Kapitel 21

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Kapitel 21

- Sieben Monate später –

„Neville!"

Er zuckte zusammen und sah sich nach Ginny um, die ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und in die Hüften gestemmten Armen musterte. „Was?"

„Willkommen in der Wirklichkeit", entgegnete sie. „Wo bist du bloß mit deinen Gedanken?"

Neville spürte, wie seine Wangen heiß wurden. 

„Okay, ich will es nicht wissen", schlussfolgerte Ginny daraufhin, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte. „Aber es wäre schon nett, wenn du mir ein bisschen helfen könntest, anstatt nur Löcher in die Luft zu starren und das Kissen festzuhalten."

Er sah hinab auf seine Hände und war überrascht, dass er dort tatsächlich ein Kissen fand. Es war eines jener Kissen, mit denen sie die Trainingsmatten für die heftigeren Zaubereien aufgepolstert hatten. Streng genommen musste der Raum der Wünsche zwar nicht aufgeräumt werden, bevor sie ihn verließen. Aber da magische Dinge so manches Mal ihren eigenen Kopf hatten und sie es sich im Moment nicht leisten konnten, ihren Trainingsraum zu verlieren, hatten sie beschlossen, wenigstens für Ordnung zu sorgen. 

„Tut mir leid", murmelte Neville also und machte sich wieder an die Arbeit. Die Kissen stapelte er säuberlich in einer Ecke des Raumes, während Ginny liegen gebliebene Essensverpackungen in einen Korb warf. 

So richtig lange konnte Neville sich jedoch nicht mit seinen Gedanken in diesem Raum halten. Der Krieg rückte immer mehr ins Bewusstsein aller Schüler, die Trainingsstunden verliefen meistens angespannt. Auch Neville war schon seit geraumer Zeit nervös und unkonzentriert; seit fast einem Jahr bereiteten sie sich darauf vor, den Todessern und Du-weißt-schon-wem die Stirn zu bieten, so langsam würde er es gerne hinter sich bringen. 

Und weil diese allgegenwärtigen Gedanken ihn noch nervöser machten, hatte er es sich angewöhnt, sie bewusst auszublenden. Und das einzige, was stark genug war, um zuverlässig und dauerhaft zu funktionieren, war Draco.

Draco, der ihn mitten im Flur hinter einen Wandteppich zog und so unerwartet und heftig küsste, dass Neville die Knie weich wurden, während nur einen Meter entfernt die nächsten Schülergruppen den Korridor passierten. 

Draco, der ihm durch die Große Halle Blicke zuwarf, die Neville grundlos das Herz flattern ließen – bis vor einem Jahr hatte Draco nämlich Harry auf diese Weise taxiert und nichts daran war romantisch gewesen. Nur dass es das zwischen ihnen eben doch war. Auf eine slytherinsche Art und Weise. 

Und natürlich Draco, der nackt neben ihm lag, den Kopf auf Nevilles Brust und ihre Beine ineinander verhakt wie zum Dreibeinrennen. 

Neville konnte nicht sagen, wann und wie es geschehen war, aber sie hatten begonnen, einander zu vertrauen. Und nicht nur das, irgendwann hatten sie auch angefangen, miteinander zu planen. Sie waren zu aufrichtigen Partnern geworden. Gut, heimliche Partner, aber immerhin.

„NE-VILLE!"

Er wirbelte herum und blinzelte, als hätte Ginny ihn aus dem Tiefschlaf gerissen. „Ich bin da."

„Phasenweise", kommentierte sie. „Hilfst du mir wenigstens, die Matten aufeinander zu stapeln?"

Er sah sich im Raum der Wünsche um und musste feststellen, dass sie die restlichen Aufräumarbeiten tatsächlich alleine erledigt hatte. Beschämt senkte er den Blick und schlich zu ihr, um zwei Ecken einer Matte zu ergreifen. „Es tut mir so leid!", hauchte er dabei.

Sie seufzte, vielleicht weil das Gewicht der Trainingsmatten schwer an ihren Armen zog nach dieser anstrengenden Einheit. „Wann kommt Draco nochmal zurück?"

Ein Funke und ZunderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt