Jungkook POV
Mit einem Seufzen lasse ich mich auf den Rücksitz, hinter dem Fahrersitz, fallen. Was für ein Scheißtag, denke ich mir. Nicht, dass ich nicht schon genug gestresst wäre, wegen der Prüfung morgen, nein. Taehyung hat mich den ganzen Morgen nicht eines Blickes gewürdigt, während Yoongi uns mit strengem Blick im Auge behalten hat. Dann noch die Situation mit Minhyuk vorhin. Normalerweise hätte ich niemals direkt zugeschlagen. Doch den dummen Spruch hätte er sich auch sparen können.
Kurz nachdem ich ins Auto gestiegen bin, geht auch die Beifahrertür auf und Taehyung steigt ein. Man hört noch, wie die Autotür wieder zuschlägt und dann herrscht Stille. Unangenehme Stille. Vor noch nicht mal einem Tag, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich mich in seiner Nähe so unwohl fühlen kann. Doch in diesem Moment tue ich es.
„Wieso hast du das getan?," fragt Taehyung schließlich in die Stille hinein. Er hat sich auf dem Sitz so gedreht, dass er zu mir nach hinten schauen kann.
Ich schnaube auf seine Frage hin nur und schaue aus dem Fenster. Auf Reden habe ich im Moment so gar keine Lust, schon gar nicht mit Taehyung. Er kann mich doch so gut ignorieren, soll er es doch einfach weiter tun.
„Im Ernst, Jungkook," redet Taehyung jedoch einfach weiter. „Mit solchen Aktionen kannst du dir echt die Zukunft verbauen."
„Ich will jetzt echt nicht reden, Taehyung," murmle ich und schaue weiterhin aus dem Fenster, auf den Parkplatz. Den Eingang im Blick, in der Hoffnung Yoongi würde endlich kommen, damit wir nach Hause können.
„Aber Jungkook ...," ignoriert er meine Worte einfach und will weiterreden.
„Man, lass es Taehyung."
„Ich ..."
„Nein, verdammt! Wir haben gestern noch rumgemacht, also hör auf mich jetzt erziehen zu wollen," explodiere ich schon fast und anschließend bleibt es tatsächlich ruhig.
Mit einem Seufzen verschränke ich die Arme und lehne meinen Kopf an die Fensterscheibe. Es tut mir leid, denke ich mir, denn das tut es wirklich. Ich weiß, dass Taehyung es eigentlich nur gut meint, aber ich muss meine Gefühle erstmal irgendwie sortiert kriegen, bevor ich mit ihm rede.
Nach einer Weile bemerke ich, wie Yoongi schließlich aus dem Gebäude gelaufen kommt. Eigentlich wirkt es, als hätte er tatsächlich sogar recht gut Laune, doch als sein Blick das Auto streift, verfinstert er sich wieder.
Yoongi steigt ins Auto ein und wenn die Stimmung gerade schon unangenehm war, ist sie jetzt wohl eisig. Stumm startet Yoongi Hyung den Wagen und wir fahren los. Weit ist die Strecke nicht, also wird es auch nicht lange dauern, bis ich aus dieser Situation erlöst bin. Doch anscheinend hat mein Hyung natürlich auch eine Meinung zu dem Thema, die er unbedingt mit mir teilen möchte.
„Ich kanns echt nicht fassen, Jungkook. Du hast dich immer so vorbildlich benommen. Was ist passiert, dass du jetzt auf einmal das Gefühl hast, rebellieren zu müssen?"
„Rebellieren?," frage ich angesäuert. „Ich hab einmal einen Kerl geschlagen, deshalb rebelliere ich doch nicht gleich. Das klingt, als würde ich versuchen einen Krieg anzuzetteln."
„Ich rede hier nicht nur davon, dass du jemanden geschlagen hast, dass weißt du ganz genau," erwidert Yoongi sauer, während er in unsere Straße einbiegt. Gott sei Dank, wir sind gleich da. Nur hält das Yoongi nicht davon ab weiter zu reden.
„Wobei es mich schon interessieren würde, was dich dazu bringt einen anderen Menschen zu schlagen. Ich dachte immer, du wärst besser als das. Das du zu den Menschen gehörst, die es besser wissen."
„Minhyuk hat Junha einfach an den Hintern gepackt, ok? Als sie meinte, er solle seine Griffel bei sich behalten, hat er gesagt, dass man bei billigem, frischem Obst doch zugreifen müsste. Da hab ich ihm halte eine verpasst! Na und? Er hats verdient und das weiß er auch. Also lasst mich einfach in Frieden, ja?," schreie ich Yoongi und Taehyung entgegen und springe aus dem Auto, da wir zum Glück auch schon vor unserem Haus gehalten haben. Die beiden ignorierend stürme ich ins Haus, die Treppe hinauf, in mein Zimmer.
Ich sitze auf meinem Bett und starre auf mein Handy, auf welchem mir die letzte Nachricht von Junha entgegen leuchtet.
Danke für vorhin, Kookie. Ich wäre zwar auch allein klargekommen, ohne, dass du den Idioten direkt umnietest, aber danke. Hoffentlich hast du deshalb nicht zu viel Ärger bekommen.
Zumindest nicht von meinen Eltern, denke ich mir. Eomma ist direkt nach der Arbeit zu mir gekommen, hat sich zu mir aufs Bett gesetzt und sich ganz ruhig mit mir unterhalten. Sie meinte zwar, dass Gewalt keine Lösung wäre, doch hat mir anschließend ein ‚gut gemacht' zugeflüstert. Außerdem meinte sie, dass sie später mit Appa reden würde, aber er würde mir wohl nicht böse sein. Zumindest geht Eomma davon aus.
Es klopft an meine Tür und somit werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich sperre mein Handy, Junha kann ich auch in ein paar Minuten antworten.
„Komm rein," rufe ich, denn ich kann mir schon denken, wer da vor meiner Tür steht. Als Yoongi schließlich mein Zimmer betritt, bin ich also nicht sonderlich überrascht.
„Können wir reden?," fragt er und klingt dabei beinah kleinlaut.
„Wenn du mir nicht wieder erzählen willst, was ich alles falsch mache," erwidere ich. Und ja, vielleicht will ich ihn auch ein wenig Piesacken. Hat er auch verdient, denke ich mir beleidigt.
Yoongi schließt die Tür hinter sich, kommt zu mir und lässt sich neben mich aufs Bett fallen.
„Es tut mir leid," seufzt Yoongi ehrlich, während er an die Decke starrt. „Wirklich, ich war dir gegenüber nicht fair."
„Das warst du wirklich nicht," murmle ich und lege mich, neben ihn, ebenfalls auf den Rücken.
„Ich weiß, dass du kein schlechter Mensch bist und niemanden ohne Grund schlagen würdest, auch wenn es deshalb noch lange nicht der richtige Weg ist. Aber ich hoffe du weißt, dass ich mir eigentlich nur das Beste für dich wünsche."
Ich schweige einen Moment, ehe ich mich dazu aufraffe zu antworten: „Was ist, wenn dieses Beste Taehyung ist. Wäre das wirklich so schlimm für dich?"
Nun ist es Yoongi, der einen Moment lang schweigt. Schließlich dreht er seinen Kopf zu mir und erwidert: „Nein, eigentlich nicht. Natürlich wäre es ein bisschen komisch, weil er immer noch mein bester Freund ist und du mein kleiner Bruder, aber deshalb bin ich nicht so sauer geworden. Taehyung ist ... nicht einfach, was Beziehungen angeht. Das letzte Mal hatte er vor knapp fünfzehn Jahren eine Beziehung mit einem anderen Mann. Die Reaktion unserer Freunde darauf war nicht unbedingt ... positiv. Es ist nicht so, als hätte irgendjemand angefangen Taehyung zu mobben, aber sie haben sich ihm gegenüber schon anders verhalten. Als sein Freund dann auch noch gesagt hat, dass es ihm peinlich wäre sich zu outen und er lieber noch eine Freundin zur Tarnung hätte, hat das Tae nochmal wahnsinnig zugesetzt. Die Beziehung der Beiden ist dann auch ziemlich bald in die Brüche gegangen. Der Kerl hat Tae eigentlich echt nicht gut getan, aber er hat ihn eben wirklich geliebt. Seitdem hatte Tae maximal One Night Stands mit Männern und hat angefangen Frauen zu daten. Bis heute behauptet er, bi zu sein, dabei wissen wir beide es besser. Was ich damit sagen will: Tae hat schon lange keine Beziehung mit Männern mehr und ich will einfach nicht, dass du verletzt wirst."
Erstaunt betrachte ich Yoongi einige Augenblicke, ehe ich mich schließlich zu ihm drehe und an ihn kuschle. Das waren echt viele Informationen, dass muss ich erstmal verarbeiten.
Stumm streicht Yoongi mir über den Kopf, während ich in Gedanken nochmal durchgehe, was Yoongi mir gerade erzählt hat.
„Was ist, wenn ich der Richtig für ihn bin?," frage ich schließlich irgendwann.
„Dann würde ich mich für euch beide freuen. Aber ich kenne Tae nun mal. Und dann kommt noch der Altersunterschied dazu, was das Ganze nicht einfacher macht. Aber letzten Endes musst du wissen, was du tun willst. Für mich bist du irgendwie immer noch der kleine Kookie, auf den man aufpassen muss. Wie es aussieht, sollte ich lernen, dich eigene Entscheidungen treffen zu lassen und dann einfach als großer Bruder für dich da sein, wenn du mal auf die Nase fällst."
Bei seinen Worten muss ich ein wenig schmunzeln. „Ich weiß doch, dass es für dich nicht einfach ist, so zwischen den Stühlen zu stehen. Außerdem hab ich nichts dagegen, wenn du auch mal Bedenken äußerst. Ich freue mich doch, dass du dich immer noch so um mich sorgst. Aber bitte sei nicht mehr sauer, wenn ich eine Entscheidung treffe, von der du nicht ganz so begeistert bist."
„Versprochen."
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Does age matter? (BTS, Vkook, FF)
FanfictionDas Pärchen einen gewissen Altersunterschied haben, ist eigentlich nichts unübliches. Doch ab einem gewissen Unterschied fragen sich dann doch viele: Und das soll gut gehen? Aber nicht nur Außenstehende haben ihre Zweifel, ob so eine Beziehung gut...
