- Komisch, aber es könnte sein, dass ich mich eines Tages daran gewöhne. -
Es war 13 Uhr, als es an der Tür klopfte. Nachdenklich und aufgebracht war ich die ganze Zeit durch mein Zimmer gelaufen. Draußen prasselte sanfter Regen gegen die Fensterscheiben. Ich setzte mich aufs Bett, sprang wieder auf und lief zu der Lichterkette an meiner Wand. Nachdem Davis mich an seinem Geburtstag zum Essen eingeladen hatte, fühlte sich dieses kleine Polaroid Bild plötzlich unglaublich wertlos in meiner Hand an. Vielleicht war es gut so, dass ich Cara schon heute morgen geschrieben hatte. Denn ich war mir sicher, dass sie sich mit Geschenken viel besser auskannte, als ich.
,,Ja", rief ich erleichtert, als ich gerade kurz davor war, das Bild zurück an seinen Platz zu hängen. Die Tür ging auf. Cara blickte mich wie immer mit einem vorsichtigem Blick an. Als müsste sie erst abschätzen, wie es mir ging, um eine passende Begrüßung zu finden. Doch schon nach wenigen Sekunden, erkannte ich Verwirrung in ihren großen Augen. Tatsächlich war es so lange her, dass ich sie gesehen hatte. Das Lächeln in meinem Gesicht schien sie so sehr zu überrumpeln, dass sie nur ein leises ,,Hi", über die Lippen brachte. Sie klappte einen grauen Regenschirm zusammen und stellte ihn zum abtropfen neben die Zimmertür. Verwirrt kam sie auf mich zu. ,,Hi", entgegnete ich. Erst jetzt, als ich gezielt darauf achtete, viel mir auf, wie viel lebendiger meine Stimme klang.
,,Alles in Ordnung? Ich hab mir bei deiner Nachricht richtige Sorgen gemacht, aber..." Ich schüttelte schnell den Kopf. ,,Mir geht es gut", versuchte ich sie zu überzeugen und nickte auf den Stuhl, als Zeichen, dass sie sich setzten sollte. Doch ihr Blick führte an mir vorbei, sodass sie meine Aufforderung nicht ein mal bemerkte. Mit musternden Blicken trat sie vor die winzigen Bilder. Sie sah aus, als würde sie in einem völlig neuen Zimmer stehen. In dem einer völlig fremden Person. Mehrere Minuten schwieg sie und betrachtete nur die einzelnen Bilder. Bei machen wirkte sie ausdruckslos, bei den Meisten zog sie jedoch überrascht die Augenbrauen hoch.
,,Wer ist das?", fragte sie plötzlich. Es war ein Bild von Davis. Nur von hinten, wie er mit den Beinen baumelnd im Fluss saß. Ein weiterer Versuch das glitzernde Wasser festzuhalten.
,,Das ist Davis", entgegnete ich. Fast fühlte es sich merkwürdig an, meiner Freundin jemanden vorzustellen. Normalerweise kannte sie alles und jeden und redete Stunden von Menschen, die ich nicht mal kannte.
,,Ist er dein...?", begann sie. Noch nie hatte ich sie so verwirrt gesehen. Ihre hellen blauen Augen suchten nach einer Antwort. Ihre lange Stirn war in Falten gezogen.
,,Nein", schnell schüttelte ich lachend den Kopf. ,,Er ist Patient hier seit einigen Wochen. Und ein guter Freund geworden."
,,Ah", machte sie. Noch immer schien sie nicht so recht zu wissen, was passiert war. Das letzte Mal, dass sie mich gesehen hatte, war alles gewöhnlich. Ich war still und pessimistisch. Heute lächelte ich. Natürlich ein Zeichen, dass sie stutzig machen konnte. Plötzlich fragte ich mich, ob Mum mich überhaupt noch erkennen würde, wenn sie wiederkäme. Mir selbst war nicht klar gewesen, wie sehr ich diese Innere Veränderung nach außen hin transportierte.
,,Er hat heute Geburtstag und ich hab absolut keine Ahnung, was ich ihm schenken soll. Das ist der Grund, weshalb ich dich herbestellt habe", meinte ich nachdenklich. Eine Weile blieb Cara stumm, dann schien sie sich allerdings doch plötzlich setzen zu wollen. Mit ihrem Blick auf mir ruhend ließ sie sich fallen.
,,Warte, warte, das geht mir jetzt alles zu schnell." In ihrem Gesicht lag ein hilfloses Lächeln. ,,Ich bin...", versuchte sie ihr merkwürdiges Verhalten zu erklären. ,,Irgendwie überrascht."
Ich zuckte nur mit den Schultern und sah sie weiterhin an. „Du suchst also ein Geschenk", stellte sie für sich selbst fest und ich erkannte, wie sich ihr Gesichtsausdruck in eine nachdenkliche Richtung änderte.
,,Wow, okay. Dann brauch ich Informationen." Ich konnte ihr beinahe ansehen, wie sie versuchte die Verwirrung zu verdrängen und ihr kreatives Denken anzuschalten.
,,Ich meine, ich kenne ihn nicht mal. Wie soll ich denn wissen, was ihm gefallen würde. Also wer ist er?"
Ich überlegte kurz. Keine Ahnung, ob das, was sich über ihn wusste ihr auch nur in irgendeiner Form helfen könnte.
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Herzenskämpfer
Teen Fiction»Wenn jeder Atemzug zu einem Geschenk wird« Seit sieben Jahren leidet Loucy an Leukämie. Ihr halbes Leben lang kämpft sie mit dem Tod. Ihre Kraft und ihr Glaube daran, gesund zu werden, sind längst verblichen. Dann trifft sie auf Davis. Ein Tumor, d...
