Kapitel 3: Geschichten und kalte Herzen

1.4K 55 3
                                        

Ich teilte den Rest der Dosensuppe, vom gestrigen Tag, in zwei Schüsseln auf. Gedanken verloren kratzte ich den allerletzten Rest aus der vebeulten Dose und erinnerte mich. Mein Blick wurde kalt und nachdenklich und Bruchstücke meiner Erinnerungen schossen mir durch den Kopf. ,,Melissa." Sagte ich schließlich. Daryl sah mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an und überlegte: ,,Was?" Fragte er nachdenklich. ,,Du hast nach meinem Namen gefragt...nun ich heiße Melissa." Antwortete ich leise und zögerlich. Ich ließ die Dose und den Löffel sinken, mit dem ich gerade noch in der Dose rumgefuchtelt hatte.
Daryl nickte. Ich tat es ihm gleich, einen Moment lang starrte ich nur in die Leere. Bis ich mein Kopf schüttelte und aus meiner Starre erwachte.
,,Wie lange?" Fragte er mich mit einer gefühlslosen Stimme, es klang fast vorwurfsvoll. ,,Schon immer, eigentlich." Antwortete ich, ich machte eine kurze Pause, atmete durch und fuhr fort: ,,Seitdem ich klein war meinte ich... ich lebe schon lange draußen...auf irgendeine komische Art und Weise."
Er betrachtete mich mit einem Blick, der wohl ein bisschen Mitleid und ein Teil Unverständnis in sich trug.
Ich hörte den Sturm vor der Tür. Dieser schlug gegen die Hütte, trotz das es recht windgeschützt war unter den großen Bäumen. Ich wusste, dass dort raus zu gehen eine schlechte Idee war. Der Schneesturm wurde stärker. So beschloss ich und Daryl drinnen zu bleiben. Ich reichte ihm seine Schüssel und stellte meine vor mir ab, schob diese jedoch schließlich von mir weg. Mir war der Hunger vergangen. Meine Vergangenheit quälte mich. Ich spürte salziges Wasser auf meiner Wange. Aber es war mir egal. Ich schaute gefühlskalt auf den Boden. Ich hatte mich in meine Ecke mit den Kissen gesetzt und bereute nun, dass ich drauf und dran war, meine hart aufgebaute Mauer aus Eis um mich herum zum Einsturz zu bringen. Daryl sah ein wenig betrübt zu mir rüber. Ich begann derweil von mir zu erzählen, egal ob es ihn interessierte oder nicht.
Doch ich merkte seine Blicke ganz deutlich und so fiel es mir leichter von meiner Vergangenheit zu erzählen über die ich sonst nie redete.

,,Fangen wir bei der tragischen Familiengeschichte an." Schmunzelte ich ironisch und erzählte: ,,Meine Eltern hab ich nie wirklich kennengelernt. Sie starben beide als ich 2 Jahre alt war. So kam es, dass ich bei meiner Tante Lu aufwuchs. Doch ich hatte nie Glück.
Ich hatte ein Talent darin gefunden, alle Menschen die mir wichtig waren, zu verlieren. Tante Lu war eine tolle Frau, liebevoll, selbstbewusst und ehrlich. Von ihr lernte ich Viel. Doch die Welt lässt einen immer kälter werden. Eines Tages als ich gerade mal 5 war, gab mir Tante Lu ein Foto von meiner Familie. Meine Mum, mein Dad und sie. Ich musste ihr an diesem Tag versprechen, niemals aufzugeben und immer weiter zu machen. Ich erinnere mich genau an diesen Tag, obwohl ich noch sehr jung war. Sie war sehr blass und schwach. Doch ich war zu naiv um wirklich zu verstehen, dass der Krebs an ihr nagte, man erzählte kaum etwas darüber. Ich hatte es durch Zufall mal aufgeschnappt, aber nie verstanden was es bedeuten würde...für sie und für mich. Sie aß kaum noch und mit der Zeit, schien sie nicht einmal zum Laufen fähig zu sein. Ich sagte als Kind immer: ,,Stütz dich auf mich Tante lu." und dass mit 5 Jahren. Ich Begriff mehr als alle dachten. Eines Tages kam ich von meinen Streifzügen im Wald zurück und fand sie auf dem Küchenboden..." Tränend gab ich mir mühe nicht gleich, wie ein Kind, loszuschreien.
Ich setzte meine Reise fort: ,,ich kam in ein Kinderheim, dort war ich für etwa 3 Jahre eingesperrt. Ich floh aus diesem Gefängnis. Es war die Hölle. Ich war immer anders als alle anderen Kinder und so rannte und rannte ich und versteckte mich im Wald. Viele Monate lang. Sie suchten nach mir, mussten aber die Suche aufgeben. Sie dachten vermutlich ich wäre Tod. Ich ernährte mich von wilden Beeren und trank Wasser aus dem Fluss. Ich war obdachlos und alleine. Ich musste viele Winter überstehen. Ich traute mich mit 10 Jahren raus in die Zivilisation. Blöde Idee. Völlig ausgehungert, lief ich ziellos in der Stadt herum. Niemand gab mir was zu essen. Sie gingen alle an mir vorbei. Ich wurde mit verachtenden blicken der obersten Gesellschaft gestraft und irgendwelche Männer wollten sich an mir vergehen, doch ich wusste schon immer wie man sich schützte. Wie ein Geschenk des Himmels kam dann auch noch ein großer Hund in mein Leben. Auch er war ausgehungert.
Ich kümmerte mich um ihn und er gab mir dafür einen Sinn nicht aufzugeben." Ich schaute Daryl an. Seine Hände waren zu Fäusten geballt und er wrang mit seiner Wut. Besonders als ich die Sache mit den Männern erzählte, die sich an mir vergehen wollten. Blitzte in seinen Augen so etwas wie Hass auf?
Ich setzte mich neben ihn und starrte wieder auf den Boden, als würde ich etwas suchen. ,,der große Hund war ein Rüde, den ich Bux nannte. Der große Mischling war ein treuer Freund. Ich behütete ihn und er beschützte mich. Es war ein geben und nehmen. Wir waren ein unzertrennliches Team.. als so ein ekliger Mann auf mich zukam und mich bedrängte, biss Bux ihm in die Eier und fletschte die Zähne. Der Mann lief schmerzschreiend und fluchend davon und ich dachte es wäre vorbei. Ich war so dumm... ich fand eine alte hausruine weiter auswärts von der Stadt. Es war wie ein Zuhause. Bux und ich lebten dort und gingen mittags in die Stadt um nach Essen und trinken zu betteln. Ich sagte ja schon, dass die Sache mit dem Schmierlappen noch kein ende hatte.
Ein Auto kam mit quitschenden reifen auf mich zugefahren. Ich lief um mein Leben. Bux warf sich vor das Auto und so konnte ich letztlich entkommen. Er hat ihn einfach überfahren.
Er hatte meinen einzigen Freund getötet und ich schwor, von diesem Tag an, dass ich diesen Typen finden und töten würde. Als die Gefahr gebannt war, lief ich zurück zu dem Ort, wo mein Freund noch immer lag. Ich weinte Wochen, vielleicht Monate. Ich begrub ihn bei der Ruine. Ich blieb dort bis ich genug Geld für eine gammlige Wohnung hatte. Ich Sparte und Sparte. Kaum essen hatte ich. Der Schimmel in der Wohnung machte mich krank. Ich war kurz davor aufzugeben. Da begegnete ich Susan. Sie sah mein Leid und ich bewunderte sie, da sie mich einfach zu sich nahm. Ich war zu dieser Zeit bereits 17.
Ich hatte ewig auf der Straße gelebt. Die Frau mit den braunen Locken und den blauen Augen nahm mich auf und gab mir so viel, brachte mir sogar das Gitarre spielen und das Autofahren bei, und dass obwohl sie wusste, dass sie selbst nicht mehr lange hatte.
Die Frau litt an einer seltenen Krankheit. Sie pflegte und versorgte mich und war immer für mich da. Sie erzählte mir Geschichten von ihrem Mann. Sie War Mitte 50 und das obwohl sie, nach den Ärzten, schon vor 10 Jahren hätte sterben müssen. Als sie von uns besser gesagt von mir ging, den ihr Mann lebte schon seit 12 Jahren nicht mehr, erbte ich ihre Wohnung und ihren Besitz. Aber ich war nicht geschaffen für so ein leben, noch nicht. Ich schenkte den Obdachlosen dieser Stadt, ein Dach über den Kopf und begab mich auf die suche nach dem Mörder meines Freundes. Mit meiner Axt in der Hand Und den Tod in den Augen, machte ich den Mann, im schwarzen Van, ausfindig und schlug so lange auf ihn ein bis all meine aufgestaute Wut, die ich über die Zeit sammelte, an ihm ausgelassen hatte. Eine eiskalte Mörderin war ich.
Ich entsorgte die Leiche, sodass sie niemals jemand finden konnte, und wohnte tatsächlich in der Wohnung des Mörders meines besten Freundes. Bis zum Beginn der Apokalypse. Ich hatte zuvor noch eine Arbeit gefunden, die Menschen wie mich Beschäftigten. Auch wenn niemand von meinem Mord wusste. Ich war anders, immer. Dann brach die Apokalyse über uns herein und ich musste schon wieder überleben. Alle um mich herum, die ich liebte starben...Ende der Geschichte." ich wischte mir die letzten Tränen aus dem Gesicht und witmete mich dem heutigen Alltag. Daryl schwieg. Ab und zu wimmerte ich ein wenig, doch hoffe ich, das Daryl es nicht hörte oder er es ignorierte. Ich dachte seit Ewigkeiten an die, die ich verloren hatte.
Daryl jedoch merkte es und aus dem Arsch wurde wieder dieser mitfühlende Mensch. Er umarmte mich und wie ein Stich ins Herz sackte ich in seinen Armen zusammen. All die Gefühle, aufgestaucht, ließ ich nun freien lauf.
Die Erschöpfung ließ mich schnell einschlafen. Daryl legte mich auf die Matratze, denn ich war in seinen Armen eingeschlafen.
Am nächsten Morgen jedoch, War er wieder das gewohnte Arschloch.

,,Wird auch zeit, dass du aufwachst!" Meckerte er mich an, als ich meine Augen aufschlug. Sie waren verquollen und meine Augen zierten Augenringe und Tiefe Schatten.
Daryl hatte bereits einiges an Proviant zusammen gepackt und schaute von oben auf mich herab. ,,Was ist los mit dir? Was hab ich Dir getan?" Fragte ich leicht genervt und Verstand nicht was los war. Dieser jedoch blökte mich an: ,,Du kostest mir wertvolle Zeit!" Dieser Satz tat mir mehr weh, als er sollte. Ich stand auf, nahm meine Sachen und zog meine große Jacke über. Draußen schneite es noch immer stark, zu stark für meinen Geschmack. So schaute ich ihn verwirrt an und fragte: ,,bist du sicher, Dass wir nicht noch warten sollten?" Er antworte sofort: ,,Ja! Ich halte es hier drinnen nicht mehr aus! Also los!" Ich giftete ihn an: ,,seit wann bestimmst DU überhaupt über MEIN Leben? !" Er zischte mir sogleich eine Antwort entgegen: ,, seitdem ich für dich verantwortlich bin, du schaffst es ja nicht mal einen Tag nicht zu heulen, wie willst du den da draußen überleben?!"
Jetzt reichte es mir entgültig. Ich schnappte mir meine Axt, mein Messer und meinen Rucksack. Zog den Schal vor meinen Mund und meine Nase und zog den Reisverschluss meiner Jacke zu. Mit Kapuze auf dem Kopf stampfte ich wütend zur Tür und schob die kommode Aus dem weg. Ich öffnete die Tür und sofort kam mir starker Wind und eisige Kälte entgegen. Ein richtiger Sturm wütete draußen und er würde mich nach wenigen Metern verschlucken.
Bevor ich entgültig hinaus ging, schien sich Daryl auf einmal nicht mehr so sicher, mit dem Plan nach draußen zu gehen, zu sein. ,,Was hast du vor?!" Schrie er mir entgegen. Ich aber schrie zurück: ,, Ich geb 'nen scheiß auf dich! Genauso wie auf die andern Menschen! Ich verschwinde und du brauchst dich nicht weiter belästigt zu fühlen, wie die anderen Menschen, kannst du ja einfach an mir vorbei gehen!"
Ich trat aus der Tür. Der Schneesturm verschluckte mich wie vohergesagt. Man erkannte die Hand vor Augen nicht.
Ich stapfte durch den tiefen Schnee, ohne zu wissen, wo hin. Ich merkte das, das alles keinen Sinn hatte und setzte mich.
Daryl kämpfte sich zu mir durch. Ich hatte die Knie an mich rangezogen und schaute zitternd auf meine Füße.
,,Willst du hier verrecken?" Fragte mich Daryl bissig.
Ich wendete meinen Blick nicht von meinen Füßen. ,,Kann dir doch egal sein du blöder Penner! Du scherst dich eh ne Dreck um mich, du denkst nur an dich, ich geh dir doch am Arsch vorbei und tu nicht so als ob du das für die Menschen dort draußen tuen würdest! Du verachtest sie genauso wie ich!" Ich schrie gegen die Kälte und den Wind an. Nun schaute ich ihn an.
,,Ha! Getroffen!" Dachte ich, als ich Daryls erschrocken Blick sah.
Er drehte sich genervt um und ging zurück zur kleinen Hütte. Ich dachte gar nicht daran, zurück zu gehen auch wenn ich hier sterben würde. Daryl brachte seine Sachen zurück und Schloss die Tür. Ich fror und vergrub meinen Kopf in meinen Beinen und hoffte, dass es aufhörte zu schneien. Die Tür der Hütte öffnete sich erneut und Daryl trat heraus. Er ging, nur mit seiner leichten Weste bekleidet, zu mir und hob mich auf seine starken Arme. Ich hatte keine Kraft mich zu wehren und fügte mich meinem Schicksal.
Ich war vollkommen unterkühlt. Er legte mich auf das provisorische Bett und verriegelte die Tür und zog mir die große Jacke aus und er seine Weste. Er legte sich hinter mich und nahm mich in den Arm und deckte uns zu. Er wärmte mich. Ich bibberte und fror. Lange hätte ich nicht mehr so weiter dort sitzen können. ,,Du bist und bleibst ein bescheuertes weib, es ist immer dasselbe mit dir." Redete er vor sich hin. Ich schmunzelte schwach und verlor schließlich vor Anstrengung und dem plötzlichen Wechsel von kalt zu warm mein Bewusstsein.

*Daryls Position*

Ich wärmte sie und flüsterte ihr zu: ,,Wenn du nur wüsstest was ICH durchgemacht habe. Ich habe es satt für andere stark sein zu müssen, wenn Ich es nicht mal richtig für mich sein kann."

*Melissa Position*

Ich öffnete kurze Zeit später wieder meine Augen und schaute in die blauen, kalten Augen von Daryl. Meine Haare lagen offen über seinem Arm, auf den ich meinen Kopf gelegt hatte. Ich spürte seine starken arme um mich herum und fühlte mich wieder geborgen und sicher. Ich aber, gab das nicht zu und räusperte mich gespielt. Ich hatte seine Worte noch lange nicht vergessen und drückte mich leicht schmollend von ihm. Auch wenn mein Herz dagegen randalierte. Ich schaute ihn vorwurfsvoll und verletzt an und begann meine Sachen zu sortieren.

Speaking Souls (TWD/ Daryl Dixon FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt