''How deep is your love, your love..'', Felix sang die Töne gefühlsvoll und mit verrückten Handbewegungen mit, als wir uns im Auto befanden. Wir wollten das schöne Wetter ausnutzen und fuhren zu einem kleinen See. Zum Glück konnten wir die anderen Dinge erst mal vergessen, Ablenkung tat uns gut. Ich musste lauthals loslachen, da Felix mal wieder vollkommen übertrieb und musste aufpassen, dass ich den richtigen Weg lang fahre. Brummer hatte keinen Führerschein, also musste ich das Lenkrad in die Hände nehmen. Doch auch ich Stimmte in die Ballade mit ein und wir brachen in weiteres Gelächter aus. 5 Minuten und einen weiteren Lovesong später, waren wir endlich da. Wir legten uns Handtücher hin und zogen unsere Sachen, bis auf die Badekleidung aus.
Felix musterte mich von oben nach unten und setzte sein typisches Grinsen auf.
''Du siehst wirklich sehr, sehr gut aus'', er umarmte meine Taille und ich legte meine Hände um seinen Hals, ein inniger Kuss folgte.
''Du aber auch.'', ich schmunzelte. Auf einmal wurde ich mit voller Kraft hochgezogen, Felix warf mich praktisch über seine Schulter und rannte mit mir ins Wasser. Er schmiss mich in die eiskalte Menge.
''Du Arschloch!'', ich tauchte auf und spritze ihm Wasser ins Gesicht, er tat mir gleich und es folgte eine Wasserschlacht. Das erinnerte mich nur zu sehr an das Festival und warme Gefühle stiegen in meinem Bauch hoch. Ich genoss jede Sekunde mit ihm, jedes herumgealbere. Nach 15 Minuten entschieden wir uns wieder an Land zu gehen - es wurde kalt und wir brauchten eine Pause.
Felix machte sich auf dem Handtuch breit, ich legte meinen Oberkörper auf seinen ab, seine Hand wanderte zu meinem Rücken. Ich starrte ihm ins Gesicht und stupste auf seine Nase, weiteres vorhaben wurde von einem mächtigen Regen unterbrochen.
''Fuck, fuck es regnet, gib mir die Sachen, wir rennen in's Auto'', ich folgte seinen Anweisungen und gab ihm die Sachen. Beide mussten lachen und rannten zum Auto, schnell schmissen wir die Sachen in den Kofferraum und stiegen ein. Doch ich fuhr nicht los, ich atmete tief ein und aus - rennen war anstrengend. Ich zog meine Beine zusammen und machte es mir auf meinem Sitz gemütlich, der Regen und die Atmosphäre waren schön. Es prasselte von den Scheiben und ich bewunderte jeden Tropfen. Danach sah ich zu Felix, er hatte es sich ebenfalls gemütlich gemacht.
''Ich liebe dich'', es platze aus mir heraus. Das war praktisch der perfekte Moment dafür. Ich weiß, man sollte um diese Worte kein Drama machen, aber sie bedeuteten so viel.
Felix lehnte sich zu mir, strich meine Haare aus dem Gesicht und gab mir einen weiteren Kuss. Er schmeckte gut und ich fühlte mich wohl bei ihm. Er löste sich und schenkte mir ein Grinsen. ''Ich liebe dich auch'', noch ein Kuss, ''so sehr.''
Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. Es war ein schönes Gefühl zu lieben, ja. Aber es war noch viel schöner, wenn das auch erwidert wurde. Wir blieben eine Weile im Auto, stumm sitzend, doch es war schön. Dann erzählte Felix mir von Steffen und dem Radio und wie Steffen beinahe das Atomino in Brand gesetzt hatte, weil er neue Kabel verlegen wollte. Und wie Till meinte, dass er gut auf mich aufpassen soll. Wir lachten und ich nutze den Moment der Freude um ihm etwas mitzuteilen, etwas, dass ich nun auch noch endlich loswerden musste.
''Felix? Ich muss dir was sagen..''
''Machst du Schluss? Jetzt schon?''
Ich lachte leicht auf, ''Nein, natürlich nicht, um Gottes willen. Es ist was anderes, etwas was ich schon eine Weile mit mir herumtrage. Du weißt noch, als ich mit einem Arzt telefoniert habe?''
Er nickte, ''Wegen deinem Bein? Ja, das weiß ich noch.''
''Ja, aber es war nicht wegen meinem Bein. Die Ärzte haben bei weiteren Untersuchungen Knochenmetastasen bei mir gefunden und -''
Der Junge unterbrach mich, ''Warte, das heißt, du hast Krebs?''
Diesmal nickte ich. ''Chemo fängt bald an, muss mich nur noch für eine Klinik entscheiden. Desto früher, desto besser.''
Ich erkannte, wie er schluckte und seinen Kopf nach hinten warf. Leise Geräusche kamen aus seinem Mund. ''Oh man, oh man.''
''Bist du sauer auf mich?'', natürlich hatte ich den Verdacht. Schon wieder verschwieg ich ihm etwas und dann noch sowas. Er war schon gestern völlig enttäuscht von mir.
Brummer schüttelte mit dem Kopf, ''nein, ich hab nur Angst dich zu verlieren.'' Seine Stimme klang zittrig und ich strich ihm mit meiner Handaußenseite über die Wange, er ließ es zu und Tränen flüchteten aus seinen Augen.
''Shh, ist schon okay, ich schaffe das. So schnell wirst du mich nicht los.'' Ich setzte ein Kuss auf seine Stirn und hielt ihn in meinen Armen.
''Tut mir leid, eigentlich sollte ich derjenige sein, der dich in die Arme nimmt'', er lächelte mich leicht an und ich schüttelte mit dem Kopf.
Anschließend fuhren wir wieder zu mir. In der Hoffnung, dass Daniel nicht zuhause ist, schloss ich die Wohnungstür auf.
''Hallo?'', wie gewöhnlich schrie ich in den Hausflur.
''Haaallo!'', Hennings Stimme. Gut. Er kam aus seinem Zimmer hervor und musterte uns von oben nach unten.
''Wisst ihr wo Daniel ist? Hab den seit gestern nicht mehr gesehen.'', auf Hennings Frage bekam er nur ein lauten Seufzer von Felix, ich zuckte mit den Schultern.
''Ist doch egal, der kann gerne in der Hölle schmoren'', Felix grummelte es leicht vor sich hin, doch Henning hörte seine Worte.
''Warum denn das?'', Henning hob seine rechte Augenbraue. Verzweifelt sah ich zu Felix, doch er wich meinen Blicken völlig aus.
''Warum? Er hat deine Schwester geschlagen und fast zu Tode gewürgt, deshalb.'', er klang gereizt und jeden Moment zum Explodieren bereit.
''Felix!'', ich haute ihm auf die Brust.
''Sorry aber irgendwer musste es ihm ja sagen!'', ich rollte meine Augen genervt. Jetzt ging das schon wieder los.
''Lynn? Ist das wahr?'', Henning sah mich unglaubwürdig an.
''Mhm.'', leicht wackelte ich mit dem Kopf, fuck, ich hasse sowas. So sollte er es auf keinen Fall erfahren.
Henning zog sich seine Schuhe an und ging zur Wohnungstür.
''Henning, was machst du da?''
''Ich finde dieses Arschloch und stelle klar, dass er sich dir nie wieder nähert und dich anpackt, das mache ich.'', er drückte die Türklinge nach unten. Mein Blick wanderte zu Felix.
''Warte..'', Felix machte eine leichte Handbewegung und sagte es ganz monoton, ohne Gefühle. ''Das bringt doch so auch nichts, wir finden einen besseren Plan, bei dem niemand verletzt wird.''
Zum Glück ließ sich mein Bruder überreden. Ich dankte Felix, denn ich wusste, er tat das nur meinetwegen. Eigentlich hätte er nichts dagegen gehabt, wenn Henning Daniel ein paar mal auf die Fresse gehauen hätte. Wir drei entschieden uns dafür abzuwarten und es mit Worten zu klären, denn wir erkannten, dass Daniel ein großes Problem hatte. Außerdem würde er so schnell nicht wiederkommen, denn wahrscheinlich wusste er jetzt schon, dass auch Henning Bescheid weiß. Ich hoffe er schämt sich, denn was er mit mir tat, das war die reinste Qual. Aber irgendwie hoffte ich auch, dass es ihm gut ging und dass er ein Dach über dem Kopf hatte und nicht irgendwo besoffen in einer Ecke liegt. Vorwürfe schwirrten in meinem Kopf rum. Wie konnte es nur dazu kommen? Ich hätte es früher stoppen können und ihm helfen können! Ich wollte das nicht. Ich wollte so vieles nicht.
Inzwischen lagen Felix und ich wieder gemütlich auf meinem Bett, auf dem locker noch eine Person Platz hätte.
''In der Nähe von Chemnitz gibt es eine Klinik für besondere Krebsarten. Komm zu mir, Lynn, bitte. Ich flehe dich an, lass mich nicht alleine, mit der Ungewissheit, dass du jeden Moment tot sein könntest. Ich liebe dich doch so sehr.''
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The only exception // Felix Brummer (Kraftklub)
Fanfiction''Das ich dich mag heißt nur, dass ich nicht weiß, wie man das anders sagt.''
