Shays Sicht:
Er hielt mir die Tür auf. „So, hier ist es deutlich ruhiger." sagte er mit einem zwinkern. Ich wollte ihn schon fragen ob er wieder nicht schlafen wollte, als er sich schon an seinen Schreibtisch setzte. „Warum schläfst du nicht zu normalen Zeiten?" ich konnte mir die Frage einfach nicht verkneifen. Er schaute mich nicht an. „Manchmal ist es besser wach zu bleiben. Besser das, als in einem Traum gefangen zu sein, von dem man meint, nicht entkommen zu können." Ich verstand seine Worte. Ich kannte das Gefühl und konnte mich nur zu gut an meine Alpträume hier erinnern. Er musste demnach auch schlechte Erfahrungen im Leben gemacht haben. Vielleicht würde ich irgendwann einmal etwas darüber erfahren. Ich nickte und unterdrückte wieder ein Gähnen.
„Schlaf jetzt Shay." Er wandte mir den Rücken zu und fing an in sein Buch zu schreiben.
Ich legte mich vorsichtig in sein Bett. Das Gewitter draußen wurde immer lauter und so langsam spürte man ordentlich den Wellengang. Ich versuchte irgendwie einzuschlafen, doch das gelang mir einfach nicht. Etwa eine Stunde später vibrierte das Uboot und wir tauchten ab. Der Wellengang wurde wohl viel zu heftig. Aber somit, wurde nun das Grollen erträglicher. Law hatte ein kleines Licht an, das störte mich allerdings wenig. Ich hatte ihn zwischendurch immer mal wieder beobachtet. Er hatte wieder seine ausdruckslose Miene aufgesetzt. Mir gefiel es eindeutig besser wenn er mich angrinste, auch wenn es oft aus einer Situation heraus entstand, in der ich mich blamierte oder schämte. Er wirkte... so kalt. Ich versuchte ihn nicht länger anzustarren und machte die Augen zu.
Es musste schon sehr spät gewesen sein. Ich hörte wie Law aufstand. Nach ein paar Schritten stand er neben dem Bett. Er hob die Decke an, dann spürte ich schon seine Nähe. Ich war fast automatisch hellwach, versuchte aber natürlich die schlafende zu spielen. Er legte sich bequem hin, dann wurde es ruhig. Ich hörte mein Herz. Dieses verräterische, hoffentlich hört er es nicht. Am liebsten hätte ich mich umgedreht, ihn wie in meinem letzten Traum angefasst, seinen Duft voll und ganz aufgenommen. Durch all diese Gedanken vernahm ich wieder dieses köstliche ziehen im Unterleib. Reiß dich einfach zusammen Shay!
Es mussten mindestens 10 Minuten vergangen sein in denen ich stocksteif da lag. Law hatte mittlerweile eine andere Atmung. Er schien zu schlafen. Ich drehte mich ganz vorsichtg um. Ich tat es so, als wäre es unterbewusst im Schlaf, für den Fall das er doch noch nicht schläft. Ich traute mich in anzusehen. Er sah so friedlich aus. Seine Gesichtszüge waren entspannt. Er hatte die Lippen leicht geöffnet. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig in einem ruhigen Rythmus. Ich schloss meine Augen. Mit jeden Atemzug sog ich seinen Duft ein. Es beruhigte mich, das er neben mir lag, sodass ich schnell in ein traumlosen Schlaf glitt.
Geweckt wurde ich durch Laws Stöhnen. Er grummelte immer wieder etwas, wälzte sich hin und her und schnaufte laut. Ich stützte mich auf den Ellenbogen. Er musste wohl schlecht träumen. Ich legte meine Hand auf seine Schulter. „Law?" Davon wachte er nicht auf. Seine Gesichtszüge waren angespannt, soweit ich das in der Dunkelheit erkennen konnte. Ich rüttelte wieder sachte an seiner Schulter. „Law?" Er riss seine Augen weit auf und ich zog meine Hand schnell zurück. Mit einer Hand fuhr er über seine Stirn. „Verzeihung Shay, habe ich dich geweckt?" Ich wollte nicht auch noch, dass er sich nach einem schlechten Traum mies fühlte, also verneinte ich. „Du kannst sehr schlecht lügen Shay." sagte er mit einem angestrengten Lachen. Ich legte mich wieder hin und beobachtete ihn. Er hatte die Augen mit seinem Unterarm verdeckt und atmtete immer noch etwas schwer.
Er richtete sich auf. Im dunkeln erkannte ich, dass sein Tshirt am Rücken nasse Stellen hatte. Er fasste sich hinten an den Kragen und zog es aus. Ich war immer noch von seinen Tattoos fasziniert. Auf dem Rücken hatte er den Jollyroger seiner Piratenbande. Er lehnte sich wieder zurück und schaute zur Decke.
„Du solltest noch ein paar Stunden schlafen." er schaute mich dabei nicht an.
„Mh.. du aber auch." sagte ich zurück. Jetzt schaute er mich an. „Ich brauch nicht so viel Schlaf." sagte er mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Klar. So siehst du auch aus."
Jetzt hob er eine Braue an. „ Du hast echt ein zu großes Mundwerk." ich zuckte mit den Schultern und machte die Augen zu. „Ich bin nur ehrlich."
Als ich wieder wach wurde, war das Bett neben mir leer. Ich hörte ihn duschen. Mh.. er hatte schließlich eine schweißtreibende Nacht. Wir waren immer noch unter Wasser, und so dunkel wie es heute war musste oberhalb immer noch schlechtes Wetter herschen. Die Dusche wurde ausgestellt, zur gleichen Zeit klopfte es an der Zimmertür. Ich saß da und wusste nicht recht was ich tun soll. Es klopfte erneut und danach erkannte ich Bepos Stimme. „Shay? Bist du auch da drin? Tschuldigung." Ich lief rot an. Na super, ich will ja garnicht wissen was die Jungs wohl denken. Ich stand auf und öffnete die Tür. „Hi." sagte ich leise lächelnd. Bepo grinste mich an. „ Isst du heute beim Käptn in der Kajüte? Dann kann ich euch gleich zwei Teller bringen." „Was? Nein, nein! Ich komme gleich zum Frühstück." „Ok, weißt du ob Law auch kommt? Tschuldigung." „Leider kann ich dir das nicht be..." Die Badtür ging auf und Law kam in Jeans und oben ohne zu uns. „Ich komme auch gleich Bepo. Wie siehts oben aus?" „Scheint als nähern wir uns einer Winterinsel." Law runzelte kurz die Stirn. „Wir tauchen nach dem Frühstück auf." „Aye, Käptn!"
Bepo drehte sich um und lief davon.
Law schloss seine Tür und schaute mich danach an. Hatte ich etwa was im Gesicht? Sein Blick war ernst. Ich kaute auf meiner Unterlippe rum, denn sein Blick machte mich ganz nervös. „Scheint als würden wir deine Heimatinsel früher als erwartet erreichen." Ich schaute ihn mit großen Augen an. „Freust du dich nicht?" „Doch." „Aber?" Ich zögerte. Nichts aber, oder etwa doch. Ich fühlte mich in diesem Augenblick traurig, aber warum? Hatte es etwas mit dieser Piratenbande zu tun? Genauer gesagt: mit Law?
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Erblicke den Horizont
Fiksi PenggemarShay Kingsley, ein 23 jähriges Mädchen, kommt nach einem dramatischem Ereignis auf Trafalgar Laws Boot. Er kümmert sich um sie, bis sich seltsame Gefühle bei beiden entwickeln. Keiner weiß so recht was das zu bedeuten hat. Shay wird wohl noch die n...
