,,Diana, Ella, Lucy. Kommt bitte noch kurz mit uns mit."
Wir hatten gerade zu Abend gegessen und Herr Ruß rief uns jetzt.
Lucy, Ella und ich folgten ihm langsam aus dem Essraum, ohne ein Wort zu sagen. Wir kamen in einen der Versamlungsräume, mit ein paar Büchern in einem Regal und einem runden Tisch mit etwa 30 Stühlen. Dort standen Frau Blume und Frau Müller. Lucy zupfte nervös an den Blumen, die immer noch in ihrem Zopf waren, sodass sich rote Blätter vor ihren Füßen verteilten. Ella blickte sich nervös im Raum um und ich starrte eines der Bücher an.
,,Was habt ihr euch eigentlich gedacht?", fragte Herr Ruß.
,,Wir...", begann Ella.
,,Ihr hättet erkennen müssen, dass es besser ist, etwas Ärger wegen eines vergessenen Schlüssels zu bekommen, als euer Leben zu gefährden und über den Balkon ins Zimmer zu klettern. Ganz zu schweigen von dem Ärger, den sowas nach sich zieht."
Mir fällt Einstein vom Herzen. So lautete der Buchtitel. Offenbar war es ein Physikbuch. Wer hatte sich dieses bescheuerte Wortspiel ausgedacht?
,,Es war wirklich nicht richtig von euch, so etwas leichtsinnige zu tun.", fuhr Herr Ruß fort.
Helen Czerski war offenbar die Autorin dieses Buches.
,,Wir haben ein wenig über eine Strafe nachgedacht und..."
Das Buch war vom Fischer-Verlag. Wie die Taschenbücher von Silber, die in meinem Regal zu Hause waren.
,,...sind zu dem Schluss gekommen, dass ihr morgen nicht mit zum Steinbruch fahrt, sondern unter Aufsicht hier bleibt."
Die Nummer auf dem Buch war 03529.
Okay, Es gäbe schlimmeres. Es hätte sein können, dass wir am Nachmittag nicht durch den Ort gehen durften. Das wäre eine Katastrophe gewesen. Und eine Stimme in mir sagte mir, dass wir genau das verdient hatten. Wir waren immerhin selber Schuld.
,,Ihr könnt gehen.", sagte Frau Müller und wies auf die Tür.
Wir gingen auf die Tür zu und Ella drückte die Klinke herunter. Ich spürte die Blicke der Lehrer im Rücken. Als ich auf den Gang trat, stieß ich auf Wiederstand. Tom war gerade eben den Gang entlang gelaufen und ich hatte, wie es so typisch für mich war, mal wieder nicht darauf geachtet, wo ich hinlief und war in ihn hineingelaufen.
,,Tschuldigung.", murmelte ich und ging weiter in Richtung Treppe.
,,Warte!", rief Tom mir nach. Ich drehte mich um.
,,Was ist los? Was wollten die Lehrer?"
,,Uns schimpfen. Weil wir auf den Balkon geklettert sind. Wir müssen morgen hier bleiben und dürfen nicht mit zum Steinbruch. Naja, so Steinbrüche sind glaube ich eh nicht so meines." Ich lächelte.
,,Oh. Und was macht ihr dann hier?"
,,Keine Ahnung. Irgendjemand bleibt bei uns. Ich hoffe nur, dass das nicht Frau Müller ist."
Tom lachte.
,,Okay, ich geh dann mal hoch.", sagte ich und ging zur Treppe. Dort waren Lucy und Ella, die noch auf mich warteten.Am nächsten Tag regnete es in Strömen. Ella, Lucy und ich waren also relativ froh, nicht mit zum Steinbruch zu müssen und stattdessen in der trockenen Jugendherberge zu bleiben. Weniger froh waren wir, als sich herausstellte, dass tatsächlich Frau Müller bei uns bleiben würde. Carina ließ es sich natürlich nicht nehmen, Ella ebendies die ganze Zeit unter die Nase zu reiben. Ella wiederum wünschte ihr etwa fünf mal viel Spaß dabei, im Regen Steine aus einem Felsen zu hauen. Dann gingen die anderen los und wir gingen zu Frau Müller in den Aufenthaltsraum. Diese schien aber keine besondere Lust zu haben, sich mit uns zu beschäftigen und begann, in einem Buch zu lesen. Ich warf einen Blick auf den Titel. Effi Briest von Theodor Fontane. Woher kannte ich gleich diesen Namen?
Lucy, Ella und ich sahen uns einen Moment an und begannen dann auch zu lesen.
,,An welcher Stelle bist du gerade?", brach Ella schließlich das beschäftigte leseschweigen und sah zu Lucy.
,,Am Ende von Snapes Geschichte. Heißt das, er war die ganze Zeit nett?"
Lucy wirkte geschockt.
,,Nein.", sagte Ella entschieden. Sie gehörte zu den Menschen, die Snape einfach konsequent hassten. Man konnte ihr so viele Pro-Snape Argumente bringen, wie man wollte. Sie wehrte alle mit Gegenargumenten ab. Ich war mir nicht sicher, was meine Meinung zu dem ganzen betraf. Immerhin hatte Snape einiges Gutes getan. Durch Ella würde ich allerdings leicht beeinflusst, so dass ich ebenfalls kein allzu großer Snape Fan war.
,,Aber... er war doch Dumbledores Spion.", widersprach Lucy nun.
,,Er war trotzdem ein Arschloch. Das einzige gute an ihm ist sein Tod. Oh, und die Stelle, an der Hermine ihn anzündet."
Also das war jetzt doch ein wenig hart.
,,Naja, ich lese weiter und bilde mir dann eine Meinung. Ich will aber erst wissen, wie es weiter geht. Geht Harry jetzt in den Wald und opfert sich Voldemort?"
Ella wirkte unentschlossen, ob sie diese Frage bejahen sollte.
,,Les doch einfach.", sagte sie schließlich.
Lucy las weiter und auch ich wandte mich wieder Alea Aquarius zu. Ich las diese Bücher seit etwa einer Woche und sie waren wirklich gut. Viel Fantasy aber auch die Ansprache wichtiger Dinge, wie die Meerverschmutzung war eine gute Mischung. Außerdem waren sie wirklich großartig geschrieben.
Ich vertiefte mich für die nächste Stunde in das Buch.
,,Neville ist toll.", sagte Lucy irgendwann. ,,Jetzt weiß ich, was du damit meintest, dass er noch ein echter Held wird, Ella. Ich mochte aber auch den tollpatschigen in den ersten Teilen."
Lucy las weiter. Nach etwa einer Viertel Stunde schlug sie dann das Buch zu und schwieg. Ella blickte sie gespannt an.
Nach einigen Minuten blinzelte Lucy.
,,Fertig.", sagte sie auf Ellas Starren. Ella grinste.
,,Also wir könnten jetzt entweder über Snape diskutieren... oder eben nicht."
Ich stand auf und ging zu dem Regal mit den Brettspielen.
,,Hier. Wie könnten ,Mensch ärger dich nicht' spielen. Oder ,Monopoly'."
Wir entschieden uns für Mensch ärger dich nicht. Ella war Rot, Lucy war Grün und ich war Gelb. Die erste Runde gewann Ella, bei der zweiten bekam sie erst beim 15. Versuch eine sechs, wodurch sie keine Chance mehr hatte. Lucy gewann. Meine Gedanken drifteten ab. Heute Nachmittag würde ich mich mit Liv und Mia treffen. Hoffentlich würde da das Wetter besser sein. Mir fiel auf, dass ich noch nicht wusste, in was für einer Gruppe ich gehen würde. Was, wenn ich mit jemandem gehen musste, der nichts von der Traum Sache wusste? Jenny, zum Beispiel. Ich würde in ziemliche Erklärungsnot geraten. Ich sollte mich sofort darum kümmern.
,,Ähem, Ella, Lucy?", fragte ich vorsichtig.
,,Machen wir heute Nachmittag eine Gruppe?"
Beide nickten. Ich war erleichtert. So würde ich keine Probleme bekommen.Am Nachmittag hatte es zwar aufgehört zu regnen, allerdings war es immer noch bewölkt und alles war nass. Ich packte die persönlichen Dinge von mir -eine alte Trillerpfeife, eine Mütze, ein Armband, welches ich im Kindergarten selbst gemacht habe, eine Socke und einen kurzen Bleistift- in meinen Rucksack und ging mit Lucy in die Eingangshalle, wo Ella schon wartete. Auf dem Weg in den Ort schlug Lucy vor ,,Ich sehe was, was du nicht siehst" zu spielen, allerdings war ich viel zu aufgeregt dazu. Wir kamen um Viertel vor drei im Ort an und sahen uns zuerst ein wenig um. Um kurz vor drei gingen wir zur Ortsmitte, wo der Brunnen stand. Wir machten aus, uns um 16.00 wieder hier zu treffen. Ella und Lucy verabschiedeten sich von mir und ich blieb aufgeregt dort. Ich konnte mich nicht hinsetzen, wenn ich eine nasse Hose verhindern wollte, deshalb trat ich nervös von einem Bein auf das andere. Um 14.59 sah ich in einer der Straßen, die zum Brunnen führten, zwei Mondscheinblonde Köpfe auftauchen. Es waren Mia und Liv.
Wuhuuu, ein neues Kapitel.
Jap, geschrieben habe ich die Ff jetzt fertig. Mein Plan ist es, pro Woche zwei Kapitel zu veröffentlichen, vielleicht schaffe ich es sogar, mich auf Tage festzulegen. Also dann, bye👋

DU LIEST GERADE
Silber- Das vierte Buch der Träume
FanficDiana Puckle ist ein verträumtes, 13-jähriges Mädchen. Seit sie die Silber-Trilogie gelesen hat, lässt sie von dem Wunsch, ihre Traumtür zu finden nicht mehr ab. Als dieser Wunsch jedoch in Erfüllung geht, muss sie feststellen, dass Arthur erneut se...