- Das ist so viel mehr, als ich mir je hätte erträumen können -
Um zehn vor fünf stand ich im Eingangsbereich und meldete mich bei Elly ab. Ich verstand dieses Prinzip wirklich nicht. Es galt höchstens dem seltenen Fall, dass die Stationsärzte bei der abendlichen Visite ein leeres Zimmer auffanden und nicht wussten, wo der Patient geblieben war. Vermutlich hatte man diese Regel aus einem ähnlichen Fall, wie mit Cath eingeführt. Doch jeder wusste, dass Dr.Cartney die Einzige war, die sich wirklich Sorgen machte, wenn Patienten nicht auf ihrem Zimmer waren. Und wenn sie es war, die mich höchstpersönlich mitnahm, sollte es wohl keine Schwierigkeiten geben. Am Wochenende passierte hier so oder so nicht besonders viel. Jegliche Arten von Therapien fanden unter der Woche statt. Die zwei Tage waren lediglich dafür da, um sich vom Nichts tun zu erholen. Die Meisten, denen es mehr oder weniger gut ging, verbrachten diese Tage bei ihren Familien. Blöd nur, wenn die Familie sonst wo war.
Ich schenkte Elly ein goldenes Lächeln, als sie mir einen schönen Nachmittag wünschte und lief zum Parkplatz. Der Himmel hatte die Wolkenecke auseinander gezogen, sodass die Sonne die frische Luft gleich um einiges erwärmte.
Ich erkannte Dr.Cartneys weißes Auto schon auf Meter Entfernung. Am Steuer sah ich ihren braunen Lockenkopf. Auf dem Beifahrersitz die langen blonden Haare von Maddison. Gleich als ich die Autotür öffnete, wurde ich von ihrem Redeschwall erschlagen.
,,Loucy, ich habe gerade mit Dr.Cartney über meine Vorlesung gesprochen. Dir habe ich doch auf von meinem tollen Professor erzählt, oder? Mr.Maxwell." Ich nickte nur, ergänzte jedoch ein ,,Ja", da sie nicht in den Rückspiegel sah. Schnell schloss Ich die Tür und im selben Moment startete Dr.Cartney den Wagen. Ich war erleichtert, dass das Radio angestellt war, denn so verschwammen Maddisons Worte schon nach wenigen Minuten mit den sanften Klängen der Musik. Ich lehnte mich im Sitz zurück, betrachtete jeden Winkel des Autos, welches ich seit so vielen Jahren Tag für Tag auf dem Parkplatz hatte stehen sehen.
•••
Nach weniger als einer halben Stunde hielt Dr.Cartney vor einem hohen, gemauerten Gebäude. Rechts an der Straße stand ein leuchtendes weißes Schild mit der glänzenden Aufschrift ,,California State University". Die Mauern waren riesig und erinnerten mich fast schon an ein kleines Schloss. Es musste schön sein aufs College zu gehen. Manchmal musste ich zu geben, dass ich mir wünschte, diese Chance eines Tages zu bekommen. Aber dafür war es mittlerweile zu spät.
Maddison verabschiedete sich, in dem sie sich tausend mal bei Dr.Cartney bedankte und aus dem Auto stieg. Ich beobachtete wie sie mit schnellen Schritten den Weg zum Eingang entlanglief, während das Auto wendete.
,,Sie ist wirklich nett", meinte Dr.Cartney schmunzelnd. ,,Ja", lachte ich. ,,Das ist sie wirklich." Wir fuhren zurück auf den Highway. Je näher wir Silver Lake kamen, desto größer wurde die Aufregung und das Kribbeln in meinem Bauch. Nicht nur, da ich den Ort meiner Kindheit sehen würde, sondern auch endlich das Viertel zu sehen, was mich nie wirklich interessiert hatte. Die andere Seite des Flusses.
Die Stimme im Navi wies Dr.Cartney darauf hin, die Ausfahrt nach rechts zu nehmen und nach einigen Metern entdeckte ich das Straßenschild mit dem silbernen Aufdruck meiner Stadt. Ich konnte ein Lächeln nicht verbergen.
Silver Lake. Ich war endlich zu Hause.
,,Und, freust du dich?", fragte Dr.Cartney und musste meinen gespannten Gesichtsausdruck durch den Rückspiegel gesehen haben. ,,Und wie", entgegnete ich leise flüsternd, betrachtete die hohen Bäume und die immer leerer werdenden Straßen. Es war so viel schöner hier als in Roseville. So still und friedlich. Erst jetzt bemerkte ich, wie sehr ich diesen Ort wirklich vermisst hatte.
,,Es ist wirklich komisch, dich hierher zu bringen", meinte Dr.Cartney und bog statt nach rechts, nach links an der Kreuzung ab. Davis Viertel war etwa zehn Minuten von meinem entfernt und lag außerhalb des Dorfes, dort wo sich die alten Villen befanden.
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Herzenskämpfer
Teen Fiction»Wenn jeder Atemzug zu einem Geschenk wird« Seit sieben Jahren leidet Loucy an Leukämie. Ihr halbes Leben lang kämpft sie mit dem Tod. Ihre Kraft und ihr Glaube daran, gesund zu werden, sind längst verblichen. Dann trifft sie auf Davis. Ein Tumor, d...
