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„Aimée.", sagte eine Stimme und Lily drehte sich verwundert zu Jasper um. „Schaffst du es, am Samstag in die Euleri zu kommen?"

„Ja." „Gut, ich habe nämlich einen Plan." Seine grauen Augen blitzten auf und Lily grinste. „Und ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass das", sie schaute in Richtung der Ländereien, „sobald nichts mehr wird." Jasper zuckte gut gelaunt mit den Schultern. „Falsch gedacht. Ich hoffe du findest das nicht traurig." Lily schüttelte bestimmt ihren Kopf. „Wir sehen uns am Samstag." „Sehr gut." Jasper lächelte und wandte sich zum Gehen. „Achja, eins noch. Lockhart hat uns gerade hierhergebracht, pass auf, wenn du ihm nicht mehr begegnen möchtest." Dann zog er seine Hand zurück und die Wärme verschwand aus ihrer Schulter.

Lily nickte, aber es dauerte nicht lange, bis sie wieder an der Schulter gepackt wurde. „Was machen sie denn hier, junge Dame! Haben sie sich etwa verlaufen?" Lockhart lachte einige Sekunden und ließ Lily damit Zeit darüber nachzudenken, ob er gerade etwas gesagt hatte, dass man eventuell hätte lustig finden können.

Sie kam zu dem Schluss dass dem nicht so war. Lockhart hörte auf zu lachen. „Sie sollten sich doch in der Obhut eines Lehrers befinden." Tadelnd schüttelte er seinen Kopf, seine Locken aber waren wie festbetoniert und bewegten sich kein Stück.

„Ich wurde aufgehalten und die anderen sind schon einmal vorangegangen.", murmelte sie, ohne die geringste Lust, das Gespräch weiterzuführen. „Das war aber nicht sehr aufmerksam von Professor Snape." Er schüttelte wieder seinen Kopf und Lily starrte fasziniert auf seine Haare. Es war wirklich erstaunlich, dass Lockhart und Sev auf demselben Planeten leben konnten.

„Ich werde Sie zu Ihrer nächsten Stunde begleiten.", sagte er pflichtbewusst, dabei schaute er aber so ernst, als sei es für ihn eine große Bürde, diese Aufgabe zu übernehmen. Der Weg zu Zaubereigeschichte kam ihr fast so lang vor wie die darauffolgende Stunde. Als Lily gerade noch rechtzeitig ins Klassenzimmer huschte, warf Laureen ihr einen neugierigen Blick zu.

„Sag bloß die Slytherins aus dem zweiten Jahrgang hatten nach uns Unterricht.", sagte sie feixend. Lilys Ellenbogen traf sie unterhalb der Rippen, außerdem gewann sie Besen versenken in sagenhaften fünf von sechs Spielen. Ginny saß neben ihnen und starrte sie so böse an, als hielte sie es für eine bodenlose Frechheit, in solchen Zeiten Spaß zu haben.

Am Samstagmorgen erwachte Lily noch vor den ersten Sonnenstrahlen und machte sich auf den Weg in die Eulerei. Sie verlief sich einmal zwischen dem Portrait von Roger dem Ruppigen und der Skulptur von Berthus dem bärtigen Bullen.

Sie ging nur selten in die Eulerei, sie selbst besaß keine eigene Eule. Es hatte einfach nie die Notwendigkeit bestanden, da sie nie Freunde besessen hatte, denen sie hätte schreiben können. Lily orientierte sich kurz und huschte dann in den letzten Abzweig des Geheimgangs, der sie direkt unter den Eulenturm führte.

Sevs kleiner Waldkauz musste auch irgendwo hier sein. Eine Zeit lang hatte Lily mal versucht, einen Raben darauf zu dressieren, ihrem Vater die Ausgaben vom Brauen heute: Neues aus dem Vorratsschrank zu bringen. Irgendwann hatte sie es aufgegeben, der Aufwand hatte sich für ein dreimonatiges Abonnement nicht gelohnt, obwohl Sev die Idee, wahrscheinlich auch wegen seiner Wirkung auf die verängstigten Erstklässler, gefallen hatte. Bei ihrem nächsten Besuch in der Winkelgasse hatte Sev sich einen gewöhnlichen Waldkauz gekauft.

Es dauerte eine Weile, bis Lily eine Stelle gefunden hatte, an der sie sich anlehnen konnte, ohne Eulenmist berühren zu müssen. Jasper kam wenig später und lehnte sich neben sie gegen den schmalen Streifen saubere Wand. „Und jetzt warten wir.", begrüßte er sie. Lily nickte zustimmend. „Worauf genau warten wir denn?"

1 - AschemädchenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt