein langsamer Walzer aus den nicht vorhandenen Lautsprechern.
Thomas und ich bewegten uns im Takt der Musik und obwohl das eigentlich der schlimmste Tag meines Lebens war, lief es momentan doch gar nicht so schlecht. Thomas beruhigte mich mit seiner ruhigen Art und ich ließ meinen Gedanken einfach mal freien Lauf, das musste auch mal sein. Es half, schon nach wenigen Minuten war ich entspannt und völlig im Hier und Jetzt.
„Heute wird ein besserer Tag für dich, das verspreche ich. Erzähl mir morgen, wie es gelaufen ist, in Ordnung?" Thomas lächelte mich an und ich nickte ihm zu, als sich auch schon wieder das bekannte Schwindelgefühl in mir ausbreitete.
Es ging mir nun wirklich besser, da musste alles besser laufen, da war ich mir ganz sicher. „Danke Thomas", sagte ich und Thomas umarmte mich zum Abschied, bis ich aus seinen Armen gerissen wurde, als der Alltag mich einholte und der Wecker mich aus meinen Träumen riss.

DU LIEST GERADE
In our dreams (Thomas Sangster FF)
FanfictionSeit einigen Wochen hatte ich schon diese seltsamen Träume. Wenn es überhaupt Träume waren. Normalerweise verarbeitet man in seinen Träumen den Alltag oder sucht Orte seiner Fantasie auf, so wie auch bei mir, doch eines Tages tauchte auf einmal ein...