Wenn man Stimmen hört...

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Wenn man Stimmen hörst...


Ich stand grade an der Schlange im Fotoshop, und wartete gefühlte 10 Jahre darauf dranzukommen. Ich liesß meinen Blick in dem kleinen Laden in Forks umherschweifen.
Zu Hause war es wieder laut und unbequem, da alle wieder da waren. Wie sehr mir das jetzt schon auf die Nerven ging, konnte ich gar nicht in Worte fassen.
„Sie wünschen?", erklang endlich die entnervte Stimme des schwarzhaarigen Verkäufers.
„Ich würde gerne diesen Film entwickeln lassen", sagte ich, und schob die Rolle über die Theke.
„Montag kann's abgeholt werden", fuhr er mit einer monotonen Stimme fort.
„Okay."
„Name bitte", wollte er noch wissen.
„Kim Connweller", antwortete ich dem Mann der ziemlich trübe Auge hatte.
„Ich danke für ihren Besuch."
Der musste ja wirklich Freude an seinem Beruf haben.

Meine nächste Station war die High School. Wenn ich schon mal hier war, konnte ich mich gleich von meinem Selbstverteidigungskurs abmelden. Ich hoffte nur, das am Samstag jemand dort war.
An der Schule angekommen, stellte ich fest das niemand da war. Ich notierte mir allerdings die Nummer für die Kurs Ab- und Anmeldung, um zu Hause dort anrufen zu können. Meine Mutter würde nicht mitbekommen, dass ich dort nicht mehr hinging. Schlimm genug das sie mich ohne zu fragen, dort eingetragen hatte. Ich hatte nichts über Selbstverteidigung gelernt! Und mitgemacht hatte ich die 2-3 male sowieso nicht wirklich.
Ich ging eilig zur Bushaltestelle um den Bus nicht zu verpassen. Ein leichter Nieselregen fiel auf den Asphalt und durchnässte meine Haare.
Langsam bildeten sich Pfützen in den Löchern auf der Straße, und als der Bus vorfuhr, bemerkte ich leider zu spät, dass sich direkt vor mir ebenfalls eine gebildet hatte, durch die der Bus fuhr, und mich somit komplett durchweichte.
Die Türen schwangen auf und der Busfahrer fragte angespannt:
„Fahrschein?"

Warum waren denn Heute alle so genervt?
Ich wühlte kurz in meiner Jackentasche und zeigte sie ihm dann vor. Mit einem Nicken ließ er mich durch.
Die wenigen Menschen die im Bus saßen, starrten meine durchnässten Sachen an. Meine Laune war für heute dann auch unten.


Nachdem ich zu Hause schnell geduscht, und mich in warme Sachen eingehüllt hatte, ging es mir wieder etwas besser. Ich hoffte bloß darauf, keine Erkältung zu bekommen. Am Montag ging das noch mal gut, als ich ebenfalls komplett nass hier ankam.
Mir war langweilig. Es war erst Nachmittag und ich hatte keine Ahnung was ich jetzt machen sollte. Aus irgendeinen Grund schwirrten mir viel zu viele Gedanken durch den Kopf, wodurch ich leicht Kopfschmerzen bekam. Vielleicht sollte ich versuchen dem auf den Grund zu gehen.
Ich setzte mich an mein Fenster und schloss die Augen. Gefühle strömten auf mich ein. Da waren viele Gefühle, aber die meisten konnte ich selbst noch nicht einmal richtig zuordnen. Weder ob es Wut, Freude oder etwas dergleichen war, noch nicht einmal woher sie kamen. Es war so viel Druck der sich mit voller Kraft auf meinem Körper ausbreitete. Vor Überforderung kniff ich die Augen fest zusammen. Aber es kamen immer neue Wellen. Mit der Zeit schien es so, als würden sich Stimmen in meinem Kopf bilden und mich anschreien. Was sollte das?! Da und da und da und da!! Überall waren diese furchtbaren vorwurfsvollen Stimmen, deren Gefühle auf mich einströmten! Ich sprang von Fensterbrett auf und schüttelte den Kopf um alles leer zu machen.
Nach 5 Minuten ging es mir besser.



„Kim du musst aufstehen!", rief meine Mutter von unten. Ich war am Samstag sehr früh schlafen gegangen, um einer weiteren Attacke zu entgehen. Dabei hatte ich Gestern bis um 13:00 Uhr geschlafen und bin dann am frühen Abend am Fenster eingenickt. Ich weiß nicht was oder warum ich so müde und erschöpft war. Aber an einem montag Morgen machte es dort keine Ausnahme. Schade eigentlich. Doch ich glaubte ich konnte mich auf Jared freuen. War mir allerdings noch nicht ganz sicher.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir das ich noch genügend Zeit hatte. Also machte ich mich gemütlich aus dem Bett und wollte ins Badezimmer gehen. Dieses war jedoch besetzt. Und als ich nach 5 Minuten geduldigen Wartens immer noch nicht hinein konnte rüttelte ich am Türknauf.
„Jetzt wart doch noch mal kurz!", keifte Vanessa durch die Tür.
„Was heißt hier kurz? Ich warte schon dreimal kurz also mach hinne!", schrie ich vielleicht etwas zu laut und aggressiv. Wie konnte man nur so auf Oberflächlichkeiten fixiert sein? Das macht mich krank.
„Bitte!", stoß sie ohne Vorwarnung die Tür auf, sodass ich mit dem Kopf gegen knallte.
„Pass doch auf!", fuhr sie mich dazu noch an.
Du mich auch! Dachte ich nur bei mir und lächelte sie an.
„Wie war denn eigentlich dein einsamer Abend letztens?", wollte sie noch wissen.
„Ganz und gar nicht einsam. Frag Mom ich war mit Freunden weg."
Ungläubig zog sie die Augenbrauen hoch und stolzierte davon. Ich machte das ich schnell ins Bad ging.

Keine 10 Minuten später stand ich vor dem Haus und machte mich auf den Weg zur Schule. Obwohl ich doch ziemlich erschöpft war, hatte ich keine Kopfschmerzen.
Lief ich Heute irgendwie schneller? Denn das große Gebäude glitt in kürzerer Zeit in mein Blickfeld als gewöhnlich.

Auch egal!
Nur schnell durch den Flur zum Spind und dann im Klassenzimmer verziehen. Der Flur war nämlich immer das schlimmste. Die große Glastür schwang auf und ich sah noch mein Lächeln in der Scheibe verschwinden. Warum zur Hölle war ich heute so gut drauf, obwohl ich erschöpft war?
„Hey Kim!" Bei seiner Stimme fiel es mir wieder ein.
Trotzdem ging ich weiter zu meinem Spind.
„Hallo", nuschelte ich nur im weitergehen.
„Wie war dein Wochenende?", wollte er weiter wissen.
„Super", gab ich atemlos davon. Er redete tatsächlich noch mit mir!
Ich war am Spind und drehte am Zahlenschloss.
„Hey, hey, hey. Warte mal", sagte Jared und drehte mich zu ihm um, so das ich nach eine gefühlten Ewigkeit endlich wieder sein fröhliches Gesicht erblicken konnte.
„Was ist los?", fragte er mich. Anscheinend war ich wieder etwas abweisend gewesen.
Los Kim, gib dir einen Ruck!
„Ich... Mir geht's gut. Und dir?", fragte ich schnell und schaffte es sogar ihm dabei ins Gesicht zu sehen.
„Jetzt wo ich dich sehe, schon viel besser", gestand er mit einem Grinsen.
Ich merkte förmlich wie meine Wangen Tomatenrot wurden. Deshalb wandte ich mich meinem Spind zu um endlich die Sachen für den Unterricht zu entnehmen. Jared jedoch hielt es natürlich für nötig sich an meinen Schrank zu lehnen um mir dabei zuzugucken. Und er sah dabei so gut aus! Da kam ich mir mit meinem Dunkelblauem Pullover und der schwarzen Jeans echt lahm vor. Obwohl er nur eine abgeschnittene Jeans und ein schwarzes T-Shirt trug. Ungerecht nennt man so was!

„Na ihr Süßen!" erklang Pauls Stimme von hinten. Kurz darauf kam er schlitternd vor uns zum stehen. Anscheinend rannte er zu uns. Augenblicklich verfinsterte sich Jareds Ausdruck. Paul rutschte daraufhin näher zu mir um Abstand von ihm zu gewinnen. Ich wiederum guckte verwirrt zwischen den beiden hin und her.

Warum waren die so?
„Und wie war euer Wochenende so?", versuchte ich das Thema zu wechseln. Dumm, da mir dann wieder einfiel das die beiden sich ja aus irgendeinem Grund geprügelt hatten. Am Wochenende.
„Super", und „Ganz okay", kam gleichzeitig von Paul und Jared.
„Und wie war deines?", fragte mich Jared.
„Ein bisschen langweilig", gestand ich ehrlich. Ich sollte ehrlich zu ihm sein. Immer. Ehrlichkeit war eine Sache dir mir sehr am Herzen lag bei anderen. Also sollte ich auch zu allen ehrlich sein wenn ich die Möglichkeit dazu hatte.
„Oh. Ich hoffe das nächste wird nicht so langweilig", sagte er darauf. Wir guckten uns kurz komisch an, weil wir anscheinend beide im selben Moment bemerkten, dass er mir diese Frage schon gestellt hatte. Paul wollte grade zu etwas ansetzen als Jared ihn jedoch unterbrach und mich fragte:
„Kommst du mit zu Französisch?" Er hatte sich tatsächlich gemerkt das er mit mir Französisch hatte!
„Klar!"

Im Klassenraum setzten wir uns schnell auf unsere Plätze, da der Unterricht gleich begann. Jared wirkte noch ein bisschen angespannt, und ich hoffte das das gleich vorbei ging.
„Bücher raus!", begann Madame Lesoire den Unterricht.
Ich kramte mein Buch aus der Tasche und legte es auf den Tisch.
„Kann ich bei dir reingucken?", fragte mich Jared.
„Ich hab meines nämlich vergessen."
„Ja", sagte ich und schob das Buch in die Mitte.
„Bevor der Unterricht nun richtig beginnt, möchte ich noch eine Vorankündigung machen", kam es von unserer Lehrerin. Das verwirrte mich etwas, da sie sonst fast keine Minute ihres Unterrichts verschwendete. Dafür allerdings auch immer pünktlich Schluss machte.
„Es gibt einige Komplikationen bezüglich der Klassenfahrt im Abschlussjahr. Für euch also nächstes Jahr. Wie bereits erwähnt haben die Besten die Chance nach Paris auf eine Sprachreise zu fahren. Da es in der Klasse unter euch aber mehrere gibt die trauriger Weise besser sind als ihr, habe ich beschlossen es auf dieses Jahr zu verschieben und die beiden Klassen zusammen zu tun. So könnt ihr in eurem Abschlussjahr eine andere Klassenfahrt machen", erklärte sie.
„Und denkst du du kannst mit?", fragte Jared mich aufgeregt.
„Ich hoffe! Ich würde mich so freuen nach Paris zu kommen! Und du?"
„Ich weiß nicht. Ich bin gar nicht so schlecht in Französisch."
Unsere Grübeleien wurden von Madame Lesoire aufgelöst.
„Der letzte Test war ausschlaggebend für meine Entscheidung." Alle im Raum hielten die Luft an.
„Ich werde die Namen jetzt aus eurer Klasse vorlesen:
Isabell Evans, Jaquline Aarons, Paul Lahote, Jared Cameron, Finley Seeks, Kim Connweller." wurden die Namen aufgerufen.

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Meine Freunde :-)

Willkommen zu einem neuen Kapitel!

Ich hoffe wie immer, dass es euch gefällt und bedanke mich für all die Liebe und Unterstützung!

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