Ellas P.O.V.
Ich saß auf meiner Febsterbank und starrte aus dem Fenster. Ich vermisste Diana. Ich wusste, dass das alles meine Schuld war, doch ich konnte einfach nicht zu Diana gehen und mich mir nichts dir nichts entschuldigen. Das ging nicht. Ich wusste selbst nicht so ganz warum, aber etwas in mir sträubte sich stark dagegen. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich unheimlich schlecht darin war, Fehler einzugestehen. Und der Fehler lag bei mir. Ganz sicher. Deshalb konnte ich auch keine Entschuldigung von ihr erwarten. Immerhin war ich es, die gesagt hat, sie solle sich von mir fern halten. Und jetzt war sie auch noch in der letzten Nacht in meinem Traum gewesen. Daran erinnerte ich mich tatsächlich. Ich konnte nicht sagen, ob ich sie nur erträumt hatte oder ob sie es wirklich war. Und bevor ich irgendetwas machen konnte, außer sie anzustarren, war ich aufgewacht. Ich wusste nichtmal wieso. Ich seufzte und sah zu unserem jetzt leer stehendem Nachbarhaus. Früher hätte ich einfach zu Frau Weber gehen können. Ihre Süßigkeiten und ihre freundliche, offene Art hätte mich wieder aufgemuntert. Mir fiel plötzlich ein, dass Mum gesagt hatte, dass die neuen Mieter heute vorbeikommen würden. Um irgendwelche Vorbereitungen zu treffen. Sie sagte auch, dass sie echt nett seien. Ich hoffte, dass sie Recht hatte. Solche Nachbarn wie die Sanders, die neben Diana wohnten, konnte ich echt nicht gebrauchen. Meine Zimmertür öffnete sich. Lena lief, wie immer selbstverständlich, in mein Zimmer und setzte sich auf mein Bett. Als würde sie mit zehn ein ,,Lena klopf erst und warte, ob du rein darfst." noch nicht verstehen. Wirklich, so dumm war sie doch nicht mehr! Außnahmsweise sagte ich aber nichts. Ich konnte ein wenig Ablenkung nur gebrauchen.
,,Weißt du wie die neuen Nachbarn so sind?", fragte ich sie also. Mit so etwas belanglosem konnte ich wunderbar auf andere Gedanken kommen. Außerdem war ich wirklich neugierig.
,,Also der Mann ist nett, die Frau war vorletze Woche nicht dabei.", sagte Lena. ,,Aber die ist bestimmt auch nett."
In diesem Moment bog ein Auto in die Einfahrt des Hauses, auf das Lena zeigte. Es stieg jedoch nur die Maklerin aus, die ich schon ein paar mal gesehen hatte, als sie sich mit den Webers getroffen hat.
,,Die Maklerin ist da.", murmelte ich Lena zu. ,,Es kann nicht mehr lang dauern."
Lena stand auf und kam zu mir zum Fenster und starrte gebannt hinaus. Dann fuhr ein weiteres Auto die Straße langsam entlang.
,,Sind sie das?", fragte ich.
Lena nickte.
,,Ich glaub schon.", sagte sie etwas zögerlich gedehnt.
Das Auto kannte ich irgendwo her. Ich konnte mich jedoch nicht daran erinnern woher. Ich schaute auf das Kennzeichen. SM 794. Das kannte ich auch. Während ich noch verzweifelt nachdachte, stieg der Fahrer schon aus. Ich achtete kaum auf ihn. Ich wusste sofort, dass ich ihn nicht kannte. Dann stieg jedoch auch die Beifahrerin aus. Ich japste. Natürlich. Dieses Auto stand täglich am Lehrer Parkplatz an der Schule. Und das Kennzeichen. Das waren ihre Initialen, wie man an der Liste in der Eingangshalle nachlesen konnte. Das durfte doch nicht wahr sein! Ich sprang auf und rannte aus meinem Zimmer. Ich lief die Treppe runter und nahm dabei immer zwei Stufen gleichzeitig. Nein, nein, nein. Das musste ein Versehen sein!
,,Ella! Was machst du?", rief Lena mir nach, während ich hastig meine Schuhe anzog.
,,Kleinen Spaziergang.", antwortete ich noch, dann war ich auch schon draußen. Ich rannte los, den schnellsten Weg, zu Diana, bei dem ich nicht an unseren neuen Nachbarn vorbei musste. Von allen Leuten in diesem Ort, warum mussten es ausgerechnet die beiden sein, die neben uns zogen? Verdammt, Verdammt, Verdammt!Dianas P.O.V.
Es klingelte stürmisch an der Tür. Als würde der Klingler nicht ein paar mal hintereinander auf die Klingel drücken, sondern durchgehend den Finger daraufbehalten. Ich schnitt mir vor Schreck in den Fingern, da ich gerade Mum half, Kartoffeln für die Bratkartoffeln für das Mittagessen zu schneiden. Sie war gerade kurz zum Einkaufen gegangen, da sie keinen Spinat mehr hatte. Blöderweise hatte es gerade angefangen zu regnen, wodurch sie jetzt wohl ziemlich nass wurde. Das Blut lief über die Kartoffel, die ich gerade in der Hand hielt. Ich ließ sie mit einem Seufzer liegen und lief ein paar Schritte zum Erste Hilfe Schrank. Dort nahm ich mir ein Pflaster und klebte es auf die offene Wunde. Das Klingeln ließ währenddessen nicht nach. Derjenige an der Tür musste etwas echt verdammt wichtiges haben. Ich eilte also durch den Flur zur Haustür. Als ich sie öffnete, erstarrte ich. Draußen stand eine durchnässte Ella, ohne Jacke mit einem T-Shirt. Sie musste wirklich schnell aufgebrochen sein, warum auch immer.
Wir schwiegen uns einen Moment an, in dem das einzige Geräusch, der auf die Straße plätschernde Regen war.
,,Kann ich reinkommen?", fragte Ella schließlich leise.
Ich nickte nur.
Ella öffnete das Gartentor und ging an mir vorbei ins Haus. Ich stand immer noch erstarrt an der Haustür und schloss sie schließlich.
,,Was ist los?", fragte ich, als sie im Flur die Schuhe auszog.
,,Erinnerst du dich, als ich dir neulich erzählt habe, dass die Wagners umziehen?", fragte Ella und sah mich an, als hoffte sie, dass dies nie geschehen sei. ,,Heute sind die neuen Mieter gekommen."
Sie seufzte.
,,Wir... wir kennen sie, oder?"
Ich schaute sie vorsichtig an und Ella nickte.
,,Ja. Zumindest die Frau."
,,Wer ist es?"
Ella atmete tief durch.
,,Frau Müller.", sagte sie verzweifelt. ,,Frau Müller, diese beschissene Kuh, diese blöde Spoilerin, diese... Frau Müller ist neben mich gezogen!"
,,Oh.", sagte ich ziemlich lahm.
,,Ja, Oh.", erwiederte Ella. ,,Tut mir leid, dass ich zu dir gekommen bin. Aber ich wusste nicht, wohin ich sonst auf die schnelle gehen sollte. Ehrlich, ich bin komplett verzweifelt. Was soll ich jetzt machen? Du weißt, wie sehr ich Frau Müller hasse. Und du weißt, wie sehr sie mich hasst. Aus gutem Grund, ich bin ja selber Schuld. Aber trotzdem..."
Ella wirkte wirklich verzweifelt.
Eigentlich fand ich es nicht wirklich okay, dass sie plötzlich wieder hier auftauchte, als wäre nichts passiert. Aber sie war in einer wirklich blöden Lage und ich hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn wir uns wieder vertragen würden.
,,Gehen wir hoch in mein Zimmer? Falls es dich interessiert, kann ich dir dann auch erzählen, was so im Korridor los ist. Es ist nämlich einiges passiert."
Auch wenn das vielleicht ein dummer Schritt war, wollte ich doch sicher gehen, dass Ella auch mit dem Korridor klar kam.
,,Ja, klar, erzähle nur.", antwortete diese, als wir die Treppe hoch gingen. ,,Ich weiß, ich habe mich echt blöd aufgeführt. Es war nur..."
Sie brach den Satzt ab. Wir kamen gerade an Mirandas Zimmer vorbei, als mir die Kartoffeln wieder einfielen. Ich klopfte kurz an Mirandas Tür und sie antwortete mit ,,Ja?".
,,So sollte das unter Schwestern gehen.", murmelte Ella hinter mir.
Ich öffnete Mirandas Zimmertür. Sie saß an ihrem Schreibtisch und lernte vermutlich.
,,Du sollst Mum mit den Kartoffeln fürs Mittagessen helfen.", sagte ich und zog mich dann sofort zurück, bevor Miranda etwas entgegnen konnte. Ich hörte noch ein Seufzten und das zurückrücken ihres Schreibtischstuhls, dann war ich auch schon mit Ella in meinem Zimmer verschwunden.
,,Also, was ich sagen wollte...", murmelte Ella verlegen. ,,Es tut mir leid, dass ich mich so bescheuert aufgeführt habe. Ich war einfach eifersüchtig auf Liv und da sind ein paar Leitungen bei mir durchgebrannt. Ich weiß, das war total dumm und unüberlegt. Können... Können wir einfach wieder Freundinnen sein? Bitte."
Ich wollte nichts lieber als ,,Ja!" rufen, aber ganz so einfach war es nicht.
,,Du hast Recht. Das war total dumm. Du hast dich absolut bescheuert aufgeführt. Aber du hattest irgendwie auch Recht. Die ganze Traum Sache hat mich so stark aus der Bahn geworfen. Ich war komplett darin versunken. Ich habe wirklich zu wenig auf anderes geachtet. Ich würde sagen, wir vergessen den Streit einfach. Okay?"
,,Okay.", sagte Ella nickend. ,,Also was ist jetzt im Korridor? Gibt es noch weitere Leute, die eingeschlafen sind?"
Ich seufzte.
,,Ja. Am Mittwoch in Oberstdorf hat Liv von Pimpelchen erzählt. Diese eine Freundin von Persephone, weißt du? Und Lucys Oma schläft auch. Und -das habe ich erst gestern erfahren- meine Tante Paula. Josefa ist immer noch nicht aufgewacht, ich habe mit ihrem Vater geredet. Er sagt, dass ein Mann und eine Frau, denen es ähnlich geht, auch immer noch da liegen. Ich vermute, der Mann ist Leilas Vater. Bei der Frau habe ich keine Ahnung. Und Grayson geht es auch nicht besser. Und ihre Träume sind nach wie vor verschlossen."
Es fühlte sich gut an, endlich wieder Ella davon zu erzählen. Ihr Gesicht war nachdenklich.
,,Das ist wirklich komisch. Hast du die Arthur Theorie mal weiter verfolgt?"
,,Das ist der zweite Punkt. Liv und ich... Wir sind ihm letzt Nacht begegnet. Er sagte, er habe Pläne. Und er hat Andeutungen gemacht, dass er Liv vielleicht sogar töten will. Wir sind uns ziemlich sicher, dass er mit der ganzen Sache zu tun hat. Außerdem stellt sich die Frage, wie er aus dem Traum von Mrs Honycutt gekommen ist."
,,Das ist wirklich eine gute Frage. Die ganze Sache ist wirklich unheimlich. Wenn er wirklich Leute zum Schlafen bringt, was hat er davon? Was hilft es ihm, wenn sie einfach im Krankenhaus liegen und künstlich ernährt werden müssen? Hofft er darauf, sie irgendwie töten zu können, indem die Ärzte vielleicht irgendwie die Ernährung stoppen? Das ist doch wahnsinnig und macht absolut keinen Sinn!"
,,Ja, ich weiß. Und wir müssen verhindern, dass Arthur weiteres Unheil anrichtet. Aber jetzt mal weg von dem Thema. Was machst du jetzt? Was für Schritte leitest du ein, jetzt wo Frau Müller neben dir wohnt?"
Ella grinste.
,,Ach, ich überlege, ein paar Spinnen und Ratten zu sammeln und sie in dem Haus auszusetzen. Vielleicht zieht sie dann vor Ekel wieder aus."
,,Das meinst du nicht Ernst, oder?", fragte ich entsetzt. Klar, wir konnten Frau Müller beide nicht ausstehen, aber sowas ging doch wirklich nicht!
,,Natürlich nicht.", sagte Ella. ,,Sowas könnte ich doch keinen Spinnen und Ratten antuen. Ich versuche, mich möglichst selten auf der Seite unseres Hauses aufzuhalten, die zu Frau Müller zeigt. Nur blöd, dass mein Zimmer auf der Seite liegt. Ich hoffe nur, dass meine Mum nicht auf die Idee kommt, sich mit der ,,netten neuen Nachbarin" anzufreunden. Dann hätte ich nämlich ein echtes Problem. Außerdem hoffe ich, dass Frau Müller keine Gärtnerin ist. Du weißt ja, unser Apfelbaum hängt in naja, jetzt ihren Garten. Er ist so schön, ich will nicht, dass wir ihn zuschneiden müssen. Sie soll sich schön über die Äpfel, die im Herbst in ihren Garten fallen, freuen. Ich hoffe natürlich auch, dass sie sich prinzipiell wenig in ihrem Garten aufhält. Dann müsste ich sie nämlich nicht sehen, wenn ich im Garten bin. Aber weißt du, was das schlimmste ist? Ich kann jetzt nicht mehr zu Hause über sie lästern, wenn ein Fenster offen ist. Es sei denn, ich will in eine unangenehme Situation kommen. Warum? Warum gerade Frau Müller?"
Sie setzte sich resigniert auf mein Bett.
Ich konnte mir ihre Situation wirklich gut vorstellen. Ella wohnte in einem Haus, ein paar Straßen von hier entfernt. Die Häuser in dieser Straße waren alle gleich gebaut. Sie hatten ein Erdgeschoss und einen ersten Stock, in dem Ellas Zimmer war. Ella wohnte im zweiten Haus von links in dieser Straße. Im ersten Haus wohnte ein alleinerziehender Vater mit zwei Söhnen, von denen einer im Alter von Ellas Schwester Lena war und der andere zwei Jahre älter als Lena und ich. Dann im dritten Haus wohnten früher die Wagners und jetzt wohl Frau Müller. Bei jedem Haus war links neben dem Haus eine Garage und rechts führte ein kleiner Weg in den Garten, der hinter dem Haus war und zusätzlich von einer Terassentür erreichbar war. Jedes Haus war in einer anderen Farbe gestrichen. Ellas war himmelblau, das von ihren Nachbarn links war knallrot und das von Frau Müller blassgelb. Danach kam ein violettes und dann ein hellgrünes. Ich ging wirklich gerne durch die Straße und sah die Häuser an. Im Grunde genommen waren diese Häuser wie Reihenhäuser, die nur nicht zusammenhingen. Ellas Zimmer war direkt über dem Weg in den Garten. So hatte sie direkten Blick in die Einfahrt und auf das Haus von Frau Müller. Ich konnte vorstellen, dass das nicht unbedingt begehrenswert war.
,,Du kannst gerne immer, wenn du zu viel von deinen Nachbarn hast, zu uns kommen. Es gibt gleich Mittagessen. Willst du bei dir anrufen und fragen, ob du mitessen kannst?"
Ella war die Erleichterung anzusehen.
,,Danke. Ja, gerne."
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Silber- Das vierte Buch der Träume
FanfictionDiana Puckle ist ein verträumtes, 13-jähriges Mädchen. Seit sie die Silber-Trilogie gelesen hat, lässt sie von dem Wunsch, ihre Traumtür zu finden nicht mehr ab. Als dieser Wunsch jedoch in Erfüllung geht, muss sie feststellen, dass Arthur erneut se...