Die Ziege blieb bei ihnen stechen und sie musst etwas lachen. Sie stellte kurz den Koffer ab und strich der Ziege über ihr so weißes Fell.
"Ihr habt eure Ziege Mäh genannt?"
"Mir ist nichts anderes eingefallen. Wie soll man schon eine Ziege nennen?"
Er nahm dieses Mal auch den anderen Koffer.
"Ich bring die Sachen schon einmal rein ins Haus".
Und das tat er dann auch schon.
Sie streichelte noch kurz die Ziege bevor sie ihm dann auch schon rein ins Haus folgte, welches wirklich deutlich kleiner war, als sie sein Heim erwartet hatte. Immerhin war sie in einer Festung aufgewachsen.
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Drinnen bei ihm angekommen, sah sie sich um und fragte ihn zugleich.
"Wieso hat der Mann seine Hand ausgestreckt?"
Diese Handlung hatte sie etwas verwirrt.
"Begrüßung. Leute, die man nicht kennt, denen schüttelt man die Hand. Eine Geste der Freundlichkeit, die man aber nicht annehmen muss"
Während er es ihr erklärte, legte er die Koffer mitten im Raum ab.
"Das mit dem Knicks solltest du am Besten unterlassen. Das macht hier niemand. Wenn sie wissen, dass du von wo anders kommst, kann es problematisch werden, da sie dir nicht . vertrauen würden, wenn nicht sogar dich als Feind ansehen würden. Aber wenn sie dich kennen und dann wissen woher du kommst, ist es weniger problematisch, weil sie dir da schon vertrauen und dich mögen".
Zur Zustimmung nickte Katherina dann auch.
"Verstehe, also kein Knicks und ich muss dann auch meine Hand ausstrecken?"
Sie sah verwundert zu ihm. Musste sie jetzt wirklich absolut jedem die Hand geben?
"Nein, nur wenn du willst".
Er nahm ihr Hand in seine und zeigte ihr, wie er es genau meinte mit dem Handschütteln.
"So. Wenn du es aber nicht willst, dann tust du es auch einfach nicht. Aber dann denken die Leute, dass du sie nicht leiden kannst. Aber du musst nicht jedem die Hand geben. Es ist deine Entscheidung. Es ist einfach nur... wenn du dich jemandem vorstellt, aber diese Geste macht auch nicht jeder, also musst du dich auf sowas auch nicht einstellen".
"Okay, soweit habe ich dann auch alles verstanden. Also verbeugt sich bei euch echt niemand? Und keiner macht vor irgendwem einen Knicks?"
"Vor dem König gelegentlich. Aber wir sind alle sehr... naja wie als wären wir alle irgendwie Freunde oder Bekannte. Wir duzen uns bis auf mich und den König, wenn du verstehst? Es wird niemand hochschätziger betrachtet als man es selber auch tut. So gesehen kann man es sich eigentlich selbst aussuchen".
"Ihr seid also nicht der König eures Landes? Und weshalb dann bis auf euch und den König?"
Sie sah neugierig und gespannt zu ihm. Das neue Land war interessant, das umfasste aber nicht nur die Landschaft und die Menschen, sondern auch deren Politik und Herrschaftssystem.
"Weil ich ein Earl bin. Ich bin unter dem König gestellt, habe aber dennoch Befehlsgewalt".
Er zuckte etwas mit den Schultern.
"Aber lass uns dich erst einmal umziehen, denn so siehst du etwas zu... fremd aus"
Genauso wie er bei ihr in ihrem Land ausgesehen hatte. Da fiel ihm auch ein, dass er selbst noch die Kleidung aus ihrem Land trug.
"Mich umziehen? Was passt denn nicht an meiner Kleidung? Ist sie etwa dreckig?"
Sie sah verwirrt an sich runter und strich sich durch das Kleid, welches unter dem Mantel hervorkam.
"Nein"
Er lachte leicht.
"Ich kam zu euch und sah seltsam aus, richtig? Genauso seltsam siehst du jetzt für diese Leute aus".
Er knöpfte das Hemd auf und zog sich dieses einfach aus. Er war immerhin wieder zuhause und da wollte er sich auch benehmen, wie er es immer gewohnt war.
"Da ist ein Schrank, da müsste noch ein Kleid drinnen hängen".
Er vermutete schon, dass sie lieber Kleider trug als Hosen.
Sie ging zum Schrank und öffnete diese, dabei holte sie dann das Kleid raus und betrachtete es in ihren Händen.
"Das soll ich anziehen? Wo ist das Restliche vom Kleid?"
Das Kleid war dünn und der Stoff rau, während ihre Kleider immer aus mehreren Schichten bestanden und sehr seidig und weich waren. Ihre Kleider hatten einen sehr kostbaren Stoff während dieses hier weniger königlich wirkte. Es sah aus wie ein Bauernkleid.
"Rest? Das ist das Kleid. Ich kann dir natürlich auch Hosen geben, aber ich denke dir ist das Kleid lieber oder?"
"Ich kann das nicht anziehen, wirklich nicht. Und vor allem damit raus? Das könnte mein Nachtkleid sein, damit darf mich niemand sehen sonst gelte ich in meinem Land als unrein..."
Es sprach gegen so ziemlich alles, was ihr über ihre Kleidung und ihr Auftreten beigebracht wurde. Das konnte sie wirklich nicht tun. Vor allem bei ihr war Auftreten und Aussehen besonders wichtig, da sie ja die Prinzessin ihres Landes war.
Er seufzte und trat vor sie.
"Pass auf. Hier ist das völlig normal. Aus deinem Land ist hier niemand und ich bin mir sicher das Luag sich gerade im Schuppen mit den anderen köstlich darüber lacht, was ich gerade eben getragen habe. Also ja, wir legen dein Kleid zur Seite damit es sauber bleibt, dann kannst du es auf der Heimreise auch wieder anziehen".
"Ihr versteht das nicht..."
Sie wollte ja offen sein gegenüber seinem Volk, aber das? Eine Schicht für sie ist beinahe wie nackt herumzulaufen. Sie würde sich komplett unwohl fühlen, also muss sie eine andere Lösung finden.
Sie seufzte, nahm das Kleid in ihre Hand, und ging dann zu ihrem Gepäck und nahm es ebenfalls hoch.
"Wo ist mein Zimmer?"
Er zeigte mit dem Finger auf eine Türe
"Wir teilen uns eins- oder ich schlafe hier auf dem Boden, auch kein Problem."
Kurz lächelte er und nahm sich dann ein Shirt aus dem Schrank um es sich über zu ziehen. Es war genauso ein Lumpen, wie den, den sie gleich tragen würde.
Sie ging dann ins Zimmer ohne etwas zu sagen. Gerade hatte sie ein anderes Problem, um das sie sich kümmern musste. Sie legte das Kleid auf sein Bett und betrachtete es. Es stand außer Frage, dass sie das tragen würde.
Er zog sich auch unten rum neu an und überlegte ob er vergessen hatte, was zu erwähnen? Er war sich sicher, dass die Bauern in ihrem Land genauso viele Arschlöcher hatte wie dieses Land, nur war sie jemals welchen begegnet? Wohl kaum. Und hier würde sie es-
Da während holte Katherina aus ihrem Koffer ein anderes Kleid heraus. Es hatte weniger Stoff als ihre sonstigen Kleider. In diesem hatte sie auch einige Male trainiert und sie konnte sich darin gut bewegen und kämpfen. Der Stoff war definitiv etwas besser als der des Bauernkleides, aber es ähnelte diesem schon eher. Sie entfernte einiges von den schöneren Bändern von dem Kleid, sodass es einfacher aussah.
"Bist du fertig? Wir müssen noch ins Dorf"
Rief er ihr aus dem Wohnzimmer zu.
Sie zog sich dann auch schon um und kam wieder zu ihm zurück.
"Kann ich auch das anziehen? Es ist angemessener und ähnelt eurem Kleid auch, nachdem ich die Bänder und extra Anbringungen entfernt habe. Es wäre zumindest für die ersten Tage.."
Kurz musterte er sie und meinte dann auch
"In Ordnung"
Dann nahm er aus einem Korb etwas Brot und warf es ihr zu.
"Dein Frühstück. Wenn wir da sind wo wir hingehen, kannst du auch was richtiges essen"
Sie fing das Brot auf, nahm sich ein Stück und legte den Rest zurück.
"Danke, ich kann mit dem Essen eh noch etwas warten, bis es etwa richtiges gibt"
Sie aß jedoch das kleine Stück, welches sie sich abgebrochen hatte.
"Dann können wir ja los"
Damit lief er auch schon voraus aus der Tür direkt ins Dorf seiner Heimat.
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I will always be yours - Through Walhalla and Hell
Teen FictionWas passiert wenn plötzlich zwei vollkommen fremde Welten auf einander prallen? Etwas, was nie hätte passieren dürfen, geschieht und doch entsteht dabei eine herzzerreißende und unvergessliche Liebesgeschichte. Er, einer der wichtigste Personen unte...
