Es verging einige Zeit während sie weiter durch den Wald liefen, sie noch einige Male schoss und er noch einige Male einsammelte. Dann machten sie sich auch schon auf den Weg zurück zum Haus, um dort das Abendessen vorzubereiten.
"Wann gedenkt ihr mich zurück in mein Reich zu bringen?"
"Wann immer es dir beliebt. Doch nicht vor Übermorgen, wenn die Sonne aufgeht. Dieses Fest, dass ansteht ist unserem Volk und auch mir besonders wichtig, für unsere Ernte. Es wäre eine Beleidigung an unsere Götter, wenn ich in dieser Zeit abwesend wäre".
Sie nickte verständnisvoll.
"Ich würde auch nicht wollen, dass ihr wegen mir nicht auf dem Fest anwesend sein könntet. Ich würde dieses Fest auch sehr gerne miterleben und eure Feste und Traditionen kennen lernen".
Sie lächelte etwas und beide kamen beim Haus an.
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Zuhause angekommen hing er den größeren Vogel an einen Balken und nahm sich ein Messer, womit er anfing das Gefieder raus zu rupfen.
"Wenn du willst, kannst du schon das Feuer machen"
Sie sah kurz zu dem Vogel, welchen er bearbeitete und hörte dann seine Worte. Diese brachten sie etwas in Verlegenheit.
"Wie...wie macht man ein Feuer...?"
Immerhin musste sie sowas im Schloss nie machen und niemand hatte es ihr auch jemals gezeigt.
Er selbst hatte vergessen, dass sie das wohl nie gemacht hatte.
"Komm mit"
Er steckte das Messer in seine Hose und lieg dann zu einem Lagerfeuerplatz, welcher sich im Haus befand. Er war ziemlich speziell für die damalige Zeit und glich beinahe schon einem Ofen.
"Diese zwei Steine"
Er nahm sich zwei Feuersteine und zeigte es ihr dann auch.
"Du schlägst sie so lange auf einander und das Nahe am Heu unter dem Holz, bis sie beginnen zu funken und es anzünden".
Sie nickte und hörte ihm zu, aber machte nicht, dass er die Arbeit schon erledigt hatte und das Heu Feuer fing.
"Habt ihr denn niemanden, der diese ganze Arbeit für euch erledigt?"
"Nein. Ich lebe alleine und ich bin selbstständig. Ich brauche niemanden, der mir nach dackelt, wie ein Hund".
Er meinte es aber nicht abschätzig.
"Ich meine, ich mag es Dinge selbst in die Hand zu nehmen".
"Und ihr habt keine anderen wichtigeren Dinge zu organisieren? Mein Vater hätte nie ausreichend Zeit, um alles selber zu machen. Er muss sich eben um die wirklich wichtigen Dinge kümmern".
"Reisen in andere Länder, Kriege vorbereiten und ansonsten nur, wenn etwas ansteht oder jemand ein Anliegen hat".
Er pustete kurz um das Feuer zu vergrößern und stand dann aus seiner Hocke wieder auf.
Sie stand dann auch wieder auf und sah zu dem Feuer. So schnell hatte er das Feuer gemacht und es sah auch wirklich gut aus.
"Und was habt ihr jetzt vor zu tun?"
"Den Vogel essfertig machen"
Damit nahm er dann auch wieder das Messer aus seiner Hose und rupfte die letzten Feder, bevor er ihn dann auf einem Metallstab aufspießte und übers Feuer hängte.
"Ich habe im Schuppen noch Äpfel, Birnen und andere Früchte. Würdest du sie holen? Auch etwas Brot wäre nicht schlecht".
Seine Hände putzte er während des Sprechens mit einem Tuch ab und sah sie fragend an. Das Essen würde nur mit dem Fleisch beiden ja nicht reichen.
Sie war es nicht gewohnt, von jemandem um solche Sachen gebeten zu werden, jedoch sagte sie nichts, sondern nickte. Sie drehte sich dann um und ging dorthin, um dann das zu holen, worum er sie gebeten hatte.
Als wieder da war, nahm er den Korb mit dem Essen, bedankte sich und zog dann einen Holzstuhl für sie zurück und deutete, dass sie sich darauf hin setzen sollte.
Sie lächelte etwas, und setzte sich dann auch hin.
"Also habt ihr keinen Speisesaal? Und esst ihr immer alleine?"
"Alleine oder bei den anderen in dem Haus, wo wir zuvor waren".
Schließlich hatte er nicht so wie sie ein eigenes Schloss mit unzählbar vielen Zimmern.
"Also habt ihr keinen anderen Ort wie einen Palast, so wie wir?"
Fragte sie interessiert nach. Es war eigenartig für sie und neu, aber nicht im schlechten Sinne gemeint.
"Nein, sowas haben wir hier nicht".
Er zuckte mit den Schultern, um zu verdeutlichen, dass es ihm egal ist. Er setzte sich dann ihr gegenüber hin, um mit dem Essen anzufangen.
"Ahm okay... und wo ist das Besteck? Ich sehe hier nur Messer. Soll ich die Gabeln holen?"
Immerhin lag am Tisch keines, sondern eben nur diese zwei Messer, um vermutlich das Fleisch durchzuschneiden. Sie konnte jedoch nicht wissen, dass die Wikinger nur selten Besteck benützten, sondern meist so wie Ivar mit den Händen aßen.
"Ich besitze keine Gabeln. So viel Besteck wie ihr nutzt, haben wie nicht. Die meisten sehen sowas als Unnütz".
"Und womit soll ich dann das Essen essen?"
Sie verstand überhaupt nicht, wie man so etwas als unnötig ansehen könnte. In ihrem Land benutzten sie es doch schon einige Male am Tag.
Er hob seine Hand während er von dem Brot ab iss und wackelte mit seinen Finger, um es zu verdeutlichen.
"Wir haben Löffel, Messer auch Gabeln, aber davon gerade nichts im Haus, da ich sonst immer so essen, wie die meisten hier".
Gut, sie hatten Besteck, aber er selbst sah den Nutzen davon nicht und zusätzlich war es auch noch eine Geldverschwendung, wenn es doch auch ohne ging.
"Ich kann doch so nicht essen, das gehört sich nicht".
Sie war gerade etwas damit überfordert, weswegen sie auch nichts aß. Man hatte ihr strikt beigebracht, dass das Essen nicht mit den Händen zu berühren ist, sondern lediglich mit dem Besteck und ihrem Mund.
Ivar seufzte und sah sie mit einem undefinierbaren Blick an.
"In deinem Land, meine Liebe. Du kannst tun und lassen, was du willst hier. Selbst alleine raus gehen oder von mir aus, die anspucken, die dir nachpfeifen. Es ist nicht schlimmes dabei, so zu essen".
Während er sprach, brach er sich einen Flügel von dem Vogel und biss in diesen.
"Sonst wartest du bis morgen. In Uppsala hat mit Sicherheit Gabeln für dich im Treffhaus. Oder du gehst kurz ins Dorf und holst dir eine".
Es brauchte einen Moment, aber sie überwand sich und nahm dann ein Fleischstück vorsichtig mit ihren drei Fingern und biss genauso dann auch hinein. So zu Essen war tatsächlich nicht so eigenartig, wie sie es ich erwartet hatte und deshalb aß sie dann auch einfach weiter.
Er musste lächeln, da sie es doch tat. Ihm kamen viele Dinge in den Sinn, die sie tun könnte, nur um etwas Freiheit zu haben, was sie dort niemals hätte. Hier kann sie für ein paar Tage wirklich das tun, was auch immer sie wollte. Das sollte nicht vergeudet werden.
"Wisst ihr, wir sind nicht lange hier, also sagt mir, was wolltet ihr schon immer tun, aber durftet es nie?"
Sie lächelte und sah zu ihm rauf. Wirklich lange musste sie da nicht nachdenken.
"Ich durfte nie raus ins Dorf und ich durfte nie sehen, wie die Leute wirklich leben. Und kann man wirklich selbst entscheiden, wenn man heiraten will?"
"Ja, das kann man wirklich selbst entscheiden. In Ausnahmefällen wird das bestimmt, aber das kommt eher selten vor".
Er aß weiter, während er es ihr erklärte.
"Und wann wird es bestimmt?"
Sie war neugierig und sie wollte auch noch mehr wissen über deren Lebensweise, Bräuche und Traditionen.
"Wenn eine Familie in Armut versinkt, bieten die Väter ihre Töchter an, um der Familie und der Tochter ein besseres Leben zu gewähren. Es ist meistens nicht einmal gezwungen, da die Tochter selbst zustimmt, da sie weiß, wofür es getan wird".
Erklärte er weiter und seufzte.
"Oder der König bestimmt es"
"Ich verstehe".
Sie nickte leicht.
"Hat es euch eigentlich sehr verwundert, als ihr in unser Land gekommen seid? Also die ganzen Unterschiede?"
Er atmete leicht ein, was hörbar war.
"Es gab viele Gerüchte und vor euch war ich bereits in einem Land gewesen, was eurem ähnlich war. Nur gegen dieses haben wir Krieg geführt und sind reich an Schätzen wieder nachhause gekehrt. Wäre mein Boot nicht verunglückt..."
Er sah da kurz auf seinen Teller.
"..Hätten wir euch vermutlich ausspioniert und mit mehr Männern angegriffen, aber dann hätte ich euch nicht kennen gelernt".
"Es mag vielleicht egoistisch klingen, aber ich freue mich, dass ihr in unserem Reich gelandet sein und dass wir uns kennen gelernt haben, auch wenn ich keinem so ein Unglück wünsche".
"Ich habe es überlebt".
Er schob den Teller zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust. Er wollte noch etwas sagen, aber da platze ein Mann ins Haus, welcher sich zusätzlich auch noch den Kopf stieß, da er die Größe einer Tür hatte.
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I will always be yours - Through Walhalla and Hell
Teen FictionWas passiert wenn plötzlich zwei vollkommen fremde Welten auf einander prallen? Etwas, was nie hätte passieren dürfen, geschieht und doch entsteht dabei eine herzzerreißende und unvergessliche Liebesgeschichte. Er, einer der wichtigste Personen unte...
