In der nächsten Zaubertrankstunde ließen Lily und Ginny jeweils ein geschärftes Messer in ihren Umhängen verschwinden. „Das war echt knapp, mir hätte mein Messer fast den Umhang aufgeschlitzt", bemerkte Ginny, grinste jedoch breit. Lily verzog das Gesicht.
In Wirklichkeit war die Aktion deshalb so gefährlich gewesen, weil Sev Ginnys Diebstahl bemerkt hatte. Nur Lilys bester bettelnster Hundeblick hatte ihn davon überzeugen können, es bei einem strengen Stirnrunzeln in ihre Richtung zu belassen.
Am Abend spielten sie unzählige Runden Zauberschnippschnapp mit den Zwillingen, Ginny flocht ihr einen Zopf mit vier Strängen der so dick war, dass sie sich daran ohne Probleme vom Astronomie Turm hätte abseilen können, wenn er den lang genug gewesen wäre und Lily fabrizierte anschießend einen riesigen Knoten in ihren Haaren.
Nachdem sie diesen wieder entwirrt hatten, mussten sie nur noch Percys unzähligen Aufforderungen, doch nun mal endlich ins Bert zu gehen, widerstehen.
„Ich finde es nun wirklich unverantwortlich, so lange wach zu bleiben. DU bist gerade erst elf Jahre alt, Ginny Weasley!" Allerdings bekamen sie tatkräftige Unterstützung durch die Zwillinge. „Jetzt hab dich doch nicht so, Perce! Bist du etwa nie lange wach geblieben, als du so alt warst?", fragte Fred, worauf er von seinem älteren Bruder einen strengen Blick zugeworfen bekam.
„Nein, natürlich nicht. Ich war mir immer dessen bewusst, dass es angesichts des Unterrichts am nächsten Tag eine schlechte Idee sein würde!", erwiderte er aufgebracht. „Steht deine höchst ehrenwerte Rolle als Vertrauensschüler dann nicht mit deinem Unterricht in Konflikt? Immerhin müsst ihr die Patrouillen übernehmen!"
George schaute Percy fragend an und lotste ihn gleichzeitig an seinem Arm die Treppe zu den Jungenschlafsälen hoch. „Das kann man nun wirklich nicht miteinander vergleichen! Immerhin geht es um das Wohl der Schule. Aber Ginny-" „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass du zum Wohl der Schule beitragen kannst, Perce. Du schaffst es doch noch nicht einmal, die Gartengnome bis über die Hecke zu schleudern. Was willst du denn dann mit dem Erben Slytherins? Deine Arbeit ist ja schön und gut, aber es ist selbst für dich etwas hochgestochen."
„Hochgestochen?" Percys Stimme übersprang mehrere Oktaven und landete in dem Bereich, den Lilys Ohren nicht mehr zu hören vermochten.
„Ich verbringe meine freien Abende in den dunklen Korridoren und bringe mich dabei in Lebensgefahr, George!" „Nur dass das uns dann leider auch nicht weiter hilft.", warf Fred ein. „Also wirklich. Nur weil ihr es nicht geschafft habt, Vertrauensschüler zu werden-" „Du meinst wohl zum Besserwisser mit herausragenden Kompetenzen im Bereich der Sklaventreiberei!"
Percy bekam eine Schappatmung und George drehte sich zu ihnen um. Nach einem Augenzwinkern waren sie verschwunden und ließen Lily und Ginny alleine im Gemeinschaftsraum zurück. Ihre gemeinsame Aktion konnte beginnen.
Behutsam wickelte Lily das Buch aus einem ihrer alten Umhänge. „Keine Sorge, der war gewaschen.", murmelte sie und verdeckte mit ihrer rechten Hand einen gelben Eidotterfleck. Sie hatte keinen blassen Schimmer, wie der auf ihren Umhang hatte kommen können.
Ginny aber nickte nur und setzte sich im Schneidersitz vor die erlöschende Glut des Kaminfeuers. Lily hockte sich neben sie und schlug den Kalender auf.
Sie warf Ginny einen bedeutungsvollen Blick zu. „Der erste Schnitt gehört dir." Ginny setzte ihre Messerspitze auf die blassgelbe Seite des 31. Dezember. Ihre Hand zitterte. Lily schluckte, obwohl ihr ihr Hals gleichzeitig staubtrocken vorkam.
Was machte es ihr so verdammt schwer, von dem Buch loszukommen? Was war an einem alten Kalender so grausig, dass ein elfjähriges Mädchen mit den Tränen kämpfen musste?
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1 - Aschemädchen
FanfictionHP Fan-Fiction • Nach Jahren zwischen dicken Schlossmauern, dutzenden Büchern und einem dicht gewobenen Kokon aus Geheimnissen beginnt Lilys erstes Jahr an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei. Unsicher, mit der stetigen Angst, ihre Verbindu...
