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Das flaue Gefühl in Lilys Magengegend tauchte jedoch schneller wieder auf, als ihr lieb war. Ihr fiel am früh morgendlichen Frühstückstisch auf, dass Samstag war. Wenn es normalerweise kein Grund zur Sorge gewesen wäre, riefen ihr die ordentlichen Lettern des Tagespropheten, die ein winterliches Wochenende versprachen, Jasper wieder in Erinnerung. Ich bin jeden Samstagvormittag draußen, hatte er gesagt und war ohne noch einmal aufzublicken gegangen.

Die Entscheidung, ob sie diesen einen letzten Satz als Einladung verstehen sollte oder nicht, hatte Lily so lange vor sich hergeschoben, bis Hermine sich dazwischen geschummelt hatte und es ihr komplett entfallen war. Bis jetzt. Lily starrte weiter auf die Titelseite des Tagesproheten. Schwarze Druckerschwärze auf gelblichen Papier. „Der Barverpreis: Die Nominierten stehen fest!", lautete die große Überschrift unter dem Datum. Der Barverpreis, worum es sich dabei auch immer handeln mochte, interessierte Lily nicht und half ihr auch nicht im Geringsten bei ihrer Entscheidung.

Sie starrte jetzt schon so lange auf den, an einer Flasche Kürbissaft angelehnten Tagespropheten von Professor McGonagall, dass es schon so spät geworden war, dass sich Hillary zu ihr an den Tisch setzte. „Morgen Hillary", nuschelte Lily, sie hatte sich festgeguckt und die Buchstaben verschwommen vor ihren Augen. „Morgen Lily, schläfst du noch?", fragte Hillary belustigt und sie riss sich von dem Bild los. Nachdenklich widmete sie sich wieder ihrer Schüssel Haferschleim. Sie brauchte eine Entscheidung, und zwar jetzt.

„Ja oder Nein, Hillary?" Sie schaute Lily fragend an. „Ja.", sagte sie und biss in ihr Marmeladentoast. „Zu wasch denn überhauptsch?" Sie schluckte ihren Bissen hinunter. „Zu was denn", wiederholte Hillary. „Nicht so wichtig. Du hast mir gerade eine Entscheidung abgenommen." Haferbrei wurde eindeutig überbewertet. Sie legte ihren Löffel in die Schale zurück. „Du bist übrigens ein viel zu optimistisch eingestellter Mensch!"

Hillary nahm ihren Kommentar mit einem verschlafenen Kopfnicken zur Kenntnis und stützte ihren Kopf auf ihren Ellenbogen ab.
Ein Blick auf sie Uhr zeigte, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb, wenn man bedachte, dass Vormittag eine sehr vage Beschreibung war und gegebenenfalls auch schon um sieben Uhr morgens beginnen konnte.

Sie wechselte ein paar letzte Worte mit Hillary und versuchte gleichzeitig noch ein bisschen Obst unbemerkt in ihrer Tasche verschwinden zu lassen. McGonagall sah das Anlegen von Hamstervorräten sehr kritisch. Hastig ergriff sie die Gelegenheit, als Laureen die Halle betrat und bot der kleinen Vogelscheuche ihren Sitzplatz an.

„Guten Appetit noch!", rief Lily ihnen über die Schulter hinweg zu und verließ die große Halle. Allerdings nicht ohne einen Seitenblick auf den Slytherintisch zu werfen, in der Hoffnung, dort einen dunkelgelockten Haarschopf zu entdecken.

Heute Morgen hatte Lily sich aus Gewohnheit die Schuluniform übergezogen, jetzt hastete sie wieder nach oben, um sich ihren grauen Pullover anzuziehen. Mit schnellen Schritten war sie wieder in der Eingangshalle. Sie blieb einen Moment lang ratlos stehen. Jasper hatte zwar ungefähr verlauten lassen wann sie sich treffen würden, aber nicht wo. Da es Lily unsinnig vorkam, alleine in der Eingangshalle zu warten, ohne zu wissen, ob und wann er überhaupt kommen würde, öffnete sie das große Portal und trat hinaus.

Die schlammigen Pfützen waren zu erdigen Hügeln gefroren und wie in einer Momentaufnahme erstarrt, die Luft roch schon nach dem ersten Schnee.

Lily hing ihren eigenen Gedanken nach und ließ zu, wie sie sich zu immer länger werdenden Ketten zusammenschlossen und um sie herum wirbelten. Sie dachte an Luna, wie sie einmal in einer Stunde Zaubertränke, als Sev und Lily noch nicht wieder miteinander redeten, aufgestanden war und angefangen hatte in der Luft herum zu klatschen. Sev hatte sie betont ruhig gefragt, was sie denn versuche zu tun. Luna hatte erstaunt geantwortet, dass sie Schlickschlupfe suchte. „Sie machen einen total wuschelig im Kopf. Ich habe die starke Vermutung, dass einer um Ihren Kopf herum schwirrt." Dann hatte sie sich wieder hingesetzt.

1 - AschemädchenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt