Eine Tür knallte und schnelle Schritte waren zu hören. "Lina!", rief eine Stimme und Arme legten sich um sie. Lina schrie auf und versuchte sich zu wehren, während ihr erneut heiße Tränen die Wangen hinunterliefen. "Sch. Ich bin es nur. Enyalios.", meinte die Stimme. Lina sah auf und blickte direkt in das besorgte Gesicht des jungen Gottes. Lina schluchzte auf und warf sich ohne zu zögern in seine Arme. Enyalios strich langsam ihren Rücken auf und ab und murmelte beruhigende Worte. Nach kurzer Zeit hatte sich Lina wieder etwas beruhigt und löste sich von Enyalios. Sie wischte sich einmal über die Augen und blickte dann erstaunt hinter den Gott des Kampfes. Dort standen zwei weitere junge Männer, die Lina ebenfalls besorgt musterten. "Ach Lina. Ich hatte dir ja von meinen Brüdern erzählt. Das ist Phobos. Gott der Furcht." Enyalios zeigte auf den linken Mann. Er hatte rot-blonde Haare und braune Augen. "Und das ist Deimos. Gott des Grauens." Deimos hatte braune Haare und blaue Augen. "Und jetzt erzähl uns mal was passiert ist. Vater kam vorhin völlig aufgelöst zu uns in die Arena und stammelte etwas davon, dass er dir etwas Schreckliches angetan hätte.", meinte Enyalios. "Daraufhin sind wir natürlich sofort hierher gekommen, wie du siehst.", warf Phobos ein.
Lina schaute einen nach dem anderen lange an und drehte dann wortlos ihre schmerzende Wange in Richtung der drei Götter. Alle drei zogen scharf die Luft ein. Sanft berührte eine Hand ihre Wange, doch es reichte schon, um ihr unglaubliche Schmerzen zu bereiten. Sie schrie unterdrückt auf und sofort zog derjenige seine Finger zurück. "Das ist ja schrecklich!", stieß Phobos aus. "Den mach ich fertig!", knurrte Enyalios und schon stürmte ein wütender Gott aus dem Saal. "Ich gehe ihm mal besser hinterher.", meinte Deimos, der seinem Bruder schnell folgte. Nun war nur noch Phobos bei Lina. Dieser kniete sich nun etwas unsicher vor sie und hielt ihr seine Hand hin. Lina schaute ihn fragend an. "Wir sollten das kühlen. Das geht aber nicht hier." Lina nickte und ergriff Phobos' Hand. Dieser zog sie mit Schwung nach oben und sofort wurde Lina schwindelig. Sie stützte sich an dem Gott neben ihr, der schnell einen Arm um sie legte. "Ok. So geht das nicht.", stellte er fest und hob sie dann kurzer Hand im Brautstyle hoch. Lina war zu erschöpft, um zu protestieren. Sie legte erschöpft ihren Kopf an seine Schulter und dämmerte langsam weg. "Lina, bleib wach! Komm schon! Verdammt!", hörte sie noch gedämpft Phobos' Stimme, dann wurde sie umhüllt von dunklem Nebel.
***
Das nächste Mal erwachte Lina in ihrem Bett. Vor ihr saß ein sauer dreinblickender Enyalios. Phobos und Deimos liefen an ihrem Bettende auf und ab. Stöhnend setzte sie sich auf und sofort fuhren die Köpfe der drei zu ihr. "Lina.", atmete Enyalios erleichtert aus und zog sie in seine Arme. "Wie geht es dir?", fragte er, nachdem er sie wieder losgelassen hatte. Lina fuhr sich einmal über ihr Gesicht. "Gut, denke ich." "Denkst du?", hakte Deimos nach. "Wie soll es mir schon gehen, wenn mich jemand geschlagen hat?", rief Lina aufgebracht. "'Tschuldigung.", nuschelte Deimos. "Nein, ich muss mich entschuldigen. Ich habe kein Recht euch so anzufahren.", meinte Lina und fasste dann vorsichtig an ihre Wange. Sie tat tatsächlich kein bisschen mehr weh. "Wie habt ihr das gemacht?", wollte sie wissen. "Was?", fragte Deimos. "Na meine Wange. Wie habt ihr es geschafft, dass sie kein bisschen mehr wehtut?" Deimos und Enyalios blickten schmunzelnd zu Phobos, der leicht rot anlief und zu Boden schaute. "Naja, da hat Onkel Apollos Heilkundeunterricht doch was gebracht.", schmunzelte er und kratzte sich am Hinterkopf. Lina musste schmunzeln und stand dann auf. Sie lief auf Phobos zu und umarmte ihn. Kurz zögerte er, legte dann jedoch ebenfalls seine Arme um sie. "Danke.", bedankte sich Lina. "Kein Ding. Hab ich doch gerne gemacht."
Lina drehte sich wieder zu Enyalios um und erst jetzt bemerkte sie, dass der Gott des Kampfes ein blaues Auge hatte. "Was ist denn mit dir passiert?", fragte sie erschrocken. Enyalios schmunzelte. "Ich hab Vater mal die Meinung gegeigt. Hat ihm nicht ganz gepasst." Lina wurde wieder wütend. "Er ist so aggressiv!", knurrte sie und ballte die Hände zu Fäusten. "Das mag sein.", begann Deimos. "Aber es ist nicht seine Schuld.", erklärte Phobos. Verwirrt sah Lina erst Deimos, dann Phobos und dann Enyalios an. "Wie meint ihr das?" "Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass alles einen Grund hat, Lina? Es hat einen Grund, warum wir so sind, wie wir sind. Und das liegt nicht unbedingt an uns. Manchmal ist es die Schuld anderer. Du hast doch bestimmt Sachen über Ares gelesen? Dann weißt du auch, dass er bei den anderen Göttern nicht sehr beliebt ist. Er hat nie Liebe von seinen Eltern und seinen Geschwistern erhalten. Das hat ihn traurig gemacht. Und diese Traurigkeit, diese Schmerzen. Die haben sich bei ihm in Wut verwandelt und er wurde aggressiv. Das alles und die Einsamkeit hier nagen an ihm. Wir wissen nicht genau, warum du hier bist. Aber wir denken, dass Vater nicht mehr alleine sein wollte. Dass er sich geliebt fühlen wollte. Lieben und geliebt werden. Etwas, was Vater kaum in seinem Leben erfährt. Weder von Mutter, noch von uns. Das denkt er jedenfalls. Wir versuchen ihm zu zeigen, dass wir ihn lieben. Er ist unser Vater verdammt! Natürlich lieben wir ihn! Aber er ist zu sehr damit beschäftigt sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Also, Lina, verurteile ihn bitte nicht für das, was andere aus ihm gemacht haben.", sprach Enyalios und schaute die junge Frau ernst an.
Diese war beeindruckt. Beeindruckt davon, dass der junge Gott einmal so ernst sein konnte. Und beeindruckt von seinen Worte. Aber was sie gehört hatte, hörte sich so richtig an. So nachvollziehbar. Und Lina wusste, dass sie es übertrieben hatte. Sie hätte Ares keine Vorwürfe machen sollen. Erschien es ihr vorhin noch so richtig, erschien es ihr jetzt umso schlechter. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen. "Was habe ich nur getan?", wisperte sie. Deimos und Phobos setzten sich neben sie und legten je eine Hand auf ihre Schulter. "Ihr habt beide Fehler gemacht. Du hättest ihm keine Vorwürfe machen sollen und er hätte dich nicht schlagen dürfen.", meinte Phobos. Lina nickte kaum merklich. Mit einem Mal wurde leise die Tür geöffnet. "Könntet ihr uns für einen Augenblick alleine lassen?" Ruckartig hob Lina den Kopf. Diese Stimme würde sie unter tausenden wiedererkennen. Da im Türrahmen stand er. Ares.

DU LIEST GERADE
Gott des Krieges
FantasyUm zu überleben, tritt sie in den Orden der Götterdiener ein. Und wird prompt von dem Gott auserwählt, den sie am allerwenigsten mochte. Ihr Leben steht von nun an in seinem Zeichen. Ein auf und ab beginnt. Kommt sie mit alldem klar?