„Aimée!" Lily versuchte zu antworten, zu sagen dass alles in Ordnung war. Aber ihr Mund gehorchte ihr nicht, fühlte sich an wie eine trockene Scheibe Brot, ihre Zunge wie ein aufgequollenes Stück Fleisch, unfähig Worte zu formen. Ein Rütteln an ihrer Schulter.
„Aimée!" Sie war müde, konnte man denn nicht mal in Ruhe schlafen? Immerzu musste Sev sie aufwecken! „Lass mischdoch in Rue Sesch!" Lily rollte sich auf die andere Seite. Warum war diese verdammte Matratze so hart? Und wo war ihre Decke abgeblieben?
„Es ist beinahe Mittag, du kannst nicht mitten im Verbotenen Wald einschlafen! Und außerdem heiße ich Jasper!", eine schrille Stimme drang dumpf zu ihr durch. Lily spürte eine Hand an ihrer Schläfe, die ihren Kopf langsam wieder in die andere Richtung drehte. „Ich bin hier, jetzt wach gefälligst auf!" Lily blinzelte, das erste was sie sah war eine blutüberströmte Hand. „Dein Blut oder mein Blut?" Jasper blickte sie verwirrt an. „Lieg ich auf dem Boden oder du?" „Also mein Blut. Gut."
Lily wollte ihre Augen wieder schließen. „He nichts da!" Das klatschende Geräusch von seiner Hand auf ihrer Wange ließ sie ihre Augen wieder öffnen. „Sag mal hast du einen Schaden in deinem Gehirn? Ich hasse dieses Geräusch!" Jasper starrte sie verwirrt und unsicher an. „Schau doch nicht so komisch, bei mir ist alles gut. Ich kann das nur nicht leiden." "Was genau kannst du nicht leiden?" "Dieses schwabbelnde Geräusch. Von Haut auf Haut."
Er wirkte nicht sehr überzeugt. „Aber tut dir denn was weh?" „Weiß nicht." „Komm schon, Aimée! Wir haben nicht unendlich viel Zeit, wir befinden uns mitten im Verbotenen Wald! Was weiß ich denn was für Tiere gerade dein Blut riechen!" „Keine Panik, du Schisser.", Lily versuchte sich aufzusetzen. Die Bäume drehten sich, verschwammen zu einer braunen Masse. „Allerdings tut mein Kopf ein bisschen weh."
„Das ist aber glaub ich nur 'ne Platzwunde. Dir müsste noch viel mehr wehtun." Ungeduldig trat Jasper von einem Fuß auf den anderen. „Wenn ich es mir so recht überlege, tut es mir hier auch weh." Sie zeigte auf ihr Bein, es stand in einem seltsamen Winkel von ihrem Körper ab.
„Wir müssen irgendwie wieder zum Schloss zurückkommen Kannst du stehen?" „Weiß nicht." Lily stütze sich auf ihren Unterarmen ab und versuchte die Steinchen zu ignorieren, die sich durch die zahlreichen Schürfwunden in ihren Körper bohrten. Ihre Beine knickten immer wieder ein. „Warte, ich helfe dir." Jasper kniete sich neben sie und legte ihren Arm um seine Schultern. „Bei drei stützt du dich hoch." „In Ordnung.", presste Lily hervor und hoffte Jasper würde blutbesudelte Kleidung nicht ganz so schlimm finden. Unter einem Ächzen stand Lily wieder auf ihren eigenen Füßen.
Jasper trug sie mehr oder weniger mit Hilfe ihrer Unterstützung bis zu seinem Besen, den er achtlos zu Boden geworfen hatte. „Wir müssen zu zweit auf meinen. Aus deinem hast du Kleinholz gemacht." Mühsam versuchten sie, Lily auf den Besen zu setzen. „Ist das schlimm? Also das mit dem Be-" Lily hustete zunächst, dann spuckte sie einen Schwall Blut auf die Erde. „Tut mir Leid", murmelte sie. „Ich bin eine miserable Fliegerin." Jasper seufzte. „Nein, du bist einfach nur viel zu waghalsig. Aber jetzt müssen wir dich erst mal wieder ins Schloss zurück bekommen."
„Geht das denn so überhaupt?" „Muss wohl, wenn du nicht zufällig einen Reservebesen in deiner Hosentasche versteckt hast." „Und was, wenn du zum Schloss fliegst und ich hier bleibe, bis Hilfe kommt?" „Auf keinen Fall!", fuhr Jasper sie an. „Ich lasse dich auf keinen Fall hier zurück. In diesem Wald gibt's doch alles Mögliche an Getier. Und außerdem müssen wir dann Strafarbeiten machen. Das muss jetzt einfach gehen." Jasper ließ für den Bruchteil einer Sekunde ihren Arm los und setze sich dann vor sie. Der Moon Express war wirklich nicht für zwei Personen gemacht.
„Es gibt nicht genügend Platz, wo soll ich meine Hände hintun?" „Weiß ich doch auch nicht. Tu sie einfach irgendwo hin." Wenn es ihr selbst nicht so schlecht gegangen wäre, hätte ihr Jasper leidgetan. Da hatte er einmal ein Risiko gewagt und schon flog sie gegen einen Baum und schrottete einen Besen.
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1 - Aschemädchen
FanfictionHP Fan-Fiction • Nach Jahren zwischen dicken Schlossmauern, dutzenden Büchern und einem dicht gewobenen Kokon aus Geheimnissen beginnt Lilys erstes Jahr an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei. Unsicher, mit der stetigen Angst, ihre Verbindu...
