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LUNA

Kyle ist jeden Moment hier. Fuck.
Entweder ich habe mir beim Tanzen zu viel Zeit gelassen oder er ist zu früh. Nun ja, eine richtige Uhrzeit hatten wir nicht abgemacht. Surrende Geräusche durchdringen das Apartment, obwohl ich immer noch nichts an habe. Hilfesuchend schaue ich mich nach irgendetwas um und entdecke meine Rettung. Ich öffne mit hellblauen Bademantel die Tür und Kyle steht vor mir.

Toll.
Ich weiß nicht, welche zehn Pferde mich getrieben haben ihn AUSGERECHNET JETZT in meiner Wohnung einzuladen.
In Nolans Wohnung, meine Liebe.

Oh.

Wie auch immer, ich hätte darauf beharren sollen, dass er unten bleibt.. oder? Naja, auf der anderen Seite sind wir seit Paris ziemlich dicke geworden. Die fünf Tage in Frankreich waren kein Urlaub, aber es war trotzdem schön. Zu mal weil ich nicht alleine war... In letzter Zeit habe ich nur noch ihn getroffen. Tamilah und Nolan hätte ich somit beinah vergessen. Sie sind einfach nicht mehr Teil meines Lebens. Vielleicht ist es besser so.

Obwohl was labere ich, Nolan zahlt bis auf Weiteres die Wohnung und Tamilah und ich folgen uns stets noch gegenseitig auf Social Media.
Kann man das überhaupt noch Kontakt nennen?

„Willst du nur dastehen und nichts sagen?" Kyles tiefe Stimme zwingt mich zurück in die Realität.
„Sorry, war wieder.."
„..in Gedanken. Ich weiß." beendet Kyle für mich. Dass er das schon langsam gewöhnt ist, dass ich ständig vor mir her träume, entlockt mir ein kleines Grinsen.
Ich trete ein wenig zur Seite, um ihn zu zeigen, dass er willkommen ist. Er zögert nicht, sondern stürmt praktisch hinein. Sein unwiderstehlicher Cologne samt Abendwind wehen mit.

„Entschuldigung, aber ich war so gespannt, wie die Wohnungen in Mayfair sind. Alles hat hier so viel mehr Luxus und ist einfach nicht so ghetto wie in meiner Gegend." gesteht er. Obwohl wir uns schon länger kennen, ist er das erste Mal in dieser Wohnung. Irgendwie süß, wie bestaunt er von allem ist.

„Jetzt rede nicht so, als würde ich auch nicht aus dem Ghetto kommen." Ich schließe die Haustür hinter mir. „Es ist nicht so krass, wie du denkst." füge ich hinzu, wofür ich mich hätte schlagen können, dafür wie arrogant das rüberkam.

Kyle ist schon etwas weiter vorausgeschritten. Doch im Wohnzimmerbereich dreht er sich ungläubig um.
„Nicht so krass?" Er schnappt sich einen der Sofakissen.
„Ich wette, dass allein dieses Kissen mehr wert ist, als mein ganzer Tageslohn." Ich verdrehe gespielt genervt die Augen.

„Enough chat. Ich gehe mich fertig machen." Kurz vor meiner Zimmertür will ich mich umdrehen, um ihm noch etwas zu sagen, da steht er schon vor mir. Dicht. Etwas zu dicht. Er stützt seinen einen Arm gegen den Türrahmen ab.

„Darf ich dir nicht beim Anziehen zusehen?" Er scannt mich langsam von oben nach unten.
Dieser Blick. Ich verkrampfe meine Arme noch fester um meinem Körper. Who turned up the heating? Mir ist plötzlich so warm.

„Natürlich nicht." winke ich schnell ab. Mehr fällt mir nicht ein. Habe ich etwa das Flirten verlernt?
„Denkst du nicht, dass ich als deinen Fake-Boyfriend einige Rechte besitze?" Die vordere Schleife des Bademantels befindet sich schon in Gefangenschaft seiner Finger. Durch das Band zieht er mich näher zu ihm heran. Seine dunkel gewordenen Haselnussaugen ruhen die ganze Zeit auf mir.

„Einmal ziehen und dann.." flüstert er fast.

Kaum sind wir wieder hinter der Haustür, fängt er an, so heiß zu sein. Ist Kyle eigentlich nicht sehr schüchtern? Meine Gedanken driften kurz zurück zu dem zurückhaltenden Kellner im Sanders, der es nicht einmal schaffte, seinen Kunden in die Augen zu sehen. Diesen Kyle kann ich jetzt kaum wieder erkennen.

My Own StalkerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt