7.

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Ich war der Musik völlig hingegeben und träumte ein bisschen vor mich hin. Es fühlte sich beinahe so an, als würde ich schlafen, falls das überhaupt möglich war. Konnt man in einem Traum schlafen oder träumen? Rein theoretisch gesehen müsste es ja nicht gehen, da ich mich ja in einem Traum befand, doch eigentlich war das hier ja alles nicht möglich.

Ich hatte nun aber ehrlich gesagt keine Lust, mir den Kopf darüber zu zerbrechen. Ich genoss es einfach, den Kopf an die sanfte Lehne gelehnt zu haben und der Musik zu lauschen. An diesem Tag war viel zu viel geschehen und Isabella hatte mir meine ganzen Nerven geraubt. Ich wollte gar nicht daran denken, wie es wäre, ihr nochmals zu begegnen.

„Woran denkst du gerade?", hörte ich Thomas neben mir fragen. Seine klare Stimme übertönte die Musik, obwohl er nicht wirklich laut sprach, was vielleicht auch daran lag, dass mein Ohr seine Stimme bewusst herausfilterte.

„An Isabella und was sie alles getan hat. Am liebsten würde ich sie einfach ins Nichts verbannen, ohne Chance auf Rückkehr. Das hat sie wirklich verdient. Mal ehrlich Thomas- ich kenne sie noch nicht so wirklich, aber sie muss früher sicherlich ein ganz anderer Mensch gewesen sein, wenn du mit ihr zusammen warst."

Ich hörte Thomas seufzen und dann war erst einige Zeit Stille. Ich dachte schon, dass er gar nichts mehr sagen würde. „Das war sie auch. Sie war ein sehr liebenswerter Mensch..." Es entstand eine lange Pause. „Doch das hat sich geändert, sie ist nun ein Monster, die nur ihren eigenen Vorteil will, glaube mir."

Ich glaubte ihm das, da brauchte er mich gar nicht erst zu fragen. Ich konzentrierte mich auf einen kleinen Tisch, ich wollte nun versuchen, ihn herbeizudenken, damit ich Thomas zeigen konnte, dass ich das hier wirklich Ernst nahm.

Ich konzentrierte mich und anfangs geschah nichts. Ich wollte schon aufgeben, da spürte ich einen Luftzug in meinen Haaren und hörte das Rumsen vor mir, das verriet, dass es funktionert hatte.

„Was zum ...?!" Thomas zuckte neben mir zusammen und ich öffnete meine Augen. Er war vor Schreck rot angelaufen und starrte ungläubig den Tisch an. Ich musste schmunzeln, denn ich hatte es geschafft, der Tisch war hier und ich hatte ihn überrascht.

„Das hat doch ... wow ... sehr gut finde ich. Das kriegst du doch schon sehr gut hin, wenn man bedenkt, wie lange ich gebraucht habe", schmunzelte er und zack ein neuer Eistee stand auf dem Tisch.

„Danke", kicherte ich, während ich weitertrank. „Ich habe aber auch einen guten Mentor", schmunzelte ich und trank weiter. Dass die Musik verstummt war, hatte ich gar nicht mitbekommen.

Auf einmal zuckte Thomas zusammen und ich wurde ein Stück zur Seite geschleudert, wie wenn ein Auto in die Kurve fahren würde. Wo kam das auf einmal her? Wir waren hier doch von allem und jedem abgeschottet oder etwa nicht?

„Sollte ich jetzt wissen wollen, was das war?, fragte ich ihn sichtlich verwirrt. „Es ist Isabella", sagte er monoton, als wäre es ein Todesurteil. Hätte ich mir ja denken können, dass sie uns keine Zeit für uns beide gibt. Thomas blickte mich besorgt an und griff nach meiner Hand, was mir die Röte ins Gesicht schießen ließ. Obwohl ich wusste, dass er meine Hand halten musste, kribbelte mein Bauch, als ich an seine Hand in meiner dachte. Sie war schön warm und ein wohliger Schauder lief über meinen Rücken, trotz dieser angespannten Atmosphäre.

„Was will sie jetzt schon wieder von uns?", fragte ich und ich konnte es nicht verhindern, dass in meiner Stimme ein Hauch von Angst mitschwang. Ich hasste es, so verletzlich zu wirken und zu sein. Sie hatte mich wirklich im Griff.

„Sie will hier herkommen, sie will unser Leben zerstören. Wir müssen nur dafür sorgen, dass sie es nicht schafft, aber das schaffen wir beide schon." Er lächelte mir aufmunternd zu und ich lächelte ihn ebenfalls an. „Wie soll ich das anstellen, Thomas? Ich habe es gerade das erste Mal geschafft, einen Tisch herbeizuzaubern, worauf ich echt stolz bin, doch wie soll ich das denn jetzt bitte machen? Ich bin in dieser Sache hilflos!"

„Deine Anwesenheit reicht schon, Leana. Du hast ungeahnte Kräfte, die du nun noch nicht zu entfalten weißt, ich halte deine Hand und zapfe deine Kräfte mit an, somit wird sie hier auch nicht auftauchen, das verspreche ich. Vertraust du mir?"

Er sah mich mit einem ernsten Blick an und ich nickte. Ja, ich vertraute ihm, dass ich ihm mehr als vertraute, musste er aber nicht wissen. Ich konnte nun nur hoffen, dass Thomas es mit meiner Hilfe schaffen würde, Isabella zurückzuhalten. Ihren Terror wollte ich nicht noch einmal überleben.

Ich schwieg, wie er auch und ich konzentrierte mich so gut es ging, alles, was ich bisher konnte auf Thomas zu übertragen. Er hatte seine Stirn in Falten überlegt, als wenn er scharf nachdenken würde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit atmete er erleichtert auf und ließ meine Hand los, die mittlerweile ganz schwitzig geworden war. Peinlich berührt wischte ich sie an meiner Hose ab und legte sie anschließend auf meinem Oberschenkel ab.

Er hatte mich wirklich nervös gemacht, erst einmal die Tatsache, dass ich nicht wusste, ob wir es schaffen würden, Isabella zurückzuhalten und zum anderen seine Anwesenheit. Was war denn nur mit mir los?

„Was machen wir morgen?", fragte ich ihn interessiert, um vom Thema abzulenken. „Ich habe morgen Abend einen Ball, deswegen kann es etwas länger dauern, bis ich hier auftauche, aber da lässt sich sicherlich etwas machen, dass wir da auch hingehen können", sagte er und ich wurde leicht rot. Die Tatsache, dass wir beide einen Ball besuchen würden, ließ mein Herz flattern.

„Einen schönen Tag, Leana", sagte Thomas und ich wollte mich gerade fragen, wovon er überhaupt redete, doch ich merkte es sehr schnell. Ich wachte wieder auf.

„Dir auch, bis morgen!", sagte ich, ehe mich die Dunkelheit umfing. Ein Ball, das klang doch schon einmal gut. Vielleicht könnte ich meine Künste ein wenig spielen lassen, um mir ein Ballkleid herzuzaubern, das wäre doch wirklich perfekt.

In our dreams (Thomas Sangster FF) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt