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Einige Sekunden blieb der Hut still. Lily begann sich schon zu fragen, ob hier irgendetwas entsetzlich schief gelaufen war, dass sie gar nicht auf Hogwarts eingeschrieben worden war, und jetzt gehen müsse, als der Hut in ihren Gedanken zu sprechen begann.

„Du bist also auch eine von der komplizierten Sorte, was? Aber keine Sorge, ich teile jeden in das richtige Haus ein. Lass mich raten, du bist das kleine Mädchen aus Dumbledores Büro? Weißt du, wie lange ich mich schon auf diesen Moment freue? Nein? Na stell dir mal vor, wie es ist, wenn man jedem Menschen, der Dumbledores Büro betritt, schon kennt. Aber nun gut, lassen wir uns nicht davon reden. Du hast' ja ganz schön was im Köpfchen. Oh jaah... Ich sehe da ganz viel Wissensdurst, du scheinst es ja ganz schön eilig zu haben!"

Die Stimme des Hutes war piepsig, nicht tief oder kratzig, so wie sie sie vielleicht erwartet hätte. "Irgendwie kommst du mir aber trotzdem bekannt vor. Du hast aber verdammt viel Ehrgeiz für so eine kleine Person. Du willst an ein großes Ziel kommen mit deinem Wissen. Aber ohne List und Tücke, nein, du wirst das heldenhaft meistern. Diesen Mut habe ich vor vielen Jahren das letzte Mal gesehen. Mädchen, bist du dir sicher, dass bei deinem Nachnamen nicht etwas vergessen wurde? Das erinnert mich wirklich an Godric. Warte nur ab bis du mal richtigen Duellier Unterricht bekommst."

Lily schluckte. Gryffindor war das Haus des Mutes. Sie kam sich plötzlich zu klein für diese Auswahl vor, zu klein, um den Ansprüchen des Hutes zu genügen. Lily spürte, wie sich etwas in ihrem Bauch zusammen knäulte, wo war der Hut jetzt, wo sie ihn gebrauchen konnte, warum konnte er sich nicht einfach entscheiden, so schnell, dass sie nicht die Möglichkeit bekam, selbst darüber nachzudenken.

Lily begann sich zu fragten, wie lange sie jetzt schon hier auf dem Stuhl saß. Konnte sich der Hut nicht beeilen, bei allen anderen zuvor schien alles viel schneller gegangen zu sein. „Ich sehe schon, du bist ungeduldig. Du brauchst dich nicht selbst zu entschieden, du kennst mein Urteil bereits. Wir sprechen uns noch einmal wieder, mein mutiges Kind. Du gehörst nach GRYFFINDOR!" Die letzten Worte ertönten in der ganzen Halle und als Lily den Hut von ihrem Kopf nahm, fühlte sie sich freier und lebendiger als je zuvor. Sie war nach Gryffindor gekommen.

Kurz erlaubte sie sich einen Gedanken an Sev. Was er wohl dazu sagen würde. Als sie den Hut auf den Stuhl zurücklegte, suchte sie ihn immer noch vergebens. Dafür aber sah sie aber McGonagall, deren Mundwinkel zu einer Andeutung eines Lächelns verzogen waren. Sie sah Professor Kesselbrand, der ihr zunickte, als habe er es schon immer gewusst. Und vielleicht hatte er das ja auch.

Am Gryffindortisch winkten ihr fremde Hände zu, auf unbekannten Gesichtern lag ein Lächeln. Sie setzte sich mit einem stolzen Grinsen zu ihnen. Ein großer rothaariger Junge schüttelte ihre Hand, „Percy Weasley. Vertrauensschüler! Willkommen bei den Gryffindors!" Percy schien in seiner Aufgabe als Vertrauensschüler vollkommen aufzugehen, jedem Neuen schüttelte er die Hand und grinste ihm freundlich zu, als gäbe es keine schönere Aufgabe.

Der nächste Schüler, der nach Gryffindor kam, war ein dunkelhäutiges Mädchen namens Madison. Bei ihr hatte der Hut nur wenige Sekunden gebraucht um sich zu entscheiden. Auf Lilys Gesicht schien das Lächeln wie festgewachsen. Sie war im Moment so glücklich endlich mit all den anderen in der großen Halle sitzen zu können. Als gäbe es nicht schöneres, als den neuen Gryffindors zuzujubeln und all die Menschen um sich herum zu betrachten.

Madison hatte sich ein paar Plätze von ihr entfernt hingesetzt und sprach angeregt mit einer anderen Erstklässlerin. Die beiden schienen sich schon zu kennen. Aber jetzt war keine Zeit um daran zu zweifeln hier Freunde zu finden. Diesen Abend würde sie ohne zweifeln bestehen. Nervös hörte sie auf ihre Finger zum Knacken zu bringen und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorne.

1 - AschemädchenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt