- ein kleines bisschen Heimat -
Ich konnte es noch immer nicht glauben. Ich war auf mich allein gestellt. Wie eigentlich schon mein halbes Leben lang. Aber wenn man sich erst mal an etwas gewöhnt hatte, dann war es unglaublich schwer, wieder loszulassen
Ich klang schon fast wie in einem von Davis Science Fiction Filmen, in denen die Protagonisten allein in irgendeiner Welt gefangen waren. Vielleicht war ich das auch - gefangen. Nur, dass meine Welt diese schreckliche Klinik war.
Ich lief zum Fenster und zog die Vorhänge auf. Ebenfalls eine neue Gewohnheit von mir. Aber sie war schön. Sie erinnerte mich an Davis, jeden neuen Morgen.
Es war nicht so, dass ich ihn seit seinem letzten MRT Termin vor fast vier Wochen nicht mehr gesehen hatte - im Gegenteil. Er hatte sein Versprechen gehalten. Fast jeden Abend hatte er mich besucht. Auch, wenn die Klinik fast eine Stunde mit dem Auto von seinem Haus entfernt lag. Ich war mir sicher, dass er die Zeit, von seiner Familie fliehen zu können, jedes mal genoss. Denn er schenkte mir jeden Abend strenge Blicke, wenn ich auch nur Andeutung machte, ein Familienmitglied zu erwähnen - abgesehen von Ruby natürlich. Seit kurzem hatte die Schule wieder begonnen. Cara hatte mich am Abend vorher völlig panisch angerufen, da sie so eine Angst bekam, in ihrem Abschlussjahr zu versagen. So war sie schon immer gewesen. Ich erinnerte mich noch ganz genau an den Tag vor unserer Einschulung. Für ein sechs Jähriges Mädchen war sie viel zu ruhig und still. Mason und ich hatten uns so sehr auf die Schule gefreut. Cara jedoch war so aufgeregt gewesen, dass sie nicht mal ihr lieblings Eis essen wollte.
Letztendlich war es nicht annähernd so schlimm, wie es sich die jüngere und ältere Cara ausgemalt hatten und beide starteten gut in ihren ersten Schultag als Schulkind und als Senior.
Davis, den die Schule im Gegensatz zu Cara zwar wenig interessierte, wurde jedoch von seinem Dad so sehr gehetzt, dass er es nach der Schule nicht mehr schaffte zu mir zu fahren, sondern abends viel zu übermüdet einen Skype Anruf startete. Ich sah, wie schwach und erschöpft er war. Aber er versicherte mir, dass das allein von dem Antibiotika kam, welches er - so schwor er hoch und heilig - auf die Minute genau zu sich nahm.
Heute war Samstag, seit einer Woche hatte ich weder Davis noch Cara oder Mason gesehen. Sie waren alle zusammen im selben Mathe und Spanisch Kurs, wie mir Cara am ersten Abend berichtet hatte und würden in den kommenden Tagen gleich ordentlich viele Klausuren schreiben. Darum war ich bereits darauf vorbereitet, dass Davis mir auch für dieses Wochenende absagen würde. Auch, wenn sein Vater so gut wie nie zu Hause war, war es ihm unmöglich mal eben für ein paar Stunden zu verschwinden. Natürlich war das nicht einfach - für keinen von uns. Aber wir hatten mittlerweile verstanden, dass wir nichts dagegen tun konnten.
So stand ich nun völlig allein am Fenster und sah in Gedanken dabei zu, wie der Wind die Bäume zum schwanken brachte. Es war kalt geworden dafür, dass gerade erst September war. Kalt und still. Die Tür wurde geöffnet. Dr.Cartney und Maddison. Das wusste ich auch, ohne mich umzudrehen. Ich hatte das Gefühl, Dr.Cartney besuchte mich öfter, als sonst. Vermutlich hatte sie Angst, ich könnte in alte Muster zurück verfallen, jetzt wo Davis nicht mehr hier lebte.
Es war ja schön, wie sie sich um mich sorgte, doch so langsam wurde das ganze echt auffällig. Vor ein paar Tagen hatte sie Maddison angeschleppt. Eine junge blonde Praktikantin, nur ein paar Jahre älter als ich. Sie studierte Medizin im letzten Semester und wollte ebenso in einer, auf Krebs spezialisierten, Klinik arbeiten. Ja, das wusste ich, nach einem fast zweistündigen Gespräch darüber. Dr.Cartney hatte behauptet, ich sollte ihr einen Einblick in die Klinik verschaffen, da ich mich besser, als kein anderer hier auskannte. Ich hatte nur freundlich genickt und innerlich mit den Augen gerollt. Sie hoffte, dass ich in Maddison so etwas wie einen Gesprächspartner finden könnte. Dr.Cartney war wirklich eine gute Ärztin, aber von Psychologie verstand sie nicht besonders viel. Denn die liebe Praktikantin schien viel lieber von sich zu erzählen, als mir Fragen zu stellen. Sie erzählte mir von ihrer Kindheit, von der High School bis hin zum College. Auch von ihrem Ex Freund Bruce, in dem sie die große Liebe gesehen hatte. Und ich war mir sicher, dass das nicht gerade zu den Aufgaben einer Praktikantin gehörte.
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Herzenskämpfer
Novela Juvenil»Wenn jeder Atemzug zu einem Geschenk wird« Seit sieben Jahren leidet Loucy an Leukämie. Ihr halbes Leben lang kämpft sie mit dem Tod. Ihre Kraft und ihr Glaube daran, gesund zu werden, sind längst verblichen. Dann trifft sie auf Davis. Ein Tumor, d...
