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Braune Augen.

Als wäre sie immer noch in diesem Albtraum gefangen.

Blinzeln.

Der Krankenflügel um sie herum.

Blinzeln.

Ginny auf ihrer Bettkante.

Blinzeln.

Braune Augen.

„Welches Datum ist heute?" „Du hast einen halben Tag verpasst." Lily ließ sich beruhigt in die Kissen zurückfallen. „Snape hat dir den Trank als erstes gebracht. Sie sagen, bei dir geht es schneller." Ginny presste ihre Lippen aufeinander. „Aber die anderen werden gleich aufwachen." Ginny blinzelte und für einen kurzen Augenblick ergriff Lily die blanke Panik.

Schon im nächsten Moment schämte sie sich dafür. Als Ginny ihre Lider wieder aufschlug, war ihre Iris immer noch braun. „Lily- es tut mir Leid. Ich wollte nichts von alledem." Ihre Schultern bebten, ihr gesamter Körper fing an, unkontrolliert zu zittern. Lily setzte sich auf und wartete, bis sich ihre Welt nicht mehr drehte. „Ginny, schau mich an."

Sie erhob ihren Blick, sie sahen sich in die Augen. „Nichts, wirklich nichts davon ist deine Schuld." Lily legte ihren Arm um Ginnys Schultern und drückte sie leicht an sich. Jemand hatte ihr die Schuluniform ausgezogen, sie trug nur noch ein Unterhemd. Ihr nackter Arm zierte ein Muster aus weißen, feinen Linien.

Kurz sah sie ihn wieder vor sich, blutüberströmt, die Haut gelöst, zu Teilen verbrannt. „Wo ist der Kalender?", fragte Lily leise. „Harry hat ihn zerstört.", antwortete ihr Ginny. „Harry? Harry Potter?" Sie zog zaghaft die Augenbrauen hoch und auch Ginny lächelte vorsichtig, obwohl ihr zeitgleich Tränen über die Wangen liefen.

„Möchtest du hier sein, wenn die anderen aufwachen?" „ Nein. Sie wissen von nichts. Dumbledore hat niemandem- Ich möchte nicht-" Lily drückte sie noch einmal. „Das verstehe ich. Ich hab eine Idee. Du musst nicht hier bleiben." Ginny nickte erschöpft. „Dir geht es, hm, also dir geht es gut oder? Ich meine dir fehlt nichts." Sie schaute sie kurz verwirrt an, dann lachte Ginny leise. Eine Träne kullerte von ihrer Wange und tropfte auf Lilys Bettdecke. „Nein, mir geht es gut. Ich bin nur so im Krankenflügel. Ich glaube, sie wussten nicht, was sie mit mir machen sollten." „Das ist gut." Lily nickte. „Ich meine, es ist gut, dass es dir gut geht."

Sie mussten auf einmal beide grinsen, so merkwürdig war es, wie sie hier saßen, weinend und lachend gleichzeitig. „Dann hoffe ich, dass Madam Pomfrey nichts dagegen hat, wenn ich dich entführe." Ein Blick auf die Krankenschwester verriet, dass sie gerade beschäftigt war. Einem Geist einen Trank einzuflößen war bestimmt eine Tätigkeit, auf die man in der Krankenschwesterausbildung nicht vorbereitet wurde.

Mit einem leisen Quietschen öffnete Lily die Tür zu Madam Pomfreys Büro. „Komm! Hilf mir mal." Gemeinsam schoben sie den Schreibtisch zur Seite, um besser an die kleine, verborgene Tür zu kommen. „Es wird in bisschen eng sein, aber wir kommen immerhin unerkannt raus." Lily grinste und ließ Ginny den Vortritt.

„Das ist ein Botengang für die Hauselfen. Inzwischen gibt es schon einen neuen, aber der alte wurde nur zugeschoben. Hier im Krankenflügel würde es zu laut sein, wenn sie apparieren. Der Gang führt genau in die Küche." Sie robbten auf den Knien durch den kleinen Schacht, aber es dauerte nur wenige Minuten, dann weitete sich der Gang und mündete auf einer kleinen erhöhten Plattform.

„Warst du schon mal hier?" Ginny schüttelte den Kopf. „Nein, aber Fred und George haben mir davon erzählt." Sie kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als direkt die ersten Elfen herbeigewuselt kamen. „Und ich dachte, Fred und George machen Witze." "Als würde Ihnen das jemals einfallen.", bemerkte Lily trocken.

1 - AschemädchenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt