Aussprachen

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Nun saß ich hier, auf dem Beifahrersitz von Paul Lahotes Auto, um zu Jared zu fahren, damit ich mit ihm reden konnte.
„Ach, übrigens Sommersprosse", begann Paul den Satz, "wollte ich ja auch noch mit dir reden."
Ich schluckte leicht, da er vorhin schon nicht sonderlich erfreut gewirkt hatte. Er schien es zu bemerken.
„Keine Angst. Ich werde dich schon nicht zerfleischen", versuchte er mich zu beruhigen.
„Das würde er nie zulassen", sagte er danach noch so leise, dass ich es kaum verstand. Und ich wusste genau, wen Paul mit „er" meinte.
„Also", sagte er, und warf noch einen Blick in meine Richtung ,"ich mache jetzt schnell, weil uns nur noch wenig Zeit bleibt, und wir gleich bei Sam und Emily sind." Er klang nervös, warum auch immer. Gleichzeitig aber auch sehr entschlossen.
„Oh Gott, wie mache ich das bloß!", hörte ich ihn zu sich flüstern. Er schwieg kurz, und schien angestrengt zu überlegen.
„Also. Jared und ich waren am Freitag ja nicht in der Schule." Wieder schielte er zu mir, um sicher zu gehen, das ich ihm folgen konnte. Also nickte ich.
„Ich weiß, dass ihr euch am Donnerstag getroffen habt. Und ich weiß auch, das du dachtest, dass er wegen des Treffens am Freitag nicht zur Schule gekommen ist." Er räusperte sich, und ich schaute verlegen auf den Boden.
„Aber es hatte eine ganz andere Ursache. Jared fand das Treffen mit dir wirklich schön. Er hat mir danach davon erzählt, und war so aufgeregt, wie ein... Ach lassen wir das lieber, sonst erlebe ich den morgigen Tag nicht mehr. Wo war ich?" Die Frage ging an mich.
„Es hatte einen anderen Grund."
„Genau! Also. Naja.... Dieser Grund ist, das Emily von einem Bären angefallen worden ist, als sie im Wald war."
„Oh Gott!" rief ich aus. Ich kannte Emily zwar nicht wirklich, aber als ich bei ihnen war, war sie so nett zu mir. Außerdem wünschte ich so was keinem.
„Ihr geht es gut! Also einigermaßen. Sie hat schlimme Verletzungen im Gesicht, und muss täglich zur Untersuchung ins Krankenhaus."
„Das ist furchtbar."
„Ja. Sie wird wieder gesund, aber Narben im Gesicht werden auf jeden Fall bleiben. Und weil ich und Jared sie schon sehr gut kennen, haben wir Sam bei allem geholfen", gab er mir nun den Grund, warum sie am Freitag nicht da waren.
Ich fühlte mich so schlecht! Ich war so egoistisch zu denken, das es nur wegen mir war!
„ Es gibt aber noch etwas anderes." Nahm das denn nie ein Ende!
„Und das wäre?", fragte ich unsicher.
„Du und Jared." Ich verschluckte mich an meiner eigenen Spucke. Kurz sah Paul besorgt zu mir. Als er allerdings erkannte, das es nicht so schlimm war, musste er lächeln.
Da fiel mir auf, dass er die ganze Zeit nicht gelächelt hatte, obwohl er das sonst immer tat.
Diese Sache musste ihn wirklich mitnehmen. Was selbstverständlich war!
„Also wie gerne hast du eigentlich unseren Prinzen?"
Das war eine Frage, die mir sofort die Röte ins Gesicht stiegen lies. Und anstatt zu antworten, starrte ich aus dem Fenster, und versuchte unsichtbar zu werden.
„Ich verstehe schon!" Und schon war Paul wieder der Alte, mit seinem dauerhaften schadenfrohen Grinsen im Gesicht.
„Also nur damit du es weißt! Jared hat dich gerne.Sehr gerne sogar. Und wenn du das noch nicht gemerkt hast, oder dir eingestehen wolltest, dann brauchst du dringend eine riesige Portion Selbstbewusstsein! Denn das sieht selbst ein Blinder! Also wenn du so abweisend und verschlossen gegenüber ihm bist, und das nur, weil du dir selbst nicht eingestehst, das er dich mag, obwohl es so ist, dann bist du der dümmste Mensch den ich je getroffen habe, und das soll schon was heißen, und das solltest du dringend ändern. Wenn du es aber tust, weil du ihn nicht magst, und nichts von ihm willst, dann lässt er dich sofort in Ruhe."
Wow.
So etwas hätte ich Paul nun wirklich nicht zugetraut!
Und er hatte Recht. Ich war wahrscheinlich der dümmste Mensch den es gab, und musste dringend mein Selbstbewusstsein aufputschen!
„Und wenn du wirklich nur dumm bist, hilft dir Jared sehr gerne, das zu ändern, denn der Junge ist klug."
„Und ich auch." Mit diesen Worten, hielt er vor dem Haus von Sam und Emily.
Ich schnallte mich ab, und bevor Paul aussteigen konnte, schloss ich ihn in eine sehr kurze, und leichte, aber entschlossene Umarmung, in die ich flüsterte:
„Das hast du schon."
Zuerst überrascht, von der Umarmung, aber dann sichtlich gerührt, erwiderte er sie.
Ich wusste nicht, was über mich gekommen war, doch es fühlte sich einfach richtig für uns beide an. Und es war nicht unangenehm, obwohl ich Berührungen sonst nicht mochte.
„Mann. Das mit dem Selbstbewusstsein geht ja schnell!", witzelte er rum, bevor wir ausstiegen.
„Paul?"
„Ja, Sommersprosse?"
„Warum Sommersprosse?", fragte ich.
„Weil, wenn man genau hinsieht, die Sommersprossen auf deiner Nase und deinen Wangen erkennt." Er lächelte mir ermutigend zu, und dann gingen wir ins Haus.
Ich ging Paul zögerlich nach, bis wir im Wohnzimmer ankamen. Dort saß Jared nur in Shorts auf der Couch, und blätterte in irgendeiner Zeitung.
Als wir den Raum betraten, schlug mein Herz bis zum Hals.
Als wüsste er, das ich dabei bin, breitete sich auf seinem Gesicht, ein undefinierbarer Ausdruck aus.
Dann wandte er langsam seinen Kopf zu uns.
„Hey Charming!", begrüßte Paul seinen Freund.
„Kim", sagte er nur.
Paul sah mich noch einmal an.
„Warum seit ihr hier?", fragte er Paul. Doch statt Paul, antwortete ich.
„Ich wollte mit dir reden."
„Oh. Okay. Wollen wir raus?", fragte er etwas verunsichert.
Ich nickte zur Antwort, und wir gingen raus.
„Also...", sagte er.
„War Paul nett zu dir?"
„Jaa!", sagte ich schnell.
„Was hat er zu dir gesagt?"
„Warum du am Freitag nicht da warst."
„Kim, es tut mir leid weg..", wollte er ansetzten.
„Stopp!", sagte ich aber sofort. Er guckte überrascht.
„Dir muss gar nichts leid tun! Ich bin diejenige, die zu wenig Selbstbewusstsein besitzt, um mit dir zu reden."
Er schwieg kurz, und in seinem Gesicht, zeigte sich so etwas wie Bewunderung.
„Wow! Was hat Paul mit dir gemacht?", fragte er verblüfft.
„Mir gezeigt, wie dumm ich eigentlich bin." Okay. Aus dem Kontext gerissen, klingt das echt komisch, wie ich an seinem Gesichtsausdruck ablesen konnte.
„Das verstehst du nicht!", sagte ich daher schnell.
„Oder vielleicht doch. Paul meinte, du würdest mir helfen, wenn ich nicht mehr so dumm sein wollen würde."
Er lächelte, vermutlich über mein Gestammel.
„Natürlich helfe ich dir gerne. Ich werde dir immer helfen. Kannst du mir auch verraten, warum du dumm bist?"
Eigentlich wollte ich ihm das nicht sagen.
„Mhm... Nein", sagte ich daher.
„Warum?", wollte er wissen. Ich überlegte kurz. Wie konnte ich ihm das am besten sagen?
„Weil du es eigentlich weißt."

Es trat ein kurzes schweigen ein. Es war aber nicht unangenehm. Mein Herzschlag beruhigte sich, da es hinter sich gebracht war, und so ungefähr alles geklärt war.
„Kim." Es war keine Frage, das merkte ich. Da kam noch mehr.
„Ich m", er wurde unterbrochen.
„Jared es tut mir leid euch zu stören, aber ich brauche dich", kam Sam aus dem Wald.

Was tat er da?
„Hallo Kim", wandte er sich auch an mich.
„Hallo", grüßte ich zurück.
„Du scheinst ja deine Stimme zurück gefunden zu haben!", bemerkte er Spaßes halber.
Doch natürlich wurde ich sofort rot.
„Na ja fast", lachte er.
„Sam", mischte sich Jared wieder ein, „kann das nicht Paul machen?", fragte er nach.
„Nein", sagte Sam bestimmend.
„Aber er und Emily können bei Kim bleiben, falls du noch bleiben möchtest?", wandte er sich an mich.
Ich warf einen Blick zu Jared, der mich anlächelte.
„Ja, gerne", stimmte ich zu.

Zu Hause, darauf konnte ich gut verzichten.
„Paul!", rief Sam. Dieser kam aus dem Haus geschossen, und fragte:
„Was gibt's Chef?"
„Solange ich mit Jared unterwegs bin, passt du bitte auf Kim auf. Emily müsste auch bald zurück sein." Als er das sagte, breitete sich ein trauriger, und fast schon wütender Ausdruck auf seinem Gesicht aus.
Für diese Sache schien er sich die Schuld zu geben, so schien es mir.
„Aber natürlich Chef. Kim?", fragte er mich, und hielt mir seinen Arm als Aufforderung ihm zu folgen, und seinen Arm zu ergreifen hin.
Ich warf noch einen letzten Blick auf Jared, welcher mir noch schnell ein „Bis Später!" zu warf, bevor er mit Sam Richtung Wald joggte, und ich Pauls Arm ergriff.

„Also Sommersprosse, was möchtest du machen?", fragte mich Paul, als wir auf der Couch im Haus Platz genommen hatten.
Ich war etwas in Gedanken versunken, über Jared, wie mein Leben sich rasend schnell verändert, einfach all diese Veränderungen! Und dann noch, das ich heute das erste mal in meinem Leben geschwänzt hatte. Deshalb antwortete ich nicht sofort.
„Ähm.. Ist mir gleich."
„Na toll. Und ich dachte du hättest ne tolle Idee, wie die mit dem schwänzen", schmollte er.
„Hey! Das war gar nicht meine Idee, es war deine."
„Du hast das erste mal geschwänzt oder?"
„Ja. Na und!"
„Man oh man!", machte er, und sein Lächeln wurde breiter.
„Was?", fragte ich.
„Du solltest echt nie versuchen, ernst oder wütend zu sein."
„Warum?"
„Weil, so süß wie du dann bist, dich echt keiner ernst nehmen kann!", sagte er. Ich schnappte empört nach Luft, und er begann zu lachen. Er lachte die ganze Zeit, bis ich irgendwann mit einstimmte, weil sein Lachen einfach so ansteckend war!
Und ab da merkte ich es.
Ab da gestand ich es mir ein. Ganz bewusst.
Ich liebte Jared, und er mochte mich auf jeden Fall.
Ich fühlte mich so frei und gelöst bei ihm und Paul, wie sonst nie bei irgendwem.
Ich wurde gemocht. Bedingungslos.
Und es hatte noch etwas anderes, als bei Michael, Josh und Will. Es hatte auch etwas anderes als bei Embry. Ich mochte sie alle sehr. Allerdings fühlte ich mich bei Paul und Jared so schnell, so wohl und beschützt.
Ich gestand mir auch ein, dass ich mich unbewusst verändert hatte.
Es war der Tag, als ich die drei Jung kennen lernte, die ich mittlerweile, seit grade mal einer Woche meine Freunde nennen mochte.
Etwas hatte sich an meiner Ausstrahlung geändert, sodass man mich sah. Es geschah ganz unbewusst, doch es geschah genau zum richtigen Zeitpunkt. Hätte ich die Jungs am Bus nicht getroffen, hätte ich Jared nie angerufen, Ich glaubte auch, dass die Visionen, oder was auch immer es waren, dass sie mich zu diesem Punkt der Erkenntnis bringen wollten.


Hallo ihr Lieben! 

Ich hoffe, dass Kapitel hat euch gefallen!

Ich bin offen für Anregungen und Kritik!


eure Loony

Liebe kann...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt