Katherine
„D-du ka-kannst vorer-er-erst bei bei Willo-llow schlafen", erklärt mir der grosse Funke freundlich. Ich habe bereits erfahren, dass er Lance heisst. „We-wenn du ei-ein weni-nig lä-ä-änger hier bist, hel-helfen wi-wir di-dir, se-selbe-er einen Keller aus-aus-auszu-zusuchen."
Sein Stottern ist so ausgeprägt, dass er für die wenigen Worte extrem lange braucht und verlegen wegschaut. Ansonsten scheint Lance aber keinerlei Makel zu haben: Seine Muskeln im Zusammenspiel mit seinen tief blauen Augen lassen ihn majestätisch wirken, seine Züge sind bildhübsch und würden perfekt auf ein Parfumplakat passen.
„Meinen eigenen Keller?", frage ich schnell um ihn von der Stille zu befreien. Auch wenn ich die Fehlerhaften eigentlich verachte, mag ich Lance sofort. Er hat ein warmes Herz, das kann ich schon jetzt feststellen. Umso mehr frage ich mich, wieso man ihn verstossen hat. Es gibt etliche Jobs, die kein grosses Mundwerk benötigen. Einen perfekten Menschen wegen so einer kleinen Schwäche zu verstossen, scheint ein wenig harsch.
„Mhm", nickt er leicht lächelnd.
„Hast du auch einen?"
„Mhm", macht er wieder und wirft mir einen fragenden Blick zu.
„Nicht, dass ich mich dort selber einladen wollte", erkläre ich schnell und verkneife ein Lachen. Die zweideutigen Worte haben in meinem Kopf irgendwie anders geklungen.
„Scho-schon klar", grinst er zurück und führt mich weiter durch die Ruinen. Da die Flamme an meinem Fussknöchel noch so frisch ist, brauche ich den einen Fuss nur auf den Zehenspitzen. Der staubige Boden, der uns durch den Ort begleitet, wirkt im Mondlicht fast schwarz. Der Gestank wird mit der Nähe zum Bach so unerträglich, dass ich einen nackten Arm vor meinen Mund halte und heftig niese.
„Gesundheit", dreht sich Lance kurz um, der einige Schritte vor mir geht.
„Danke."
Ich verstehe nicht, wie man sich hier freiwillig niederlassen würde. Irgendeinen der Funken wird mir das wohl oder übel erklären müssen, oder ich werde alles daran setzen, die Gruppe umzusiedeln. Dass hier eine Horde Wilder lebt, kann ich gerade noch ertragen, aber täglich in diesem Gestank zu verweilen, daran werde ich mich bestimmt nie gewöhnen.
„Hört man mit der Zeit auf, diesen Geruch zu riechen?", frage ich hoffnungsvoll. „Wenn man sich an die schlechte Luft gewöhnt hat?"
„Nein", schüttelt der Funke vor mir den Kopf. „I-ich glaube, da-dass kann-kann man ga-gar nicht."
Das Gesicht verziehend eile ich Lance ein wenig schneller hinterher. Je rascher ich im Keller bin, desto besser. Einige der Ruinen sind noch immer so hoch, dass ich nicht viel weiter sehe als zwei Häuser. Obwohl die Ortschaft nicht sehr gross zu sein scheint, haben sich auch hier viele Bewohner recht wenig Platz teilen müssen. Wie man es überall hat tun müssen. Vor dem Neuen Amerika war die Population nämlich so riesig, dass man nicht mal mehr richtig Platz zum Anpflanzen gehabt hat. Geschweige denn, um sein eigenes Haus zu bauen.
Wir schlängeln uns durch die Ruinen einiger eng stehender Betongebäude, bevor Lance schliesslich stehen bleibt. Wir sind ein ganzes Stück vom Zentrum entfernt.
„Willow", ruft Lance ziemlich leise.
„Schon unterwegs", erklingt eine Stimme aus einer Ecke. In der Dunkelheit kann ich nicht viel erkennen. Ich glaube aber, ein Loch im Boden ausmachen zu können. Gleich darauf erhebt sich eine dunkle Gestalt aus der Ruine.
„Hallo", sagt die Frau mit einer ziemlich tiefen Stimme. Sie klingt rauchig, irgendwie mystisch. Als Willow aus dem Schatten tritt, glänzen an ihrem ganzen Körper plötzlich silberne Verzierungen. Im Mondschein sieht das so magisch aus, dass ich meine Augen kaum von ihr lösen kann.
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Fehlerhaft - Bist du das Leben wert?
Science-fictionEs ist kein Geheimnis: Die Ressourcen sind begrenzt. Wasser, Erdöl, Kohle; all das wird irgendwann ausgehen, womöglich schon bald. Aber wie soll man dann eine stetig wachsende Bevölkerung versorgen? Nun, es gibt nur eine Lösung, die auf längere Z...
