Katherine
Am nächsten Morgen holt mich Nathalia vor meinem Keller ab. Erneut erkenne ich ihr Alter in der Art, wie sie nach einer Auseinandersetzung eine weitere Konfrontation mit Roscoe vermeidet. In ihrem Alter bin ich auch noch nicht bereit gewesen, über Probleme zu reden. Nicht offen genug.
Nachdem wir eine wortlose Dusche genommen haben, begeben wir uns auf den Weg zum Hauptgebäude. Ausnahmsweise scheint die Sonne nicht besonders stark, sodass ich für einmal nicht sofort schwitze.
„Roscoe ist eigentlich gar nicht so", erklärt Nathalia schliesslich kleinlaut. Anders als sonst scheint sie heute keine grosse Klappe zu haben.
„Du darfst dir das nicht so nahegehen lassen."
„Tu ich aber", erwidert sie ehrlich. Ich schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln. Obwohl sie mich meistens nervt und ich sie überhaupt nicht verstehe, wünsche ich niemandem Traurigkeit oder Unglück. „Er ist meine Familie, weißt du. Er ist alles, was mir geblieben ist."
Darauf erwidere ich nichts. Dass sie sich schon so jung von ihrer Familie hat verabschieden müssen, tut mir leid. Trotzdem verstehe ich nicht, wie sie Roscoe als ihre Familie bezeichnen kann.
„Und du", hängt sie etwas glücklicher an, woraufhin ich sie mit grossen Augen anschaue.
„Ich?"
„Ja", lächelt sie schief. Ihre Haare hängen ihr zottig ins Gesicht. „Ich mag dich. Du erinnerst mich an eine ältere Schwester."
„Oh."
Den weiteren Weg zum Hauptgebäude verbringen wir schweigend. Während Nathalia anscheinend ihren Gedanken nachgeht, bleibe ich peinlich berührt stumm. Ich kann ihr die Worte nicht erwidern, da ich sie kaum kenne. Da ich selten lüge, bleibe ich lieber einfach still.
Stunden später werde ich frühzeitig von den Feldern gerufen, auf denen ich nach essbaren Blumen Ausschau halte. Zwar haben Ernesto und Nathalia einige Lebensmittel aus dem Dorf mitgehen lassen, die werden aber kaum einen Tag halten.
„Wieso muss ich zurück?", frage ich Lance, der mich in schnellem Tempo geholt hat.
„D-du ha-hast Be-besuch", stottert er leicht lächelnd.
„Besuch?", stosse ich erstaunt aus. Kaum jemand weiss überhaupt, dass ich hier bin. „Ist es mein Bruder? Lucas?"
Als mich der Gedanke einmal gepackt hat, werde ich ihn nicht mehr los. Mein Herz fängt zu rasen an. Eigentlich kann nur er es sein. Meine Haut beginnt zu kribbeln. Lucas.
Sofort steigere ich mein Tempo und jogge neben Lance in die Flamme zurück.
„Katherine", winkt Ernesto am Rande der Gebäude. Die Vorfreude lässt den Tag viel sonniger erscheinen, als er es ist.
„Ist mein Bruder hier?", frage ich ausser Atem und komme zum Stehen.
„Danke Lance", nickt unser Anführer meinem Begleiter zu, woraufhin dieser wegtritt. Sein schlaksiger Körper verschwindet hinter einer Ruine.
„Ist Lucas hier?", versuche ich es erneut. „Mein Bruder?"
Doch Ernesto schüttelt zu meiner grossen Enttäuschung den Kopf. „Komm."
Ich folge ihm ernüchtert durch die kaputten Gebäude. Wo ist Lucas nur? Wenn nicht er gekommen ist, wer dann? Alles was ich brauche, ist eine Umarmung meines grossen Bruders.
„Katherine", begrüsst mich eine dunkle Stimme, als wir der Halle näher kommen. Als wir näher treten, erkenne ich Cassius, den Kumpel von Lucas und mein Retter.
DU LIEST GERADE
Fehlerhaft - Bist du das Leben wert?
Science FictionEs ist kein Geheimnis: Die Ressourcen sind begrenzt. Wasser, Erdöl, Kohle; all das wird irgendwann ausgehen, womöglich schon bald. Aber wie soll man dann eine stetig wachsende Bevölkerung versorgen? Nun, es gibt nur eine Lösung, die auf längere Z...
