#19 Unschuldige und Verletzte Herzen

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"Tu es nicht aus Dankbarkeit, Katharina. Du musst es wirklich wollen und nicht, weil du mir etwas zurückgeben willst".
Denn er wollte nicht, dass sie ihn aus den falschen Gründen heiratet, wie dass sie sich ihm verpflichtet fühlt.

"Ich will es wirklich. Ihr wart der Erste, der mich so akzeptiert hat, wie ich bin. Ihr seid so anders... ihr fasziniert mich".
Sie sprach sehr offen und ehrlich.


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Er war etwas überrascht, dass er sie faszinierte, aber immerhin beruhte es auf Gegenseitigkeit.
"Dann ists gut".
Sein Grinsen kehrte zurück während die beiden nur noch vom Wasser umgeben waren.

"Darf ich euch etwas fragen? Wieso wollt ihr mich heiraten? Von all den Frauen auf dieser Welt, habt ihr mich ausgesucht".
Sie sah sich kurz um, bevor ich Blick wieder auf ihm landete. Di Antwort interessierte sie und sie war neugierig.

Er überlegte für einen Moment während er weiter paddelte bevor er sie vorsichtig ansah.
"Es gibt viele schöne Frauen, viele Kämpferinnen und intelligente Frauen", erklärte er es ihr, "aber jeder ist anders und so hast du etwas, was die anderen nicht haben".

"Ich habe etwas, was die anderen nicht haben? Ich wüsste nicht, was so anders an mir wäre, als vielleicht der Reichtum den ich besitze".
Sie sah weiterhin zu ihm und ihr Blick ließ nicht von ihm ab.

Er lachte und schüttelte den Kopf.
"Genau das", er deutete auf sein eigenes Herz, "dein Herz ist noch sehr rein und unwissend, du bist ehrlich und vermutlich sehr loyal zu den Menschen, die du liebst. Wo findet man sowas? Nirgends. Überall Betrug, Lügen und verunreinigte Seelen. Aber du nicht".

Sie nickte und lächelte.
"Ich verstehe. Und was ist mit euch? Habt ihr ein verletztes Herz? Oder unangetastet?"
Sie wollte wissen, ob er Schmerz gefühlt hatte.

Er sagte nur knapp "Verletztes",  aber es war nicht nur verletzt, sondern auch unrein. Bei so vielen Lügen und Morden blieb eben kein Herz rein.

"Erzählt mir davon".
Sie sah zu ihm und wollte mehr über ihn wissen. Sie wollte wissen, was er alles überstehen musste.

"Da gibt es nicht sonderlich viel", er lachte leise, wohl eher für sich selbst.
"Meine Mutter wurde ermordet als ich noch klein war. Ich glaube mit 13 habe ich ihren Mörder dann auch getötet. Meine Familie hat auch nie viel Geld gehabt, weshalb wir viel Hunger erleiden mussten,  bis ich in die Kreise aufgenommen wurde und mit in die Kriege zog. Mein Vater starb auf dem Kriegsfeld genauso wie Freunde. Aber sie alle sind in Walhalla und warten dort auf mich. Man vermisst sie sicher, aber ich werde sie eines Tages wieder sehen".
Der Gedanke daran ließ ihn strahlen.

Sie lächelte leicht und nahm seine Hand in ihre als Zeichen dafür, dass sie ihm zuhörte, aber genauso auch dafür, dass sie für ihn da sein würde.
"Und wie sieht es aus mit der Liebe? Hattet ihr auch jemanden vor mir?"

Er atmete einmal tief ein.
"Ja, aber es hat nicht wirklich funktioniert. Geliebt habe ich sie nicht, wenn ich ehrlich bin. Wahrscheinlich ist es auch daran gescheitert".

"Habt ihr sie verlassen? Oder was ist passiert, dass es zu Ende ging?"
Sie sah zu ihm und hörte ihm aufmerksam weiter zu.

"Nein, sie hat mich verlassen, weil sie dachte, dass ich sie hintergehe".
Er zuckte mit den Schultern, fügte dann aber noch etwas hinzu.
"Was ich nicht habe, falls du fragen willst".

Doch diese erste Aussage verwirrte die junge Prinzessin etwas.
"Sie konnte euch einfach so verlassen? Ohne Konsequenzen? Und ohne irgendwelche guten Gründe..? Ich dürfte niemals jemanden verlassen, selbst wenn er mich hintergehen würde. Das gehört sich nicht für eine gute Gattin. Sie muss ihm bedingungslos gehorchen".

"Bei uns ist es anders. Du kannst den Menschen verlassen, mit dem du lebst außerdem war sie nicht meine Gattin. Wir haben uns nie vermählt".
Gibt es bei denen nicht sowas wie eine... Lebenspartnerschaft? Wird dort direkt geheiratet? Wir für unseren Teil schauen erst ob wir überhaupt eine Familie werden wollen und ob es überhaupt gemeinsam klappen würde. 

"Nein, bei uns entscheiden die Väter ob geheiratet werden soll, genauso wie es bei mir mein Vater entscheidet. Dabei ist es egal, was für Gefühle für wen empfunden werden oder ob überhaupt welche vorhanden sind. So ist es zumindest in meiner Familie. Mein Vater trägt auch als König sehr viel Verantwortung, weswegen es bei mir noch einmal strenger wird.."

"Verstehe..."
Das ist wirklich irgendwie traurig. Sie sollte bei uns leben. Wenn wir uns vermählen sollten, dann wird sie das auch. Aber die Frage ist, ob sie überhaupt mit meinem Volk klar kommt, oder unseren Sitten. 
"Schlaf etwas. Die Reise wird noch eine Weile dauern. Morgen früh sind wir vermutlich erst da"

Sie nickte und legte sich in seiner Nähe hin, sodass sie ihn sehen konnte, sobald ihre Augen offen waren und das waren sie auch gerade.

Er paddelte einfach weiter und ließ sich von nicht beirren. Zwischendurch machte er Pausen und ließ das Meer die Arbeit machen, doch Schlaf würde er über die Nacht nicht bekommen. Jemand muss paddeln und sie kennt den Weg nicht.

Irgendwann fielen ihre Augen dann auch schon zu und sie schlief ein. Sie schlief auch eine Zeit lang, aber irgendwann begann sie im Schlaf zu zittern, da sie vergessen hatte sich zuzudecken und sie immerhin am offenen Meer waren.

Ivar bemerkte ihr Zittern und legte einen Pelzmantel über sie.
Erst am Morgen als die Sonne aufging, konnte er das Festland sehen und hörte auf zu Paddeln. Das Meer würde dann auch schon den Rest erledigen.


I will always be yours - Through Walhalla and HellWo Geschichten leben. Entdecke jetzt