- Ich muss nur die Oberhand
gewinnen -
Die Tage vergingen und mit ihnen vier weitere Wochen, in denen Davis fast jeden Vormittag bestrahlt wurde. Ich war jeden Tag bei ihm. Die erste Woche hatte sich sein Zustand kaum verändern. Die Müdigkeit hatte angehalten. Die zweite Woche war die härteste. Ich saß einfach bei ihm, ohne, dass wir uns groß unterhielten. Er hatte Fieber bekommen und Übelkeit. Ich durfte nicht näher an ihn heran, zu unserer beider Sicherheit. Das war in Ordnung auch, wenn es mich quälte ihn so zu sehen. Ich reichte ihm die Aluminiumschale, wenn er sich übergeben musste, ich zwang ihn, seine Antibiotika zu nehmen, auch wenn er es für unnötig erkannte, da er sie ,,sowieso wieder auskotzte". Seine Augen hatten in der Zeit sämtlichen Glanz verloren und ich verstand zum ersten mal wie schlimm diese Zeit für Mum gewesen sein musste. Nur, dass sich meine Chemotherapie meist über viele Monate hinweg streckte. Ich wünschte mir jeden Tag, dass es Davis besser ging. Dass dieser ganze Mist und diese Schmerzen irgendwas bewirkten. In der dritten Woche ging es ihm langsam besser. Als das Fieber weg war, erlaubte ich mir wieder, mich zu ihm zu legen. In der gesamten Zeit hatten wir zwei ganze Serien durchgesehen.
Auch, wenn wir nur drei mal in dem gesamten Monat das Zimmer verließen, um im Park spazieren zu gehen, wurde mir nicht langweilig. Im Gegenteil ich fühlte mich besser. Ich hatte das Gefühl, jemandem das wieder zu geben, was ich damals erhalten hatte Die Nähe und die Kraft meiner Angehörigen. Alles Gute, was ich in den letzten Jahren ignoriert und wie durch eine hohen Mauer von mir ferngehalten hatte. Davis war anders. Er akzeptierte diese Hilfe. Er war Dankbar. Und das war es, was sich so gut anfühlte.
,,Gib mir mal die Chips", beschwerte sich Davis und versuchte mit seiner freien Hand auf die andere Seite des Bettes zu greifen, um sich die Chipstüte zu angeln, die jedoch fest von meinen Händen umklammerte war, dass es ihm fast unmöglich war. Auf dem Laptop lief irgendein Science Fiction Film, zudem er mich überredet hatte. Bislang hatte ich jedoch nur die Hälfte verstanden und mich darauf konzentriert, mit Genuss eine halbe Packung Chips zu verspeisen. Gestern war vorerst der letzte Tag seiner Therapie. Morgen würde erneut MRT geschrieben werden. Hoffentlich zum letzten Mal.
,,Hallo, Lou?", fragte er. Ich blickte auf. ,,Oder ist mir das auch verboten?"
Ich schüttelte nur grinsend den Kopf und reichte ihm kauend die Chips. ,,Nein. Das nicht." Ich drehte mich auf die Seite und versuchte dem Film zu folgen. Doch die Gedanken schwirrten nur so in meinem Kopf. Es war unglaublich, wie schnell die Zeit vergehen konnte. Ein Monat, in dem man rein gar nichts machte, außer dazuliegen. Das hatte ich immer getan, mein halbes Leben lang. Und jetzt hatte ich ausnahmsweise nicht das Gefühl die Schwache zu sein. Die, um die sich alle Sorgen machen mussten. Ich musste nicht das Mädchen sein, welche alle zehn Minuten ihrer besorgen Mutter bestätigen musste, dass es ihr gut geht, auch wenn ihr so schwindelig war, dass sie kaum aufrecht sitzen konnte.
Es war, als würde es seit langem nicht mehr um den Tod gehen. Es machte sich auch keiner ständig Gedanken um mich. Cara und Mason waren mittlerweile in Spanien. Gelegentlich bekam ich tolle Strandbilder und Nachrichten geschickt. Doch keine Einzige drehte sich um meine Krankheit. Alle zwei Wochen wurden meine Blutwerte gemessen. Wie immer ließ mich Dr. Cartney mit den Details in Ruhe. Fast schon fühlte es sich normal an. Abgesehen von den Tabletten, die ich schlucken musste und den schrecklichen Klinikmöbeln.
Ich wusste, dass ich nie in dieser Welt ankommen würde. Ich würde nie zur Schule gehen, ein Hobby haben und das tun, was alle machten wenn sie 17 waren. Aber mit Davis fühlte ich mich alldem ein kleines Stück näher. Abgelenkter.
Tatsächlich gab es nur eine Sache, die meinen Kopf blockierte. Die Krankheit war nebensächlich, fast schon vergessen. Das Einzige, was nun seit einem Monat in meinen Kopf umherschwirrte, war Davis. Noch nie in meinem Leben hatte ich so etwas gefühlt. Allein bei ihm zu sein - und auch wenn wir nichts taten - war perfekt. Ich war nicht allein. Ich wurde verstanden.
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Herzenskämpfer
Novela Juvenil»Wenn jeder Atemzug zu einem Geschenk wird« Seit sieben Jahren leidet Loucy an Leukämie. Ihr halbes Leben lang kämpft sie mit dem Tod. Ihre Kraft und ihr Glaube daran, gesund zu werden, sind längst verblichen. Dann trifft sie auf Davis. Ein Tumor, d...
