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LUNA

Die letzten Minuten vor dem Auftritt fühlen sich wie an wie ein Raum ohne Sauerstoff. Alles kommt mir gedämpft vor und ich nehme nur noch meine flache Atmung wahr. Ich stehe zwischen schwarzen Vorhängen, barfuß auf einem Boden, der mir fremd ist. Last Face ist nicht mein Platz. Dieser Laufsteg gebührt nicht mir.

Ich bin einfach der billige Ersatz, der eben so gefunden wurde. Ich bin der letzte Name auf der Liste, den man erst liest, wenn einer durchgestrichen wurde.

Meine Hände zittern. Aus Angst - vor dem, was gleich passieren muss. Und zu allem Überfluss nehmen meine Sinne ein dunkles Huschen zwischen den schweren Vorhängen wahr. Je mehr die Silhouette sich mir nähert, desto mehr sinkt mein Herz. Ich nehme ein tiefen Atemzug. Dann ist er da.

Nolan steht nicht direkt vor mir. Er war nie jemand der frontal auftauchte. Er steht seitlich, sein Gesicht halb vom Schatten bedeckt, als wäre er Teil der Kulisse. Seine Anwesenheit zieht mich an wie ein Magnet, der mich von überall zu sich ziehen könnte.

Drei Jahre lassen sich nicht einfach so löschen. Sie sitzen im Körper. In den Bewegungen. In der Art, wie man den Anderen erkennt, bevor er zum Vorschein tritt.
„Du bist nervös." sagt er leise. Keine Frage. Eine Feststellung. Natürlich weiß er das. Er hat mich in schlimmeren Momenten erlebt, als diese hier. Automatisch schicken mich meine Synapsen zurück an den Augenblick, wo ein lausiger Koffer an meinem Türrahmen lehnt.

Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, ist ein beißender Griff in meinen Ellbogen, lautes Knarzen der Treppen, während mein Vater mit mir runterpoltert. Hier noch einen Schubs, und beendet mit meinen Tränen auf der Veranda. Das Letzte, was ich sehe, ist der kalte, abweisende Blick meiner Mutter, bevor die Haustür so heftig zuknallt, dass der Mistelzweig, mir vor die Füße fällt. Übrig bleibt nur eine feste Umarmung meines Freundes. Ex-Freundes.

In dem Haus meines Vaters gäbe es kein Platz für Models. Es sei ein Haus für Studenten, Akademiker, Doktoranden. Aber keins, in das ich hineinpasse, wenn ich den Weg, den ich gewählt habe, weitergehen würde.

Ich schließe meine Lider, fühle wie sie von innen feucht werden und schüttele mich kurz. „Ich schaffe das."
Nolan tritt näher, zu nah für jemanden, den ich nicht mehr lieben sollte. Ich recke meinen Kopf in die Höhe und atme seinen Cologne ein. Ein Teil von mir, will zurückweichen, doch der andere steht felsenfest und beginnt Wurzeln zu schlagen. Seine Hand schwebt für eine Weile über meinen Arm, als würde er sich selbst prüfen.

Dann berührt er mich. Nur kurz. Aber das reicht, damit mein Körper darauf sofort reagiert.
„Du siehst aus, als würdest du gleich kämpfen." Er grinst. Vielleicht muss ich das auch.
Ich will ihm sagen, dass er nicht hier sein sollte. Dass er das Recht, mir so nah zu sein, schon vor Monaten abgegeben hat.

Stattdessen nicke ich nur, weil mir mein Hals plötzlich so eng vorkommt, als könne geradeso Luft hinein- und hinausgelangen.
Mein Hals verdünnt sich noch mehr, als ich ein Brennen zwischen meinen Schulterblättern bemerke. Es fühlt sich an, als würde jemand mit einer Lupe und etwas Sonnenlicht auf meinen Arm reflektieren und 4 Buchstaben darauf kritzeln.
   
Ich sehe Kyle nicht, aber ich spüre ihn.
Widerwillig drehe ich mich zu ihm und sehe ihn etwas näher an der Bühne, im Licht, dort wo alles entschieden wird. Seine Präsenz schneidet durch meine Konzentration wie ein scharfer Ton. Die Arme locker, der Körper entspannt - aber seine Augen verraten ihn. Sie sind dunkel. Wach und vielleicht sogar gereizt. Ich wische mir mit der Hand übers Gesicht, während mein Herz ungewollt schneller schlägt. Mistkerl.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 10 ⏰

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