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Lächelnd komme ich wieder in Mattys Zimmer. Die Jungs gucken mich beide an.
Ich setzte mich zu ihnen und gucke sie nun ebenfalls an. Haben die auch mal vor mit mir zu reden?
"Erzähl schon.", ruft Matty und erschrickt mich damit so sehr, dass ich fast vom Stuhl falle.
Steven hält mich gerade noch fest.
"Gibt nicht viel zu erzählen.", gebe ich zu.
Matty verdreht die Augen.
"Hattet ihr Sex?"
Ich nicke lächelnd und Matty jubelt, als hätte seine Lieblingsmannschaft ein Spiel gewonnen.
Steven lächelt mich nur schwach an.
"Ist alles okay, Steven?", frage ich ihn dann.
Er nickt bloß. Vielleicht hat er wenig geschlafen.
"Und wie geht es mit euch weiter?", fragt Matty nun. Er ist echt neugierig.
Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, weshalb ich nur mit den Schultern zucke.
"Ich glaub, das wird was aus euch.", meint Matty und ich lache nur.
"Er kennt meine Vergangenheit nicht. Wenn er es weiß, will er sicher nichts mehr von mir wissen.", murmle ich.
Selbst wenn es zwischen uns funktionieren würde, das würde immer dazwischen stehen.
"Dann erzähl es ihm nicht.", meldet sich nun auch Steven zu Wort.
Matty scheint die Idee zu gefallen und ehrlich gesagt klingt das wirklich nicht so schlecht. Es gibt bestimmt Sachen, die er mir auch nicht erzählen will.
Obwohl ich mich dabei unwohl fühle, beschließe ich also ihm nichts von meiner Vergangenheit zu erzählen. Vielleicht ist das aber auch nicht mal nötig. Womöglich war ich nur ein One- Night- Stand für ihn. Kann sogar sein, dass ich nie wieder von ihm hör.
"Leute, machts euch was aus, wenn ich 'ne Runde penn?", fragt Matty und Steven und ich schütteln gleichzeitig den Kopf.
Wir verlassen also das Zimmer und laufen zuerst ein wenig planlos durchs Krankenhaus.
"Lust einen Kaffee trinken zu gehen?", fragt mich Steven dann und ich nicke.
Er fährt uns zu einem kleinen hübschen Café, bestellt uns beiden einen Kaffee und macht es sich dann auf einem Stuhl bequem.
"Magst du mir jetzt erzählen, was mit dir los ist?", platzt es aus mir raus.
Steven guckt überrascht auf und blickt mir in die Augen.
"Es ist nichts.", nuschelt er.
Ungläubig gucke ich ihn an und verschränke dann die Arme vor der Brust. Er weiß, dass ich nicht locker lassen werde, weshalb er mit der Sprache rausrückt.
"Ich hab irgendwie das Gefühl, dass Conor dich verletzen wird.", gibt er zu.
Wow, mit sowas habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich hätte auch nicht gedacht, dass seine Laune etwas mit mir zu tun hat.
"Außerdem find ich es irgendwie krass, dass du bei dem zweiten Treffen schon mit ihm schläfst. Du bist nicht der Typ für sowas."
"Woher willst du das wissen?", antworte ich ein wenig eingeschnappt.
Nun ist er es, der ungläubig guckt. Er weiß ganz genau, dass ich weiß, wie gut er mich jetzt schon kennt. Aber ich habe ja auch nicht vor, jetzt bei jedem Treffen Sex mit Conor zu haben. Ohne den Alkohol wäre das wahrscheinlich nicht einmal passiert.
"Wir haben getrunken. Ich hab nicht drüber nachgedacht Aber solange ich es nicht bereue, passt doch alles."
Er scheint kurz zu überlegen, aber nickt dann schließlich. Er ist zwar nicht glücklich mit dem, was ich getan habe, aber akzeptieren muss er es so oder so.
Eine Weile sitzen wir noch in dem Café, unterhalten uns und trinken unsere Brühe leer. Matty hat Steven eine Nachricht geschickt, dass wir heute nicht mehr kommen müssen, da Ian bei ihm ist und sie etwas Zeit zu zweit verbringen wollen.
Also fahren Steven und ich zu uns nachhause, was mir ganz gelegen kommt, da ich mir mal etwas bequemeres anziehen will. Es ist echt seltsam nun einen Schlüssel zu besitzen. Genau genommen ist es Mattys Eigentum, aber im Moment eben mein Besitz.
Steven geht in Mattys Zimmer, um ein bisschen zu zocken, während ich mich umziehe. Danach geselle ich mich zu ihm und wir zocken ein wenig. Wir reden weniger als sonst, was aber nicht wirklich stört.
"Hab Hunger. Wollen wir uns irgendwas machen?", schlägt er nach einer Weile vor und ich nicke.
Bis jetzt habe ich nur gefrühstückt. Mit Conor. Ob er viel an mich denkt? Wahrscheinlich nicht, warum mache ich mir über sowas überhaupt Gedanken.
Steven und ich gehen in die Küche und machen uns Nudeln mit Soße. Steven hat sie ein wenig versalzen, aber er meinte so geht das Rezept.
"Sicher, dass das so schmecken soll?"
Empört sieht er mit vollem Mund auf zu mir.
"Zweifel nicht an meinen Kochkünsten, ja!", schmatzt er und bringt mich damit zum Lachen.
Er ist so ein Trottel.
Als es dunkel wird und wir keine Lust mehr zu zocken haben, beschließen wir einen Film zu gucken.
"Spiderman?"
Wild schüttle ich den Kopf. Das kann er mal sowas von vergessen.
"Mhh. Star Trek?", schlägt er danach vor.
Kritisch gucke ich ihn an und breche dann in schallendes Gelächter aus. Selbst wenn die Filme ganz okay sind, sind sie einfach nicht mein Geschmack. Das einzige das ich an dem Film liebe ist Anton Yelchin, welcher unglücklicherweise von uns gehen musste. Ein Grund mehr, den Film nicht zu gucken.
"Gut, dann bring du mal 'nen Vorschlag.", meint er ein wenig eingeschnappt.
"Harry Potter."
Wenn er nein sagt, ist unsere Freundschaft hiermit beendet.
"Hab vor einer Woche nen Filmmarathon davon mit meiner Schwester gemacht."
Na schön, das lass ich grade so noch durchgehen.
"Magic Mike."
Nun ist er es der lacht.
"Was hab ich denn davon?", fragt er, nachdem er sich beruhigt hat.
"Eine glückliche Ava. Und falls du jetzt noch nicht schwul bist, wirst du es danach garantiert sein."
Okay, ich muss überzeugender werden.
"Und warum sollte ich schwul werden wollen?", fragt er lachend.
"Dann bist du mit Matty und Ian in einer Gaygroup."
Sein Blick sagt mir, dass er jegliche Hoffnung in mich aufgegeben hat. Ehrlich gesagt wäre es aber wahrscheinlich wirklich uncool, wenn ich nur mit schwulen Jungs abhängen würde. Die würden mir jeden Typen wegnehmen.
"Dann wohl kein Magic. Magic Mike."
Dabei drehe ich mich einmal vor ihm und laufe für den Effekt kurz aus dem Raum. Wenn wir ihn schon nicht gucken, darf ich wenigstens eine Szene daraus nachmachen.
"Du bist so verrückt, Ava."
Ich weiß, vielen Dank.
"Ich hab eine Idee. Zuerst darfst du einen Film aussuchen und danach ich. Deal?"
"Heißt das auch, dass du wieder hier pennst?"
Er grinst ein wenig, aber versucht es zu unterdrücken.
"Wenn du das unbedingt willst.", gibt er von sich und beißt sich auf die Lippe um nicht zu lachen.
Oh shit, das sieht heiß aus.
"Hör auf mit mir zu flirten!", mahne ich ihn, aber muss selbst schon lachen.
"Ups."
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Clean
Jugendliteratur"Du bist clean, Ava." "Ich hab' schon bessere Witze gehört." Diese Geschichte widme ich meinem Lieblingsbuch meiner Lieblingsautorin: Schnauze Alien.
