Stille fühlen

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Es war Dienstag.
Und ich musste zur Schule.
Das wusste ich. Alles andere ging an mir vorbei.
Die Gefühle waren wieder da, und ich wollte sie ausblenden. Als ich dann merkte, dass das nicht klappte, versuchte ich damit klar zu kommen, und einfach alle zu ignorieren.
Meine Eltern brauchte ich nicht zu ignorieren, da sie bereits bei der Arbeit waren.
Mein kleiner Bruder war bereits in der Schule, blieb nur noch Vanessa.
Sie kam grade aus dem Badezimmer, und wollte schon zu einem schnippischen Kommentar ansetzen, als ich einfach an ihr vorbeiging, und die Tür vor ihr zuknallte.
Ich ließ mir Zeit.
Zu viel Zeit, denn als ich aus dem Bad kam, hatte ich nur noch 10 Minuten.
Ich zog mir irgendetwas an, und rannte die Stufen runter.
Einzig bewusst, zog ich mir meinen Packer an.
Den Schutz den er mir bot, würde mir heute dabei helfen, jegliche Gefühle auszublenden.
Als ich aus dem Haus stürmte, war mir irgendwie schon klar, das dieser Tag, ein ganz schlimmer Tag werden würde.
So kam ich also schnaufend in der Schule an.
Ich war froh, dass ich in der ersten Stunde noch nicht Jared gegenübertreten musste.
Ich hatte nämlich Musik.
Ich hasste das Fach, da es mich dazu zwang, meine Stimme zu zeigen, auch wenn ich das nie tat.
Mrs. Weather musterte mich nur komisch, als ich den Raum betrat, und mich schweigend auf meinen Platz setzte.
Ich hoffte das Jared nicht in der Schule war, denn die Aktion von gestern, konnte ich echt gerne vergessen.
Nur irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde er es nicht so zügig vergessen.

Das Ende der Stunde, angekündigt durch die Glocke, bedeutete den Anfang der Pause.
Dort war die Chance auf Jared zu treffen ziemlich groß.
Um allem aus dem Weg zu gehen, bewegte ich mich nach Draußen.
Ich setzte mich auf eine Bank, und war froh, ihm nicht über den Weg gelaufen zu sein. Allerdings sah ich Paul ziemlich schnell auf mich zugehen, und ich hatte das Gefühl, als würde er dringend mit mir reden wollen.
„Wir müssen reden", sagte er direkt.
„Wusstest du, das 90% der Menschen Angst bekommen, bei dem Satz ‚wir müssen reden'?" erwiderte ich jede glich, um meine Nervosität zu überspielen.
„Das solltest du vielleicht auch."
Ich schluckte.
Was zur Hölle wollte er mit mir besprechen!
„Paul?", fragte ich vorsichtig, da er begann zu zittern, und ich mir Sorgen machte.
„Tut mir leid. Warte kurz", sagte er und atmete tief ein und aus. Mir wurde etwas schummrig, und ich hatte Angst davor, was Paul von mir wollte. Danach setzte er an, etwas zu sagen, als er jedoch unterbrochen wurde.
„Kim, wir müssen reden." Es war Jareds Stimme.
Sofort wurde Pauls Miene wieder normal, als hätte er mich zufällig getroffen.
„Wusstest du, das 90% der Menschen Angst bekommen, bei dem Satz ‚wir müssen reden'?",
laberte er nun meinen Satz von gradeebend nach, und riskierte einen Blick in meine Richtung.
„Woher weißt du so was bitte?", fragte Jared misstrauisch nach.
„Ich lasse euch zwei dann mal alleine." Mit diesen Worten verschwand Paul.
„Was wollte er von dir?", wollte Jared wissen.
Ich zuckte mit den Schultern.
„Er wollte grade reden, da kamst du."
Das war das einzige, was ich jetzt sagen konnte.
Dann blickte ich auf meine Hände.
„Kim", sagte er. Sein Gesicht bekam einen schmerzvollen Ausdruck. Doch ich reagierte nicht.
„Es tut mir leid."
Was?
Warum!
Warum zur Hölle, tat es ihm jetzt leid, was gestern geschah!
Ich bin diejenige der es leid tut beziehungsweise tun musste.
Ich bin die, die alles versaut.

Was sollte ihm leid tun? Wofür sollte er sich schuldig fühlen müssen?
„Was?", fragte ich deshalb härter nach, als gewollt.
Er musste sich erst einmal kurz fangen, wie es mir schien, eher er mir zögernd antwortete.
„I..", er wurde von der Klingel unterbrochen.
Ich machte Anstalten, aufzustehen, doch er sagte:
„Nein Kim. Bitte. Ich muss dir das jetzt sagen."
„Okay", sagte ich nur, und war gespannt auf seine Worte.
Doch das was nun kam, war nicht das gewesen, womit ich gerechnet hatte.
„Es tut mir leid, das ich dich anscheinend bedrängt habe. Ich dachte du würdest mich vielleicht auch mögen, doch so scheint es nicht zu sein. Also werde ich versuchen dich von nun an in Ruhe zu lassen. Es tut mir wirklich leid."
Was!
Nein!!
Ich mochte ihn doch! Sah er das denn nicht?
Was war ich für ein schlechter Mensch, das er sich unnötig Vorwürfe wegen mir machte?

An meinen Zweifeln war er doch icht Schuld! Das war mein Problem.

Wieder wurde mir schummrig zumute.
„Kim?" Ich versuchte die Stimme auszublenden. Ich musste erst mal verdauen, was Jared mir grade gesagt hatte.
„Kim?", wurde trotzdem weiter gefragt.
„Was ist denn los mit dir?" Jetzt reicht's!
„Was los mit mit ist? Was interessiert's dich?", wollte ich von einem nun ziemlich geschockten Paul wissen. Sein Kiefer klappte auf, und seine Augen weiteten sich.
Ich war nicht minder geschockt, da ich nicht mit Paul gerechnet hatte, und Jared plötzlich einfach verschwunden war.
„Nun ja", setzte Paul an, und schien sich langsam wieder zu fassen.
„Wenn du wie ein Zombie einfach in die Luft starrst, mache ich mir halt Sorgen um dich", erklärte er.
„Hä?", machte ich bloß, da ich keinen Plan hatte, was er meinte.
„Kim?"
„Was denn?"
„Weißt du das denn wirklich nicht?", fragte er wieder, und beugte sich langsam, mit besorgter Miene zu mir vor. Denn mittlerweile, war er in die Hocke gegangen.
„Nein, was denn!" Meine Verwirrung wuchs immer weiter.
„Grade als ich mich beruhigt hatte, starrtest du einfach in die Luft, und hast nicht auf mich reagiert. Du sahst aus, als wärst du auf irgend na Droge, oder so", erzählte er mir, doch ich hatte keinerlei Erinnerung an diese Szene.
Es war doch ganz anders gewesen!
„Vielleicht sollten wir langsam zum Unterricht, es klingelt gleich", fragte er.
„A... Aber es hat doch schon geklingelt!", rief ich verzweifelt aus.
Pauls Miene wurde immer intensiver.
Es spiegelte sich eine Mischung aus Sorge, Angst, Verwirrung und Unglauben wieder.
„Bist du sicher, das es dir gut geht?"
„Ja! Nein! Keine Ahnung!", wurde ich immer lauter, und die Glocke läutete.
Das ergab alles keinen Sinn!
Wurde ich verrückt?
„Wo ist Jared?", wollte ich von ihm wissen.
„Der", begann Paul zögernd, „ist Heute nicht zur Schule gegangen."
„Warum nicht?", wollte ich nun wissen.
„Das", begann er wieder zögernd, „darf ich dir nicht sagen."
„Paul!", rief ich aus.
„Man is ja gut! Als du noch nicht geredet hast, hast du mir besser gefallen."
Mit meinem Blick gab ich ihm zu verstehen, das ich gefragtes von ihm wissen wollte.
„Okay, okay, okay! Er... nun ja.... Er... Oha! Ich will da nicht mit reingezogen werden!", stotterte er verzweifelt.
„Wo hinein?", fragte ich ihn.
Ich glaube, das Jared und ich dringend reden mussten, weil ich wusste, das er der einzige Mensch war, der mir zuhören würde. Auch wenn es mir noch schwer fiel, dies zu akzeptieren.
„Soll ich dich zu ihm bringen?", fragte er lieber.
Plötzlich begann ich anzuzweifeln, ob er mir zuhören würde. Ob er nach gestern überhaupt mit mir reden wollen würde. Ich war doof gewesen. Doch was auch immer das grade war, es hatte mit Jared zu tun. Und ich wusste, das er sich um mich sorgte. Das er mich warum auch immer beachtete, mich wahrnahm. Ich wusste nicht warum, aber das war jetzt grade unwichtig.

Zum ersten mal, gestand ich mir ein, das er für mich da war.
„Ja", antwortete ich entschlossen. Paul schien das etwas zu verblüffen.
„Na dann los!", sagte er, und lief vor.
„Wohin?", fragte ich ihn.
„Na du bist mir ja Eine! Zu Charming natürlich!", sagte er wie selbstverständlich.
„A..Aber die S...Sch", stotterte ich drauf los.
„A...Aaaber die Schule!", äffte er mich nach.
„Ich hab eh kein Bock, und ihr beide müsst dringend miteinander reden. Also beweg dich Dornröschen", forderte er mich auf.

„Ich dachte, du würdest mich nach der Schule zu ihm bringen?"

Er ah mich an, und ich sah ihn an.

„Nope."
Ich hatte noch nie geschwänzt! Aber schließlich – redete ich mir ein – gab es für alles ein erstes mal.
„Okay. Aber unter einer Bedingung", setzte ich an. Gespannt zog er die Augenbrauen hoch.
„Nenn mich nicht mehr Dornröschen."
Kurz erlosch sein Lächeln. Doch dann kam es wieder, und er meinte bloß:
„Nichts leichter als das, Sommersprosse!", bevor er zum Parkplatz ging.

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Hallöchen ihr alle!

Ich wollte mich nur mal herzlichst dafür bedanken, dass in letzter Zeit viel mehr Leute für diese Story abgestimmt haben, sie kommentiert und gelesen haben!

Beim letzten Kapitel hatte die Geschichte 1k reads und jetzt schon 3.1k! Außerdem ist sie momentan Nr.1 für den Hashtag Jared.

Ich möchte nicht angeben, sondern wirklich nur meinen Dank an euch richten.

Also vielen Dank! 

Ich hoffe das Kapitel gefällt euch und wir lesen uns bald wieder!

Liebe kann...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt