Kapitel 15

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Pov Amy
"Morgen", grinst Marlon verschmitzt, als ich bei der Gruppe ankomme und zieht mich in eine lockere Umarmung.
"Als hätten wir uns heute morgen nicht noch gesehen", raune ich leise an seine Brust.
"Du warst doch diejenige, die unbedingt schon früh abhauen wollte", flüstert er und ich muss ein Schmunzeln unterdrücken, als ich wieder einen Schritt von ihm wegtrete und provokant die Schultern zucke.
Anscheinend hat es ihn wohl nicht so gefreut. Natürlich hätte ich genauso gut, nachdem ich die Nacht bei ihm verbracht habe, mit ihm zur Schule kommen können, aber dann war es mir doch lieber, nochmal nach Hause zu fahren und mich dort fertig zu machen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich keine frischen Sachen mit bei ihm hatte.
Unsere Augen verankern sich noch einen Moment lang ineinander, bevor ich mich räuspere, den Blick abwende und ihn durch die Runde schweifen lasse.
Von allen Seiten bekomme ich Begrüßungen zugemurmelt und ernte von Maxi mir gegenüber ein warmes Lächeln.
Neben ihm stehen Evi und Markus, auf die ich jetzt zugehe.
Während ich auch Evi zur Begrüßung umarme, vernehme ich wie Juli und Marlon in meinem Rücken schon wieder beginnen, zu tuscheln, woraufhin ich sofort wieder einen Schritt zurück und auf sie zu trete, nachdem ich mich von Evi gelöst habe.
"Was habt ihr hier zu verheimlichen?", will ich mit hochgezogener Augenbraue wissen.
"Nichts, nichts", schmunzelt Juli bloß.
"Ich habe Marlon nur gerade gesagt, dass es wahrscheinlich besser war, dass du heute morgen schon früh bei ihm abgehauen bist."
"Ey, du solltest ruhig sein", beschwert Marlon sich sofort an Juli gewandt und boxt ihm empört in die Seite, woraufhin dieser bloß lacht. "Ich hab doch gar nichts gesagt."
Marlon verdreht belustigt die Augen. "Jaja."
Auch obwohl ich versuche, zwischen den beiden hin- und herzusehen und zu erkennen, worum es geht, erhalte ich keine Erleuchtung. Normalerweise fällt es mir leicht, Marlons Blicke zu lesen und zu spekulieren, was er denkt, aber gerade ist er mir komplett undurchsichtig.
"Okay, was ist passiert als ich weg war?"
"Unwichtig", brummt Marlon leise, während seine Hände an meine Taillie wandern und er mich somit wieder nah an ihn heranzieht. Er ist wirklich manchmal anhänglich, zumindest wenn es um körperliche Nähe geht. Vielleicht sogar zu sehr.
Als ich Juli neben uns leicht lachen höre, löse ich mich allerdings wieder sofort aus Marlons Armen und recke den Kopf hoch, um ihm misstrauisch in die Augen sehen zu können. Wäre nichts besonderes passiert, hätte Marlon Juli auch sicherlich nichts davon erzählt und dieser würde sich jetzt nicht darüber lustig machen. Von daher möchte ich wissen, was hier los ist.
"Sag es mir", spreche ich leise, aber nachdrücklich. Die anderen Kerle müssen es ja nicht mitbekommen.
Marlon seufzt und lenkt den Blik auf den Boden, bevor er sich erneut versucht rauszureden: "Es ist aber wirklich vollkommen irrelevant, du willst das nicht wiss-"
Er wird von meinem Finger unterbrochen, den ich ihm blitzschnell auf die Lippen gelegt habe und muss schlucken.
"Gut", gibt er auf meinen erwartungsvollen Blick hin schulternzuckend nach und beugt sich ein Stück zu mir runter.
"Mein Vater hat heute morgen Kommentare abgegeben, war ziemlich unangenehm."
Ein unwohliges Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Ich ahne Böses.
"Hat er-, beginne ich, doch Marlon fällt mir sofort ins Wort. "...uns gehört? Ja."
Bei seiner Antwort muss ich leise stöhnen. Genau vor dieser Antwort habe ich mich nämlich gefürchtet. Marlon kratzt sich beschämt am Hinterkopf und auch ich reibe mir verlegen die Schläfen. Die Vorstellung ist wirklich ziemlich...bizarr. Und gleichzeitig extrem peinlich.
"Jetzt hör doch mal auf so schadenfroh zu lachen, das ist überhaupt nicht lustig", fährt Marlon seinen besten Freund neben sich an, der sich inständig bemüht, einen neutralen Gesichtsausdruck an den Tag zu legen, aber kläglich daran scheitert. Julis Grinsen, das er nicht schafft zu unterdrücken, verrät ihn ungemein.
"Siehst du, ich hab doch gesagt, dass du es gar nicht hören willst", presst Marlon flüsternd hervor und ich nicke langsam.
"Ist ja gut, ich habs jetzt auch eingesehen." Als er draufhin anfängt, unsicher zu lächeln und belustigt den Kopf schüttelt, kann auch ich mir ein Schmunzeln nicht mehr verkneifen. Natürlich ist die Situation sehr unangenehm, da muss man sich nicht drum streiten, aber Marlon und ich können das zusammen glücklicherweise relativ locker nehmen, einfach weil wir beide vom Charakter her ähnlich sind.
Die Hauptsache ist, dass es beim nächsten Aufeinandetreffen mit Joachim dann nicht allzu verklemmt wird.

Intuitiv, attraktiv? - DWKWo Geschichten leben. Entdecke jetzt