Kapitel 22 ~ Der Alraunenmarkt

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Crystals Sicht:

„Du willst bitte wo nach dem Gift suchen?" Jude starrte Geist ungläubig an und schüttelte den Kopf, als würde das irgendetwas in seinem soeben gesagten Satz ändern können. Er hob nur die Schultern und nahm einen Schluck aus seiner Teetasse. Ich verstand gar nicht, warum sie sich so aufregte, er hatte mit seiner Idee ja nicht unrecht, auch wenn mir der Gedanke daran, diesen Ort zu besuchen, ein wenig unangenehm war.

„Hast du was dagegen, wenn wir zum Alraunenmarkt gehen?", fragte er mit schiefgelegtem Kopf, nachdem er heruntergeschluckt hatte.

„Ja...Nein...ich meine nur, dass dort so unfassbar viele Leute sind. Warum sollte die Person das Gift ausgerechnet von dort haben?"

„Du hast es doch gerade selbst gesagt, Jude. Es gibt dort unglaublich viele Leute und selbst, wenn diese Person nicht mehr dort ist, dann wird bestimmt irgendjemand irgendwas gesehen haben.", mischte ich mich mit einem Nicken in Geists Richtung ein. Ich war mir ziemlich sicher, dass Gift, Bombe und Kakerlak mir zugestimmt hätten, wenn sie gerade anwesend wären. Waren sie aber nicht.

Kakerlak hatte sich dazu bereiterklärt, Grimsen zu verfolgen, bis er an Elfenheims Grenze angekommen war, damit er keinen Mist machte. Bombe hatte sich in ihre kleine Werkstatt verzogen und wollte Flügel erklären, wie man kleine Sprengsätze baute. Und Gift war so lieb gewesen und hatte mir die Aufgabe abgenommen, Geschirrfragen zu klären. Eigentlich hatte ich ihr widersprechen und das selbst erledigen wollen, aber sie bestand darauf und so hatten Jude und ich wenigstens noch unser Training abhalten können.

Und jetzt?

Jetzt saßen wir zu dritt am Hof der Schatten und erlaubten uns eine kleine Pause. Das hieß...Jude hatte es eine kleine Pause genannt. Ich würde dazu eher Strategiebesprechung sagen, aber das konnte ja jeder nennen, wie er es wollte.

Gerade besprachen wir eines der Themen, die ich bereits in meine hintersten Gedanken verbannt hatte: Den Giftanschlag auf Cardan.

Lediglich daran zu denken, fiel mir schwer und weckte Erinnerungen, die ich lieber weiterhin verdrängt hätte, aber Jude hatte recht, wir mussten uns dringend darum kümmern, das endlich hinzubekommen. Wir mussten den Täter finden und dafür sorgen, dass er seine gerechte Strafe bekam und noch wichtiger, wir mussten herausfinden, warum diese Person versucht hatte, Cardan zu vergiften und es mir in die Schuhe zu schieben. Es gab kaum jemanden, der wusste, dass ich eine der Flaschen besessen hatte. Außerdem hatte Gift erklärt, dass das DNA-Gift-Rezept mehr als nur unbekannt war. Es gab kaum jemanden in ganz Elfenheim, der überhaupt wusste, dass man ein Gift auf diese Art spezialisieren konnte.

Apropos Gift...

„Habe ich da gerade Alraunenmarkt gehört?" Die Tür schwang auf und eine überraschend gut gelaunte Gift kam hereinspaziert. Sie grinste einmal in die Runde, ehe sie die Tür wieder hinter sich schloss und zu uns schlenderte. Kaum hatte sie sich einen Stuhl herangezogen und sich gesetzt, erklärte Jude ihr knapp, worum es ging. Gift nickte einige Male und schwieg ansonsten, bis sie fertig war.

Dann antwortete sie: „Das ist eigentlich gar keine so schlechte Idee, Jude. Ich weiß um ehrlich zu sein nicht, warum dir das nicht gefällt. Wenn es einen Ort gibt, an dem man ohne Probleme all die Zutaten für dieses Gift zusammenbekommt und dabei nicht auffällig wirkt, dann ist es der Alraunenmarkt. Ich könnte euch begleiten, ich muss sowieso die ein oder anderen Sachen nachkaufen, also wäre das doch ganz praktisch."

„Na, dann werde ich schon mal die Pferde vorbereiten, was?" Geist stand mit einem Lächeln auf und wollte schon in Richtung Ausgang gehen, als Gift einschritt.

„Geist, ich glaube, du solltest hierbleiben." Er hielt inne und schüttelte verständnislos den Kopf. „Warum? Ich meine, es ist nicht so, als würde ich das nicht überleben oder so. Mir geht es wieder besser, das weißt du doch."

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