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- LUNA -

Weder Kyle, noch Nolan schreibt mir. Tamilah genauso wenig. Da wünsche ich mir von Nachrichten überwältigt zu werden - und dabei rede nicht von diesen pornosuchenden DMs auf Instagram - und da bekomme ich keine. Nicht mal von Carla meiner Managerin. Oder Louis. Oder meiner Mutter. Okay, weiterhin durch meine Kontaktliste scrollen hilft mir nicht viel. Ich seufze. Leider klingen meine Motivierungshilfen sehr vielversprechend im Kopf, tun will mein Abwehrsystem trotzdem nichts.

Naja, ich komme nicht voran, wenn ich wie ein unbeholfenes Schulkind, am besten mit verdreckten Schuhen und verklebten Mund, durch die roten Türen des Sanders starre. Christinas raue Stimme verblasst, als mich der Geruch von Baked Tomatoes und French Toasts willkommen heißt. Mein Blick fliegt direkt zur Bar, wo ich ironischerweise wieder in ein bekanntes Gesicht blicken muss.

Kyle.

Der untere Teil seines Kittels streckt sich über die ganzen Regalen der Kaffeetassen wie ein dünner Schleier, der sich um mich legt und dazu führt, dass mich ein Hauch von Trotz erreicht. Dieses Gefühl baut sich bei jedem Schritt auf, was mich dazu bewegt, wegzusehen. Meine Augenwinkel empfangen trotzdem seine Blicke auf mir. Im Tiefen meines Inneren wage ich zu hoffen, dass es daran liegt, dass ich heute sehr gut aussehe. Was man so anmerken kann, wenn man bedenkt, wie hilflos ich bis vor einer Stunde war. Um mich abzulenken, sehe ich nach der Uhrzeit auf meinem Handy. 10:26 Uhr.

Dann fällt mir ein, dass ich noch Nolan antworten muss.

Ich stelle klar, dass ich nur bis 12 im Sanders hocken werde. Kyles Observierungen stören mich nämlich zunehmend. Dennoch bin ich mir sicher, dass Kyle und ich, uns versöhnen werden. Aber nicht jetzt. Ich habe gerade erst einen Platz gefunden, da stürmt schon ein Kellner auf mich zu. Zum Glück ist es Charlie.

„Hey. Was kann ich dir bringen?" Er schenkt mir ein freundliches Lächeln.
„Nur ein Caramel Frappucino mit Mandelmilch." Zwar notiert er sich das, doch ich bemerke das Fragezeichen in seinen Augenbrauen.
„Hast du denn kein Hunger?"

Ich wusste es. „Ich warte auf jemanden, wir wollen zusammen brunchen." beruhige ich ihn. Doch das Fragezeichen zwischen seinen Augenbrauen verstärkt sich. Nur, dass er diesmal sich nicht traut, weiter zu fragen. Besser so. Umso mehr Fragen habe ich an ihn.

„Eigentlich habe ich noch ein gewaltiges Hühnchen mit dir zu rupfen, Blondie Charlie." fange ich an. Sein skeptischer Ausdruck transformiert sich in ein besorgtes. „Hab ich etwas getan?"
„Das wollte ich eher herausfinden. Was ist zwischen dir und Tamilah los?" Nachdem ich das ausspreche, scheint Charlie nicht nur meinen Blick, sondern auch der Frage ausweichen zu wollen.

„Was hat sie dir erzählt?"
„Ich werfe dir nichts vor, also solange es auch nichts zum Vorwerfen gibt," sage ich mit ernster Miene, „aber alles was ich weiß ist, dass Tamilah um 2 Uhr nachts heulend vor meiner Haustür stand und nach einer Bleibe über Nacht gesucht hat." Gut, du hast alles und nichts gesagt. Mein inneres Ich gibt mir die Faust.
Charles zupft unruhig an seinem Sanders-Kittel herum, bevor er mir antwortet:

„Tamilah steht auf mich und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Es war nur Sex. Sie sagte, es sei nur Sex. Jedenfalls dachte ich es bis heute Nacht..." Er stoppt. „Bis heute Nacht, was?" bohre ich weiter nach.
„Wieso war eigentlich Kyle letzte Nacht bei dir?" Ich stutze, als er mich zum ersten Mal richtig ansieht und dies ausspricht. Ich schiele leicht an ihn vorbei, nur um zu sehen, wie Kyle an einem anderen Tisch ein altes Ehepaar bedient.
„Charles, lenk nicht vom Thema ab!" warne ich ihn.

My Own StalkerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt