LUNA
„Zum Glück hast du aufgemacht!"
Ihr tränenüberströmtes Gesicht wirft sich in meine Arme. Dass sie sich traut, hierher zu kommen. Ich verdrehe die Augen.
„Was willst du hier, Tamilah?" Sie löst sich von mir.
„Kann ich herein kommen?" Lass mich kurz überlegen. Äh, nein.
Verpiss dich.
Mein Verstand verbietet es mir, hebt mehrere rote Verkehrsschilder, die mit unübersehbaren Mittelfingern versehen sind, doch meine Beine bewegen sich automatisch zur Seite, um sie willkommen zu heißen. Obwohl sie gerade alles andere als das ist. Sie schleift mit zögerlichen Schritten bis zu dem Sofa heran, worauf sie sich schließlich plumpsen lässt. Wieder suche ich ein Glas, welches ich mit Wasser auffülle und ihr reiche. Schnell stelle ich mich vor die Bar in Hoffnung, dass sie das Trinkspiel von eben nicht bemerkt hat. Niemand hat das Schlamassel aufgeräumt.
Allerdings habe ich auch nicht mit ihr gerechnet.
„Du wohnst also immernoch bei Nolan seit der Trennung." staunt sie.
„Was willst du hier?" ignoriere ich ihren Smalltalk-Versuch. So unauffällig wie möglich, erhebe ich den Barhocker vom Boden.
„Und mit Kyle? Wie war es so in Paris?"
„Denkst du nicht, dass diese Frage etwas zu spätkommt? Beantworte meine Frage!" fauche ich. Ich verliere kurz das Gleichgewicht, sodass sich der Gürtel vom Bademantel erleichtert. Ich lehne mich an die Theke, bevor ich die hellblaue Gardine meine Unterwäsche verhüllen lasse.
„Luna, hast du getrunken?" Tami sieht mich besorgt an, „ich hab echt viel verpasst!" Und deswegen hätte ich die Tür erst gar nicht öffnen sollen. Soll das hier ein Verhör sein? „Ja, du hast was verpasst.. und weißt du wer gleich eine verpasst bekommt?"
Sie wagt es tatsächlich mit ihren Achseln zu zucken.
„Du! Wenn du nicht sofort sagst, warum deine ach so teure Mascara läuft!" brülle ich.
„Ich wollte dich nur kurz sehen."
Um kurz nach zwei? Also diese Behauptung hat keine andere Wirkung, als das ich lachen muss.
„Jetzt bin ich also deine Freundin? Und die anderen Wochen, wer war ich dann? Tamilah, ich schwöre bei Gott, wenn du nicht sofort anfängst zu reden, setze ich dich vor meiner Tür. Und so wie du aussiehst, bin ich deine letzte Hoffnung, also vergeige es nicht!"
Ihre Schultern sinken.
„Na schön. Es ist Charles. Er hat mich verlassen." schluchzt sie. Ihre Hände umhüllen ihr Gesicht. Doch bei mir klingelt nichts.
„Wie denn, wart ihr zusammen?" hake ich nach. „Freundschaft Plus ist keine Beziehung, Tamilah." Hätte Blondie Charlie eine neue Flamme, wüsste ich definitiv davon.
„Nein, wir waren zusammen. Wirklich!"
Ich rolle meine Augen. Wie naiv sie doch sein kann. „Zusammen im Bett oder hat er dich wirklich gefragt?"
„Nun ja.." sie kratzt sich am Kopf.
„Da haben wir es. Ich habe dich vor so welchen Sachen gewarnt, Tami."
„Wir haben trotzdem Stress. Ich habe mich verliebt, Luna. So richtig ! Und er gibt mir nicht mal 50% zurück." Ihr tränenüberströmtes Gesicht erfrischt sich nun durch weitere Tränen. „Tamilah, so ist das bei Freundschaft Plus. Irgendwann entwickelt einer Gefühle, wobei der andere nur der Player ist. Eigentlich hast du dich selbst ausgedribbelt."
„Ich weiß nicht. Ich kann fürs Erste schon mal nicht nach Hause. Meine Vermieterin verprügelt mich wegen meinen Schulden. Wortwörtlich. Zu Charlie kann ich auch nicht!" zählt sie empört auf, worauf sie kurz danach mit ihren getuschten Wimpern klimpert. Oh, oh.
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My Own Stalker
Teen FictionWochenlang kommt er zu spät nach Hause. Wochenlang scheint er nicht mehr dasselbe zu sein. Möchtegern Model Luna und der reiche Geschäftsmann Nolan verbinden schon 3 Jahre. Sie sind das perfekte Paar. Und das seit der High School. Aber als sie erf...
