Pov Marlon
Nach einer viertelstündigen Fahrt lasse ich meinen Wagen auf dem Parkplatz eines Restaurants ein wenig außerhalb Grünwalds zum Stehen kommen. Als ich meinen Blick zu Amy auf dem Beifahrersitz rüberschwenken lasse, sieht diese mich wissend an und grinst. "Ich hatte also recht."
"Womit?", will ich wissen.
"Damit, dass wir essen gehen."
Ich muss lachend den Kopf schütteln und greife nach dem Griff der Autotür, um sie aufschwingen zu lassen.
"Falsch. Du hast ins Kino gehen vermutet", provoziere ich und trete auf den Parkplatz.
"Selbst falsch. Ich habe Kino und danach essen gehen vermutet", gibt sie gekonnt zurück, während auch sie aus dem Auto aussteigt und mich schelmisch anfunkelt.
"Trotzdem falsch", schmunzele ich. "Wir machen es nämlich andersherum."
"Also erst essen und dann Kino?", versteht sie. Ich nicke und trete um das Auto herum, um kurz abzuschließen und Amy dann meinen Arm hinzuhalten. "Ja. Sonst sind wir nach dem Kino doch schon satt, so viel Popcorn wie du immer isst", grinse ich. Sie verzieht empört das Gesicht und mich durchzuckt ein leichter Schmerz, als sie mir neckisch den Ellebogen in die Seite rammt.
"Simmt doch gar nicht!", schnaubt sie. "Und außerdem bist du doch derjenige, der anfangs nie Popcorn will und dann letztendlich doch immer meine Tüte isst."
Ich verdrehe die Augen, kann mir das dämliche Lächeln aber trotzdem nicht verkneifen, während ich mich geschlagen gebe. "Okay okay, du hast gewonnen."
"Danke. Hätte ich aber sowieso", meint sie selbstbewusst, schenkt mir ein zufrieden überhebliches Lächeln und hakt sich dann endlich bei mir unter. Diese Aussage unkommentiert lassend setze ich mich in Bewegung und gemeinsam schlendern wir auf die große Eigangstür des Restaurants zu.
Die Rezensionen auf der Homepage im Internet waren sehr vielversprechend, weswegen ich kurzerhand einen Tisch reserviert habe ohne den Laden zu kennen. An dieser Entscheidung beginne ich nun, je näher wir dem Haus kommen, allerdings zu zweifeln, da es mit jedem Schritt protziger wirkt als gedacht. Schon allein das riesige Panoramafenster, das mindestens eine gesamte Hauswand einnimmt, lässt mich schlucken, doch ich versuche das mumlige Gefühl zu verdrängen. Amy soll es mir nämlich nicht anmerken. Ich will, dass dieses Date gut und vorallem erfogreich verläuft.
"Bonsoir madame et monsieur",begrüßt uns ein in Anzug gekleideter Mann freundlich und hält uns die Türe auf, während wir ankommen und eintreten. "Womit kann ich Ihnen dienen?" Er hat ein professionelles Lächeln aufgesetzt und schon während ich meinen Blick verstohlen durch den Eingangsbereich schweifen lasse wird mir klar, in welch teurem Restaurant wir uns hier befinden müssen. Amy neben mir stupst mich unauffällig an und ich räuspere mich. "Ich hatte einen Tisch reserviert. Auf Wessel", spreche ich möglichst selbstsicher, woraufhin der Mann nickt, durch ein paar auf einem Nebentisch liegende Unterlagen stöbert und uns schlussendlich hinter ihm herwinkt. Wir folgen ihm durch Tische, die mit weißen Samttischdecken überzogen sind und um die gemütlich aussehende, schwarze gepolsterte Sitzbänke stehen. Über uns erstreckt sich eine gewölbte, mit goldenen Verzierungen geprägte Decke sowie zahlreiche Kronleuchter und ich staune nicht schlecht, als mir die imposanten Gemälde an den Wänden auffallen. Das gesamte Restaurant macht einen extrem edlen Eindruck und augenblicklich fühle ich mich ein wenig fehl am Platz. Doch Amy, die noch immer an meiner Seite steht, lässt mich realisieren warum ich das hier mache und ich schaffe es, tief durchzuatmen und runterzukommen. Wir werden in eine Ecke des Raumes geführt, wo der Mann auf einen Tisch in einer kuscheligen Nische deutet und verschwindet, nachdem Amy und ich uns einander gegenüber gesetzt haben. Mein Blick fällt auf die auf dem Tisch verteilten Rosenblätter und einladend brennenden Teelichter und allmählich überkommt mich ein seltsames Gefühl der Ruhe. Mein Blick trifft Amys und als sie mit Blick auf den kitschig angerichteten Tisch zweifelnd die Augenbraue hochzieht, kann ich nicht anders als zu lächeln. Ich merke, dass ihr die Romantik dieses Dates schon jetzt suspekt ist, aber das sie trotzdem mit mir hier ist bedeutet mir sehr viel. Erst langsam realisiere ich, dass gerade genau das geschieht, was ich mir seit längerem unbewusst wünsche - ich bin mit Amy auf einem Date und wir sind auf gutem Weg dahin, bald eine Beziehung zu haben.
"Französisch also", erkennt sie lächelnd und ich nicke. "Ja. Ist ein Versuch."
"Ein mit Sicherheit ziemlich teurer Versuch", stellt sie fest und lässt ihren Blick schmunzelnd im Raum herumschweifen. "Underdressed scheinen wir definitiv auch zu sein." Ich folge ihren Blicken und bemerke, dass alle anderen Gäste ziemlich schick gemacht sind und wir in unseren alltäglichen Outfits tatsächlich ziemlich herausstechen, zucke daraufhin aber lachend die Schultern. "Lass das Geldproblem mal meine Sorge sein."
"Sicherlich nicht", widerspricht sie. "Ich bezahle mein Essen schön selbst."
"Wirst du nicht. Ich mache das", lege ich fest, woraufhin sie die Arme vor der Brust verschränkt. "Die Zeiten, in denen wir diesem altmodischen Standart, dass der Mann bei einem Date zahlt, folgen müssen, sind doch vorbei. Ich zahle selbst." Sie ist so beharrt darauf, dass ich leise seufzen muss.
"Amy", unterbreche ich sie bestimmend und greife intuitiv über den Tisch nach ihrer Hand. "Ich bin derjenige, der dich heute ausführen wollte. Ich möchte doch bezahlen, also lass mich das ruhig tun."
Sie öffnet den Mund schon, doch als ich ihre Hand zur Bekräftigung meiner Aussage drücke, schließt sie ihn wieder. Ihr Blick huscht auf unsere ineinander verschlungenen Hände und sie schluckt tief, bevor sie langsam nickt. "Wenn du unbedingt willst", murmelt sie ergeben. "Aber beschwer dich nicht, wenn es dir hinterher zu teuer ist. Ich kenne die Preise solcher Restaurants."
Mich beschleicht erneut ein mulmiges Gefühl, doch ich versuche es mit meinem Lächeln zu überspielen. "So schlimm wird es schon nicht sein. Ich habe das Restaurant nicht umsonst ausgesucht, ich werde das schon bezahlen können", winke ich ich ab.
Das dem nicht so ist, sehe ich allerdings, sobald ich ein paar Minuten später die Speisekarte in der Hand halte, ein.
"Bestellen wir Wein?", fragt Amy gerade und setzt einen gekonnten bittenden Augenaufschlag ein, bei dem ich ihr ihren Wunsch natürlich nicht abschlagen kann. Ich bestätige und nachdem sie mir mitgeteilt hat was sie essen möchte, verkündet sie, kurz auf die Toilette zu müssen. Während sie verschwindet, nutze ich diese perfekte Gelegenheit und winke einen Kellner herbei. Bis dieser allerdings damit fertig ist mir die Standartsprüche, die mit Sicherheit allen Gästen gesagt werden, runterzuleiern und ich zum Bestellen komme, vergehen gefühlte Ewigkeiten und mein Blick huscht zunehmend nervöser in Richtung Bad, da Amy jeden Moment zurückkommen könnte. Ich möchte nicht, dass sie weiß, dass ich für mich extra das billigste Gericht auf der Karte bestelle, nur damit ich ihr ihres noch bezahlen kann. "Sind Sie sich sicher? Das ist nur eine Vorspeise", versucht der Kellner mich gerade von meiner Bestellung abzubringen, doch ich nicke eilig.
"Ja. Lassen Sie sie bitte einfach als Hauptgericht kommen", bitte ich ihn, woraufhin er eine Notiz auf seinen Block kritzelt und sich dann verabschiedet. Gerade als er sich umdreht kommt Amy zurück und ihren hochgezogenen Augenbrauen nach zu urteilen hat sie die letzten Sätze unseres Gesprächs definitiv mitbekommen. "Marlon."
Ihre Stimme klingt verurteilend, während sie sich wieder setzt und mich leicht strafend ansieht. "Du musst das nicht tun."
"Was?", frage ich gespielt unwissend.
Mein Herz allerdings beginnt vor Nervosität ein wenig schneller zu schlagen. Ich will das hier unter keinen Umständen zerstören.
"Du musst nicht extra etwas bestellen, was du eigentlich nicht essen willst, nur weil es verhältnismäßig billig ist", seufzt sie.
"Habe ich nicht, ich will es ja essen. Sonst hätte ich es nicht bestellt", versuche ich mich rauszureden. Allerdings merke ich schon an ihrem Blick, dass sie mir nicht glaubt. "Einen Vorspeisen-Salat? Ernsthaft?"
"Salat ist lecker", beharre ich und sie verdreht die Augen. "Das habe ich auch nie bezweifelt. Aber ich weiß doch, dass du eigentlich anderes Essen bevorzugst."
"Ach komm lass einfach gut sein, es ist doch alles vollkommen okay so."
"Aber für mich nicht", wendet sie erneut ein. Ich muss mich bemühen nicht aufzustöhnen, doch bevor ich etwas entgegnen kann, spricht sie schon weiter.
"Ich will nicht, dass du extra für mich auf irgendetwas verzichtest. Generell nicht. Ich werde mein Essen selbst bezahlen und du bestellst dir jetzt etwas vernünftiges."
"Ich möchte aber bezahlen", versuche ich es erneut, merke aber, dass es keinen Zweck hat. Amy schüttelt leicht lächelnd den Kopf.
"Marlon, auch wenn ich wenig darüber spreche, du weißt das ich mehr als genügend Geld habe", meint sie plötzlich ziemlich sanft. "Ich hatte nichtmal irgendwelche Erwartungen an dich, als ich diesem Date zugestimmt habe, also ist es wirklich vollkommen okay für mich."
Ich kann nicht anders als beschämt den Kopf zu senken. "Aber das ist doch beschissen. Ich wollte, dass das heute perfekt wird", wispere ich, fast schon selbst peinlich berührt vom unsicheren Klang meiner Stimme.
Nun ist es Amy, die quer über den Tisch nach meiner Hand greift. Als ihre Finger meine berühren durchzieht meine Hand ein leichtes Kribbeln, welches mich dazu zwingt, wieder zu ihr aufzusehen.
"Ob der Abend perfekt wird oder nicht hängt absolut nicht davon ab, wer das Essen bezahlt", spricht sie lächelnd und lässt ihren Daumen ermutigend über meinen Handrücken kreisen. "Okay?"
Ich atme tief durch, bevor ich langsam nicke. Sie hat ja recht. "Okay", lächele ich schwach.
Amy grinst zufrieden und ehe ich mich versehe hat sie den Kellner schon erneut zu uns gewunken, ich habe meine Bestellung ausgetauscht und vor uns stehen zwei Gläser wahrscheinlich ebenfalls teuren Rotweins.
"Prost", lächele ich und während unsere Gläser aneinanderklirren und Amy zurücklächelt, verfliegen meine Sorgen darüber, dass dieses Date nicht gut genug sein könnte, endgültig. Zwar ist die Vorstellung von uns beiden umgeben von kitschigen Rosenblättern und Duftkerzen eine, die ich vor ein paar Wochen noch für absurd gehalten hätte, aber allmählich beginne ich, sie zu mögen. Und ich hoffe inständig, dass es Amy genauso geht.
Ach ja, selbst beim Date finden die beiden wohl kleine Konflikthemen...
Ganz lieben Dank an charlottevarnando an dieser Stelle, die mir die perfekte Idee für diese Szene geliefert hat <3
Aber ansonsten scheint es ja bei Marlon & Amy ganz gut zu laufen, was sagt ihr zu ihrem Umgang miteinander und wie denkt ihr, verläuft das weitere Date?
Lasst gerne Feedback und einen Stern da, wenn es euch gefallen hat❤❤
Habe letzte Woche übrigens nen Oneshot zu Ruby & Nora hochgeladen, würde mich riesig freuen wenn ihr mal reinschaut :)
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Intuitiv, attraktiv? - DWK
FanfictionEr spielt Fußball. Sie geht auf Partys. Aber zwei Dinge verbinden Marlon und Amy: ihr Sarkasmus und ihr Selbstbewusstsein. Die beiden pflegen eine gute Freundschaft. Eine Freundschaft der besonderen Art. Alles ganz unverbindlich und ohne Probleme...
