Don't go, I can't do this on my own

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LYNNS SICHT

Er sagte nichts. Gestern auf dem Rückweg, als wir im Hotel waren und heute Morgen nicht. Nun befanden wir uns wieder im Van, es ging zurück nach Chemnitz. Jeder Versuch mit ihm zu reden scheiterte, er wich immer aus, nickte nur stumm oder schlief. Es war meine Schuld. Ich war diejenige, die so offensiv mit Ben tanzte und lachte. So eine Idiotin. Neben Till und Steffen platziert, versank ich in Gedanken. Till zeigte mir hier und da wieder ein paar lustige Bilder und ich versuchte ein Lachen aufzudrucken, obwohl mir überhaupt nicht danach zumute war.

''Alles okay?'', er sah besorgt zu mir.

''Mhm.''

''Du musst dir keine Sorgen machen, Felix konnte seine Wut noch nie gut verbergen.'', Till lächelte und sah dann zu Felix's Sitz. ''NICHT WAHR, FELIX?''

Felix antwortete nicht, sondern nickte nur. Es herrschte eine eisige Stimmung, denn auch die anderen bekamen von der Sache mit Ben mit. Das ließ mich noch schlechter fühlen, da Benjamin ja der Freund von allen war und ich praktisch dazwischen stand und alles durcheinander brachte. Irgendwie schämte ich mich für meine Lage.

''Mach dir nichts draus, seine Laune ist kaum auszuhalten!'', flüsterte Steffen mir zu. Alle hatten einen ziemlich fetten Kater, da sie durchfeierten. Ich schenkte Steffen ein Lächeln, ich glaube von allen Jungs hatte es Steffen am schwersten mit mir. Vielleicht lag es an unserer Schüchternheit, aber bis jetzt konnten wir uns noch nicht richtig anfreunden.

Zuhause angekommen ging Felix mir immer noch aus dem Weg, einfach so ging er in sein Zimmer, was jetzt eigentlich unseres war, und schloss die Tür hinter sich. Ich fühlte mich fremd und unwohl, ich bereute nicht hier her gezogen zu sein, aber es machte mich auf eine gewisse Art traurig.

''Felix, das ist jetzt nicht nur dein Zimmer!'', brüllte Karl hinter ihm her, irgendwie war er auch sauer auf Felix.

''Schon okay, Karlchen. Ich glaube ich gehe eins, zwei Runden um den Block spazieren, ich brauch 'nen freien Kopf.'', sagte ich, bevor ich die Wohnungstür öffnete.

Draußen dachte ich über vieles nach und traute mich nicht wirklich, wieder zurück in die Wohnung zu gehen. So distanziert hatte ich meinen Freund noch nie erlebt. Ich musste mich entschuldigen, das war alles auf meinen Mist gewachsen.

Eine Stunde später ging ich wieder zurück in unsere Wohnung, sofort machte ich mich in unser Zimmer - doch von Felix fehlte jede Spur.

''Karl?'', ich schrie durch den Flur, ''weißt du wo Felix ist?''

''Hm, hast du ihn nicht draußen gesehen? Er meinte er wollte dich suchen, aber ich denke, du solltest nicht nach ihm gucken. Er hatte 'ne Schnapsflasche dabei und betrunken ist Felix noch schlimmer als nüchtern.'', Karl sah zu mir. Ich konnte ihn doch nicht einfach so draußen, betrunken nach mir suchen lassen. Es war schon dunkel und ich machte mir Sorgen.

FELIX' SICHT

Mit eisigem Blick nippte ich an meiner Flasche. Arschloch. Noch ein Schluck. Ich Idiot. Ein weiterer. Was war nur in mich gefahren? Mit einer Tusse rumzumachen, beinahe mit ihr zu schlafen, wobei sie schon nackt vor mir lag. Erinnerungen kamen hoch, ich hatte Lynn schon mal so verletzt, als ich damals im Atomino mit einer anderen rumknutschte. Tränen fielen von meinem Gesicht auf den Steinboden unter mir. Ich hatte Karl bereits von der Sache erzählt und noch nie zuvor hatte ich so einen enttäuschenden Blick von ihm bekommen.

''Felix!'', ich hörte ihre Stimme. ''Felix, da bist du ja. Ich habe dich über all gesucht.''

Ich sah zu ihr, doch sagte nichts. Sie setzte sich neben mich, auf die Holzbank und versuchte mir in die Augen zu sehen. Doch ich konnte nicht, ich fühlte mich so schuldig.

''Felix.. Es tut mir so leid, es war alles meine Schuld. Du weißt, ich stimme dir nicht zu, dass du Ben geschlagen hast, aber ich verstehe warum du es getan hast. Und es tut mir leid, ich hätte nicht so vor deinen Augen mit ihm tanzen sollen...'', sprach Lynn.

Sie dachte, es wäre ihre Schuld, doch das war es nicht. Ich konnte meine Gefühle nicht im Auge behalten, ICH war derjenige der sich entschuldigen musste. Womit hatte ich sie nur verdient?

''Bitte sag doch was..'', flehte sie nach einer kurzen Pause und ich suchte die Worte in meinem Kopf um sie zu Puzzle zusammen zu setzen, doch nichts schien logisch.

''Lynn, als ich meinte, dass ich mich umziehe, da habe ich..'', meine Stimme zitterte, reiß dich zusammen Felix!, ''.. da habe ich, mit einer anderen rumgemacht und es tut mir leid und -''

''Du hast was?'', sie schrie nicht, doch ich konnte ihre geschockte Stimme erkennen.

''Es tut mir leid, Lynn..'', sie stand auf und ich versuchte ihren Ärmel zu greifen. ''Bitte geh nicht..'', flehte ich.

''Pack mich nicht an!'', ihr Ton wurde lauter und panischer und schließlich weinte sie auch. Sie drehte sich um und ging. Ich versuchte ein weiteres mal ihren Arm zu greifen, doch sie wehrte sich.

''Lynn, ich liebe dich doch so sehr.'', schluchzend schrie ich ihr hinterher. ''Lass mich bitte nicht alleine.''

The only exception // Felix Brummer (Kraftklub)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt