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Mila

»Was ist los?«, fragte ich ihn, während wir den Gang entlang liefen.
»Wegen der Arbeit und den Schichten-«, fing er an, aber ich unterbrach ihn unfreundlicherweise, was natürlich in der Regel nicht meine Art war, und blieb kurz im Flur stehen, was er mir dann gleich tat.
»Wegen der Arbeit hältst du mich also auf, ja?«, fragte ich ihn ungläubig und hob meine Augenbrauen dabei in die Höhe.
»Ich halte dich also auf?«, fragte er mich, während auch er nun seine Augenbrauen anhob.
»Nein, natürlich nicht. Sag, was du sagen wolltest.. Entschuldigung.«, sagte ich und wir liefen dann den Flur weiter, ehe wir dann die Uni verließen, und nun draußen vor dem Gebäude stehen blieben, und uns anblickten.
»Ich wollte eigentlich nur kurz sagen, dass... Weißt du, ich komm direkt auf den Punkt. Eigentlich, der Kuss gestern.. Können wir den bitte vergessen? Ich mag dich als Person, aber mehr nicht, okay? Ich möchte dir keine Hoffnungen machen oder dich verletzen.«, sagte er dann sofort und fuhr sich vorsichtig durch seine Haare, die perfekt gestylt waren.

Ich schluckte kurz seine Worte herunter, da es nicht das war, was ich aus seinem Mund hören wollte. Ich wollte Sachen hören wie ‚Der Kuss war schön' ‚Ich will mehr' ‚Ich mag dich mehr als nur als Freundin und Arbeitskollegin'.
»Alles gut, Jake. Es ist schon vergessen. Es war ziemlich dumm von mir, keine Ahnung was da in meinem Kopf abgegangen ist, dass ich dich geküsst hab.«, sagte ich achselzuckend und schaute mich kurz auf dem Hof herum. Natürlich war das komplett gelogen.
»Sehr gut, dann hätten wir das ja geklärt.«, sagte er und als ich ihn anblickte, hatte er ein leichtes Grinsen auf den Lippen.
»Alles gut hier?«, kam Ian plötzlich dazwischen, weshalb ich kurz meine Augenbrauen zusammenzog.
»Was geht es dich an?«, fragte ich ihn und verschränkte die Arme vor Brust.
»Natürlich ist alles gut, Bro.«, sagte Jake grinsend und schlug kurz mit Ian ein. Die beiden waren schon damals ziemlich gute Freunde, und wie man sah, war es bisher immer noch so. Dann kam auch plötzlich Adam um die Ecke und schlug dann ebenfalls mit beiden ein, und das war nur der Zeitpunkt für mich, um die Fliege zu machen.
»Dann lasse ich euch mal alleine.«, sagte ich und wollte schnell gehen, doch die Jungs hielten mich davon ab.
»Kommst du nicht mit zur Bar? Emma wird jeden Moment auch kommen.«, sagte Adam und alle blickten mich an. Ich zögerte erst ziemlich lange, ehe ich mich dann geschlagen gab, und mit einem Nicken zustimmte. Schließlich hatte ich ja nichts besseres zu tun, und ob Ian und Jake dabei waren oder nicht, ich versuchte die beiden einfach ein wenig auszublenden, vor allem Ian, und wenn es nicht klappen sollte, kann ich ja immer noch die Fliege machen.
»Na gut.«, murmelte ich dann und fuhr mir durch meine gelockten Haare, und schon stieß auch Emma dazu.

Wir liefen dann alle gemeinsam zu Fuß zur Bar, da diese nicht weit von der Uni entfernt war, und direkt in der Altstadt. Ian drückte die Türe der Bar auf und brüllte sofort durch die halbvolle Bar: »Francesco!«, lachend kam der Besitzer dann heraus und sie umarmten sich beide herzhaft, und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
»Mila«, sagte Francesco und kam auch auf mich zu, wobei er meine Hand nahm und diese kurz küsste. Ich musste leicht grinsen und blickte ihn an.
»Freut mich dich zu sehen!«, sagte er mit seinem italienischen Akzent und wedelte dabei wie wild mit den Armen herum.
»Freut mich auch dich zu sehen, Francesco.«, sagte ich lächelnd, und anschließend begrüßte er dann auch die anderen.

Damals, als Ian und ich noch ein Paar waren, waren wir hier öfter bei Francesco am Wochenende, ob es mit Freunden war oder alleine, es hatte immer Spaß gemacht, und mit Ian habe ich mich immer lebendig gefühlt. Ian war ein sehr offener und lustiger Mensch, er kannte gefühlt jeden in der Stadt, aber als die meisten dann herausgefunden haben, was er hinter meinem Rücken getan hatte, standen viele auf meiner Seite. Für mich gab es keine Seite, und ich wollte auch nicht, dass irgendjemand gegen ihn war, oder mich bemitleidete. Eigentlich kann ich nur froh darüber sein, dass ich ihn los bin, auch wenn ich ihn echt geliebt hatte, aber wer einmal betrügt und belügt, tut es immer wieder, und das was er getan hatte, war nie wieder gutzumachen.

Wir setzten uns auf einen Barhocker und bestellten uns, bevor wir überhaupt Alkohol tranken, alle vorher ein Stück Pizza. Francesco verkaufte hier nämlich immer nur ein Stück Pizza auf der Pappe, und es war die beste Pizza in ganz New York. Wenn ich Pizza bestellte, dann immer nur bei Francesco.

Genüsslich aßen wir alle unsere Pizza, und ich war froh darüber, dass keiner der Männer neben mir saß. Ich hatte mich mit Absicht ganz am Anfang der Reihe gesetzt, Emma direkt rechts neben mir, und so hatte ich erstmal meine Ruhe. Ich blickte zu Emma, wobei Adam seinen Arm um ihre Hüfte legte, während er seine Pizza aß. Die beiden waren schon ziemlich süß, denn sie waren kein Paar, aber sie hatten beide was am laufen, und ich war mir so sicher, dass sie noch zusammenkommen werden.

»Also, wer spielt mit mir eine Runde Billiard?«, rief Ian, woraufhin ich meine Augen rollte, nur weil ich seine Stimme hörte.

»Me, my boy.«, rief Adam, als er sein Stück aufgegessen hatte, und dann zu Ian an den Billiardtisch lief.
»Dass du mitgekommen bist, das wundert mich..«, flüsterte mir Emma schließlich zu, als wir fast alleine saßen, denn Jake saß noch am Ende der Reihe, aß aber noch genüsslich seine Pizza wie ich es beobachtet hatte.
»Ja, ich weiß auch nicht was ich mir dabei gedacht habe.«, sagte ich leise.
»Francesco, überraschen sie uns mit ein paar leckeren Drinks!«, rief Emma grinsend, und sofort machte Francesco sich an die Drinks.
»Ein bisschen Alkohol und schon denkst du da gar nicht dran.«, sagte Emma grinsend und stupste mich mit ihrem Oberarm an.

Francesco schob uns einige Drinks rüber, die wir dann sofort gemeinsam wegexten. Ich verzog angewidert das Gesicht und bekam überall Gänsehaut. Ich schüttete mir aber noch etwas in mein Glas und exte es ebenfalls weg.
»Sauft ihr etwa ohne uns?«, ertönte aufeinmal die Stimme von Ian dicht hinter mir und seine Hand platzierte er kurzzeitig an meine Hüfte.
»Fass mich nicht an.«, knurrte ich ihn bedrohlich an und sofort hob er seine Hände unschuldig in Luft.
»War nicht mir Absicht.«, sagte er sofort und ich rutschte daraufhin von meinem Barhocker runter, antwortete ihm einfach nicht, um keine schlechte Stimmung auszulösen. Er hätte mich bewusst und mit Absicht berührt. Er wusste ganz genau was er tut und wie er es tut.
»Mistkerl.«, murmelte ich mir leise selber zu, damit ich mich ein wenig besser fühlte.

Ich merkte jetzt schon, wie der starke Alkohol schon in mir wirkte, weshalb sich alles begann, ein wenig zu drehen.

Ich setzte mich deshalb auf den anderen Platz neben Emma, damit Ian nicht unmittelbar direkt neben mir stand, und mir auf den Sack ging. Ich griff nach meinem Glas und schüttete mir erneut etwas ein. Ich nahm einige Schlücke davon, aber exte es diesmal nicht weg. Dann blickte ich zu Jake, der jetzt nicht mehr so weit von mir entfernt saß. Er nippte vorsichtig an seinem Glas, welches er sich gerade geholt hatte. Aber ehe ich mich mit ihm unterhalten konnte, erschien Jake plötzlich bei ihm, als ob er mich verfolgte. Der Mistkerl war auch echt überall.

Dann blickte Ian auf einmal zu mir, während er sich mit Jake unterhielt, und nahm seinen Blick nicht von mir.

Er nahm seinen Blick nicht mehr von mir, weshalb ich ihn fragend anblickte.

»Was hast du für ein scheiß Problem?«, fragte ich ihn etwas lauter und direkt, weshalb Jake sich nun auch zu mir gedreht hatte, wobei er mitten in seinem Satz aufhörte zu erzählen, da er im Endeffekt genau mittendrin war.
»Komm mal runter-«, fing er an aber ich unterbrach ihn sofort.
»Ich komme nicht runter! Schau mich einfach nicht an, fass mich nicht an und am besten rede erst gar nicht mit mir! Dann gibt es auch keinen Stress.«, zischte ich ihn an und rutschte vom Hocker runter.
»Mila..«, flüsterte Emma hinter mir und packte mir sanft an die Schulter. Ich schüttelte ihre Hand aber weg und kam Ian näher, aber dennoch war Jake immer noch dazwischen. Vom Augenwinkel konnte ich sehen, wie Jake mich anblickte, aber ich konzentrierte mich auf Ian.
»Können wir das in Ruhe klären?«, fragte Ian und sah mir tief in die Augen.
»Ein scheiß können wir!«, zischte ich ihn wütend an.
»Ich haue jetzt ab, wird mir alles zu dumm hier.«, fügte ich noch schnell hinzu, lallte dabei etwas und lief zur Garderobe, wo ich nach meiner Jacke griff, und mir diese anzog. Schnell verließ ich die Bar und atmete die frische Luft ein.

»Mila, warte. Ich bringe dich.«, rief Jake, als er plötzlich hinter mir erschien, und sich dabei seine Lederjacke drüberzog.

Cold Heart Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt