Roscoe
Der dünne Stoff über meiner Nase vermag den chemischen Gestank des Gewässers nicht zu verdrängen. An warmen Tagen scheint der Geruch jeden Winkel der Flamme einzunehmen und kann einen geradezu in den Wahnsinn treiben. Immerhin ist es gerade ziemlich mild. Ausserdem fällt der Regen noch immer in dicken, dreckigen Tropfen, die die stinkige Luft zu Boden drücken scheinen.
Schnellen Schrittes überquere ich die staubige, breite Strasse, die die beiden Seiten der Flamme voneinander trennt. Wenig vor mir rauscht Marleen's dünne Gestalt über den Platz. Anscheinend kann sie die anderen Funken heute ausnahmsweise genauso wenig ertragen, wie ich gewöhnlich. Mit einer Hand an meine Nase gepresst, folge ich Marleen in unser geteiltes Gebäude.
Der Eingang zum Studio ist so kaputt, dass ich mich krümmen muss, um unter dem Betonbalken durch zu kommen. Geduckt schreite ich über den von Brocken übersähten Boden zur Treppe, die ins Untergeschoss führt. Die vierzehn Tritte sind grösstenteils von eingestürzten Wänden zerstört und von einem riesigen Wandschrank überdeckt worden, sodass ich mich neben dem massiven Holz in den Keller hinunter quetsche.
Da Marleen mit ihrer zierlichen Figur ziemlich viel schneller unten angekommen ist, brennen bereits mehrere Solarlampen.
„Lass mich in Ruhe", sagt sie, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Mir den Rücken zugewandt sitzt sie an ihrem grossen Bürotisch, der von Computern, irgendwelchen halbfertig gebauten Geräten und Mappen übersäht ist. Auf ihrer Seite des Kellers befinden sich drei grosse Regale, die sie mit allerlei Daten und Aufzeichnungen gefüllt hat. Ausserdem versteckt sich in einer dunklen Ecke ein kleinerer Tisch mit einem Holzstuhl, an dem Noe fast täglich einige Unterrichtsstunden absitzen muss. Der Junge kann nebst lesen auch schon schreiben und lernt durch Marleen jeden Tag mehr über die Technik des Neuen Amerika kennen. Ich bin mir sicher, dass es keinen zweiten Fünfjährigen in unserem Land gibt, der schon die selben Fähigkeiten besitzt.
„Kein Problem", murmle ich, während sich Marleen ihre Haare hochsteckt.
Gleichgültig drehe ich mich um und trete durch einen offenen Durchgang in den Nebenraum. Wie gewohnt mache ich mit sicheren Schritten einen kleinen Rundgang im absolut dunklen Zimmer und schalte nach und nach sieben kleine Solarlampen an. Das Licht ist blass weiss und trostlos, aber perfekt für meine Arbeit.
Im nun erhellten Raum räume ich das schmale Bett in der Mitte frei von all meinen Geräten. Die gestohlenen Werkzeuge ziert im blassen Licht ein metallischer Glanz. Ich lege sie auf eines der alten, aber sauberen Wandregale, in denen bereits Fläschchen stehen, deren Flüssigkeit im Licht ebenfalls leicht schimmert.
Ernestos Befehl, mich heute Abend noch einmal nützlich zu machen, ermüdet mich. Seine Anwesenheit in der Flamme ermüdet mich. Trotzdem werde ich meine Aufgabe erledigen und ihn damit wenigstens für heute zur Ruhe stellen.
Schnell sammle ich mit einer Hand all meine Haare und binde sie mit der anderen zu einem kleinen Knoten in meinem Nacken zusammen. Dann suche ich all die Utensilien zusammen, die ich für meine Arbeit brauche und reinige meine Hände mit Alkohol. Bei Gelegenheit nehme ich gleich noch einen Schluck von der brennenden Flüssigkeit. Die Wärme, die sogleich meinen Hals hinuntergleitet, beruhigt mich ein bisschen und lenkt mich von Ernesto ab.
Während ich meine Utensilien ebenfalls reinige, höre ich Schritte die Treppe hinunterkommen. Während das eine Paar Füsse fast lautlos über den Stein gleitet, schlurft das andere untrainiert laut. Sofort wird mir bewusst, dass es der Neuankömmling sein muss. Kein Funke würde es sich erlauben, so hörbar zu sein.
„Er wird dir alles erklären, was du darüber wissen musst", erklärt Ernestos Stimme besserwisserisch und ich rolle die Augen. Natürlich muss ich all die Dinge aufzählen, für die er sich zu Schade ist. Oder für die er keine Zeit hat, mit seinem beschäftigten Anführerdasein.
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Fehlerhaft - Bist du das Leben wert?
Fiksi IlmiahEs ist kein Geheimnis: Die Ressourcen sind begrenzt. Wasser, Erdöl, Kohle; all das wird irgendwann ausgehen, womöglich schon bald. Aber wie soll man dann eine stetig wachsende Bevölkerung versorgen? Nun, es gibt nur eine Lösung, die auf längere Z...
