Jared guckte verärgert zur Tür, von der das klopfen kam und schien zu überlegen ob er die Person hinein, oder vor der Tür stehen lassen sollte. Die Person im Flur schien das zu bemerken und sagte: „Jared bitte lass mich rein. Ich muss nach Kims Verband gucken." Die weibliche Stimme klang sanft aber bestimmend und wartete seine Antwort gar nicht erst ab, sondern trat ins Zimmer. Vor mir stand nun eine zierliche Indianerfrau. Ich fand sie sehr hübsch. Sie hatte eine unfassbar gütige und irgendwie mütterliche Ausstrahlung. Sie sah Jared fordernd an. Während sie einen stillen Kampf ausfochten, fragte ich mich:
Was für ein Verband?
Nun spürte ich einen leichten Druck um meinen Kopf. Es musste wohl schlimmer sein als ich gehofft hatte. Meine Wahrnehmung war wohl noch nicht die Beste.
Das Licht im Raum wurde immer dunkler, da die Sonne nun unterging. Jared schien den Kampf verloren zu haben und erhob sich vom Bett. Stattdessen setzte sich die Frau neben mich.
„Hallo Kim! Ich bin Emily, die Freundin von Sam. Du hast eine kleine Platzwunde am Kopf und deine Knie sind auf geschrammt, aber das gröbste ist jetzt getan und eigentlich müsste alles gut heilen. Also kein Grund zur Sorge." Sie sagte das sehr selbstsicher, so das ich ihr sofort glaubte, denn sie schien Ahnung von dem zu haben was sie tat. Das letzte schien sie aber mehr an Jared gewannt als an mich zu sagen.
„Ich würde mir nur noch mal gerne deinen Verband anschauen. Ist das okay für dich?", fragte sie mich wieder. Ich nickte stumm. Sie machte irgendwas an meinem Kopf und wurde dabei gründlichst von dem besorgt aussehendem Jungen im Türrahmen beäugt. Als sie fertig war, tat mein Schädel wieder mehr weh.
„Übrigens habe ich dich umgezogen. Ich hoffe das stört dich nicht", sagte sie schon halb im gehen. „Es ist ja nett von dir Emily das du sie beruhigen willst, aber ich finde du könntest ihr auch einfach sagen dass ich sie umgezogen habe. Wir wollen doch immer ehrlich bleiben, oder etwa nicht? Übrigens netter Ar....", wollte Paul den Satz von unten beenden als er von drei:
„Halt die Klappe Paul!", rüde unterbrochen wurde.
„Und wenn wir es mit der Wahrheit halten wollen, bleiben wir bei meiner Version", fügte Emily noch hinzu.
Wie konnte Paul im Wohnzimmer, eine Etage unter uns schon wieder hören, was Emily mir hier oben sagte? Vielleicht war ich auch einfach schwerhörig. Die schöne Frau verließ das Zimmer und Jared setzte sich wieder auf das Bett.
„Wie geht es dir jetzt? Und bitte bewege nicht nur wieder deinen Kopf sondern sag etwas. Bitte! Ich muss einfach wissen wie es dir geht!", bettelte der zauberhafte Junge auf dem Bett.
Wie konnte ich dem nur widerstehen?
Ganz einfach!
Oh nein!
Bitte nicht den Hundeblick!
Scheiße!
Man sieht der süß aus!
Na los Kim. Ein Wort kriegst du bestimmt hin.
„I..." Erstmal räuspern.
Luft holen.
Vorbereiten und denken.
„Nuah?", sagte ich!
Nuah!
Och Kim!
Ein Wort!!!!!
Ein verdammtes Wort und noch nicht einmal das kriegte ich hin.
Er schmunzelte mich an, während ich im Boden versinken wollte.
„Nuah? So gut geht's dir also? Na zum Glück!", sagte er verträumt lächelnd an mich gewandt. Auch ich musste leicht lächeln. Das schien ihn zu freuen und dann klopfte es wieder an der Tür. Ein großer, muskulöser Mann mit dunklen Augen und schwarzen Haaren öffnete die Tür.
„Hey Kim. Ich habe deine Eltern angerufen, doch da geht keiner ran. Ich fahr dich jetzt lieber nach Hause, sonst machen sie sich noch Sorgen." Das war der Mann mit der bestimmenden Stimme. Durch sein Auftreten, verstärkte es diese bestimmende Art, obwohl er nett zu sein schien. Ich nickte nur und stand auf.
„Ich komme mit", sagte Jared sofort und stand ebenfalls vom Bett auf. Mein Blick wurde leicht hysterisch, was Sam zu bemerken schien, da er daraufhin zu Jared sagte:
„Das geht nicht. Du musst meine Schicht übernehmen."
„Aber Paul ist doch da!", protestierte er. Dann sagte Paul mit seinen übernatürlichen Ohren vom Wohnzimmer aus:
„Soll ich etwa die ganze Arbeit machen?"
Das wurde jedoch beiderseits ignoriert. Sam wandte sich wieder an Jared und sagte in einem Ton der die Sache besiegelte:
„Du bleibst hier Jared." Seine Stimme ließ mir einen Schauer über den Rücken jagen.
Wir waren auf dem Weg nach unten, als Jared sich noch einmal zu mir umdrehte und mich verabschiedete. Ich lächelte ihn freundlich an und ging mit meinen Klamotten in der Hand, Richtung Tür. Humpeln würde es genauer beschreiben. Denn meine Knie schmerzten bei jedem Schritt. Ich gab mir aber sehr viel Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Das gelang mir nicht gut genug, denn Sam fragte mich als wir aus der Tür traten:
„Ich kann dich auch schnell zum Auto tragen, aber das willst du wahrscheinlich eh nicht, oder?" Ich schüttelte mit einem dankbarem Lächeln auf den Lippen den Kopf.
Wir setzten uns in den roten Polo, mit dem ich schon hergefahren wurde und fuhren vom Grundstück. Es lag an einer Wiese, hinter der ein Wald begann.
Das Haus hatte eine nette Veranda mit vielen Blumentöpfen und die Holzfassade des Hauses war rot und weiß gestrichen. Mehr konnte ich in der anbahnenden Dunkelheit nicht erkennen.
Wir mussten ein Stückchen fahren, bis wir an der Hauptstraße ankamen.
„Du wohnst in der Waldsiedlung, oder?", fragte er mich als die Einbiegung zur Waldsiedlung kam. Ich nickte. In so einem kleinem Kaff wie La Push wusste jeder von jedem wo er wohnte.
Er hielt vor meinem Haus. Ich nickte ihm dankend zu und stieg aus. Ich hörte ihn noch sagen:
„Keine Ursache", und die Tür schlug zu. Ich ging mit zitternden Knien zur Haustür.
Die Lichter waren noch an. Die Autos standen in der Einfahrt. Meine Eltern waren also noch wach. Was hatte ich erwartet?
Es war vielleicht 20:00 oder 21:00 Uhr. Und ich war fast den ganzen Tag nicht dort gewesen. Aber ich ging trotzdem davon aus, dass es niemanden interessierte, wo ich war.
Es gab vieles zu verarbeiten. Durch die eindringende Kälte die mit der Dämmerung kam, zitterten meine Knie, und schmerzten dabei heftig.
Mal überlegen...
Ich wurde Heute 3 mal Ohnmächtig, lief gegen einen Baum, wurde von Jared und Paul gefunden, wurde von Jared berührt, angesprochen, getragen, umsorgt und.... Stopp!
Kim, komm runter!
Das war Heute eine einmalige Sache. Einmalig und nie wieder.
Die frische Brise half gegen die Schmerzen in meinem Kopf. Also setzte ich mich kurz auf die Treppe unserer Veranda, die nicht halb so schön geschmückt war wie die von Sam und Emily und gönnte mir einen kurzen Moment der Ruhe.
Es fing an zu regnen und ich ließ die Regentropfen meinen Rücken hinunterlaufen. Meine Ellenbogen waren auf meine Oberschenkel gestützt und mein Kopf lehnte in meinen Händen. Da fiel mir ein:
Mein Kopf!
Was sagte ich meinen Eltern wegen des überdimensionalen Verbandes um meinen Kopf?
Vielleicht fiel es ihnen auch nicht auf. Doch so etwas würden noch nicht mal sie übersehen.
Ich rappelte mich von der Treppe auf, zog mich am alten Holzgeländer hoch und ging wacklig zur Tür. Ich öffnete die sie und erschrak so stark, dass ich wieder zurück auf die Veranda stolperte.
Vor mir stand mein Vater.
Sein Blick war so durchbohrend und hart und wütend, das es mich am ganzen Körper schüttelte. Er guckte mich an, mit diesem angst einflößendem Blick, und fragte:
„Wo warst du?" Doch er schien gar nicht auf eine Antwort warten zu wollen und holte mit seinen riesigen, kräftigen Armen zum Schlag aus.
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Liebe kann...
FanfictionKim weiß genau wie es sich anfühlt nicht beachtet zu werden. Sie lässt ihr Leben von anderen und der Vergangenheit bestimmen. Bis Jared, der Junge in den sie heimlich seit Jahren verliebt ist, sich für sie zu interessieren scheint, beginnt sie ihr...
