Der nächste Morgen begrüßte mich mit einem im Gesicht kitzelnden Sonnenstrahl, der mich grummelnd den Kopf fortdrehend ließ.
Es war einer dieser Morgen, an dem ich nur langsam realisierte, wo ich war, was um mich war, und was am vorherigen Abend so alles geschehen ist.
Zuerst wunderte ich mich über die Wärme die mich umgab, obwohl mich eindeutig keine weiche Decke von der kalten Luft trennte. Leicht irritiert öffnete ich nun doch meine Augen.
Millimeter vor meinem Gesicht, befand sich ein weiteres, welches sich nur Nanosekunden später als Vincents herausstellte. Natürlich dauerte dieser Prozess des Realisierens nicht ewig, er fand binnen winziger Sekundenbruchteile statt, aber an so einem Morgen kommt einem das ewig vor. Ich stellte also fest, dass Vincents Gesicht auch zu seinem Körper gehörte, welche locker an mich gelehnt vor mir auf der weichen Matratze schlummerte. Seine Arme waren um mich geschlungen und hielten mich warm.
Am vorherigen Abend, hatten wir...
Oh.
Sofort verfärbte sich mein Gesicht wieder wie das Logo der Sparkasse und ich kniff die Augen wieder zu. Wieso war mir das immer so peinlich?
Eigentlich wollte ich gerne aufstehen, um mir im Badezimmer eine erfrischende Dusche zu gönnen, die hoffentlich meine Gedanken etwas klarer werden ließ, aber ich war eingeschlossen.
Vorsichtig versuchte ich mich aus dem Griff Vincents Arme zu befreien, doch er zog mich nur umso mehr zu sich, während im Halbschlaf undeutliches Gemurmel seinen Mund verließ.
Also entspannte ich mich wieder, schmiegte mich an den warmen Körper meines Freundes und schloss die Augen.
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Als ich das nächste Mal aufwachte, fröstelte es mir und eine feine Gänsehaut überzog meinen ganzen Körper.
Zum Glück dauerte die große Erkenntnis nicht so ewig wie vor einigen Stunden, sodass mir die Ursache der Kälte schnell bewusst wurde.
Vincent war weg.
Grummelnd setzte ich mich auf, schwang die Beine aus dem Bett und erhob mich, um langsam in Richtung einer Toilette zu wanken.
Danach schlurfte ich – nun schon etwas mehr in einer geraden Linie – in Vincents Zimmer zurück, um mir frische Kleidung aus dem Schrank zu holen.
So machten wir das schon einige Zeit. Mittlerweile hatten wir eine bunte Mischung aus den eigenen, sowie den Kleidungsstücken des Anderen im Schrank. Ich achtete auch nicht darauf, meines herauszusuchen, da ich mich in Vincents Shirts mindestens genauso wohl fühlte wie in meinen eigenen. Okay ich gebe zu, ich zog viel lieber die Kleidung meines Freundes an.
Trotz der Wäsche behielten sie immer eine feine Note von Vincents Duft bei, und wenn mich niemand sah – so wie jetzt – zog ich den Stoff nach oben, um mit geschlossenen Augen daran zu schnuppern.
Lächelnd lief ich auf der Suche nach Vincent in die Küche.
Beunruhigt stellte ich fest, dass sich mein kleiner Vampir auch dort nicht aufhielt.
Ich atmete erleichtert auf, als ich im Wohnzimmer einen kleinen Zettel entdeckte.
Guten Morgen, Frühstück!
Ich bin nur schnell Brötchen holen, sollte in 15 min zurück sein.
<3 Deine Fledermaus
Ein Laut der Entzückung quetschte sich durch meine Lippen und ich tanzte fast schon in die Küche zurück. Wie süß er doch war!
Fröhlich summend suchte ich zwei Tassen aus den Schränken hervor und füllte den Wasserkocher mit – Überraschung! – Wasser. Es konnte wohl nicht schaden, wenn es schon einmal gekocht hatte, wenn Vincent wieder kommt, so dachte ich, und legte den kleinen Schalter um.
Auf den Knien fischte ich zwei Teebeutel hervor. Hagebutte, damit konnte man bei Vincent niemals etwas falsch machen.
Schmunzelnd zeichnete ich mit einem Filzstift, der mir zufällig in die Hände fiel, ein Herz mit niedlichen Vampirzähnchen auf das kleine Schildchen des Teebeutels, welchen ich in Vincents Tasse versenkte. Irgendwie war es ja schon kitschig, aber ich wusste, wie sehr mich so eine Geste glücklich machte, also wollte ich meinem Freund auch eine kleine Freude bereiten.
Dann suchte ich in der Küche verschiedene Marmeladen, Honig, Nutella – Es ist übrigens ‚Das Nutella'! Keine Diskussion – und Löffel für all das zusammen.
In ein kleines Schälchen füllte ich ein wenig des Honigs um, dann trug ich alles ins Wohnzimmer und holte mir eine Stecknadel aus dem Sekretär
Mit dieser stach ich mir in den Zeigefinger und quetschte einige Tropfen Blut hervor, die ich mit dem separierten Honig verrührte. Langsam marmorierte sich der rote Streifen im gelben Süßstoff, bis er schließlich kaum noch sichtbar war.
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Ein kleines Geheimnis
RomanceAm ersten Tag der zehnten Klasse geht Jakob wie immer missgelaunt in die Schule, doch das neue Jahr scheint interessanter zu werden als das alte. Vincent, ein neuer Schüler, kommt in die Klasse und wird zu Jakobs neuem Banknachbarn. Aber Vincent ist...
