Zum hundersten mal in dieser Stunde schaue ich in meine Spiegel und kontrolliere ob alles sitzt. Das blaue Kleid, meine Frisur, mein Make Up und ob meine Schuhe wirklich zum Kleid passen.
In den letzten beiden Monaten ist nicht allzu viel passiert. Ich habe meine Semesterferien mit meinen Eltern, Freunden und Leon verbracht. Oft haben wir uns in unserem Lieblings Cafe, dem Les Deux Messieurs, mitten in der Innenstadt von München, getroffen um gemeinsam zu Frühstücken oder Nachmittags ein Stück Kuchen zu essen. In all den Interessanten Gesprächen habe ich Leon näher kennengelernt und mich, eventuell, etwas in ihn verliebt. Genau diesen Fakt hat mir Thea in den letzten Wochen klar gemacht. Auch wenn ich es nicht realisieren will, das ich unsterblich in einen Fußballer verliebt bin. Ich rede ununterbrochen von ihm und jedesmal wenn er mich abholt freue ich mich schon Stunden vorher auf ihn. Vielleicht hat sie ja Recht. Auch wenn ich es nicht zulassen möchte, jedesmal wenn ich ihn sehe, habe ich so ein angenehmes, warmes kribbeln im Bauch. Aber so schön es auch ist. Ich will es nicht wahr haben. Liebe kann auch schmerzhaft sein. Am meisten genau in dem Moment, in dem der andere die Liebe nicht erwidert. Warum sollte er das tun? Warum sollte Leon sich in mich verlieben. Er kann jede Frau der Welt haben, warum sollte er sich für mich entscheiden?
Heute hat mich Leon auf ein Essen eingeladen. Aber diesmal wird es anders sein, als die vielen treffen, bei denen wir uns im Café getroffen haben. Denn Leon hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Das macht mich noch mal um einige Stufen nervöser.
Ein weiterer Blick von tausenden auf mein Handy verrät mir, das es schon 19 Uhr ist. Leon wird bald da sein.
Zum letzten mal werfe ich noch einen Blick in den Spiegel.
„Du schaffst das“ flüstere ich mir leise selbst zu, bevor ich meine Jacke und Handtasche schnappe und nach unten verschwinde.
Selbstbewusstsein war schon immer mein Problem. Schon in der Schulzeit konnte ich mich nie richtig behaupten und war immer unsicher über mein Aussehen.
Ich weiß nicht aus was für einem Grund, aber all das fällt mir bei Leon viel leichter. Ich bin angespannt und aufgeregt, bevor wir uns treffen, doch sobald er bei mir ist, fällt das alles von mir ab. Mit seinem selbstsicherem Auftreten strahlt er eine Ruhe aus, in der ich mich wohl fühle. Mit niemanden fühle ich mich so sicher als mit ihm.
„Hey Mila!“ grinsend steigt Leon aus und zieht mich in eine Umarmung.
Da ist es wieder. Dieses warme Kribbeln in meinem Bauch. Diese Freude wenn ich sein Parfüm rieche. Dieses Gefühl wenn er seine Arme um mich legt.
Ich will das alles nicht zu lassen. Ich möchte mich nicht verlieben. Liebe ist schmerzhaft. Nach ihr kommt früher oder später ein Schlusstrich. Ich möchte so etwas wie eine Trennung niemals in meinem Leben durchmachen.
Langsam lasse ich Leon los. Dieser öffnet mir, wie immer, meine Autotür und ich lasse mich in meinen sitz fallen.
Stück für Stück nähern wir uns Leons Haus. Mit jeder Minute werde ich aufgeregter. „Was hast du heute so gemacht?“ Leon merkt anscheinend wie aufgeregt ich bin und versucht mich mit einem Gespräch zu beruhigen. „Nicht so viel. Ich habe mit meinen Eltern gefrühstückt und dann etwas für die Uni gemacht. Wenn das ganze im Februar wieder los geht, möchte ich gut vorbereitet sein. Schließlich habe ich jetzt ein ganzes Jahr lang nichts mit BWL am Hut gehabt.“ Leon nickt verständnisvoll. In den letzten Wochen hatte er mir mal erzählt, das er auch BWL studiert hätte, wenn das mit dem Fußball nichts geworden wäre. Deshalb interessiert er sich so sehr für meinen Studiengang. „und wie war dein Tag so? Sicher spannender als meiner!“ Leon muss grinsen. „naja so viel spannender auch nicht. Heute früh war ich beim Training und dann war ich noch einkaufen, für unser gemeinsames essen.“ auf einmal ist die ganze Aufregung weg. Ich fühle es wieder. Diese Sicherheit die er ausstrahlt, die mir unglaublich gut tut. Wir unterhalten uns noch die ganze Autofahrt, quer durch die Münchner Innenstadt, bevor wir am anderen Ende der Stadt angekommen sind. Ich bin schon so gespannt auf Leons Haus. Kurz darauf biegen wir auch schon in eine Einfahrt ein. Das Haus, das neben uns aufgetaucht ist, ist groß, aber um Welten nicht so luxuriös wie ich mir von einem Fußballer vorgestellt habe. Leon scheint wirklich bodenständig zu sein.
„Wilkommen in meinem Zuhause!“ Leon nimmt mir meine Jacke ab und ich ziehe meine Schuhe aus.
Gespannt folge ich ihm in die Küche. Mitten im Raum steht ein wunderschön gedeckter Tisch. „Wow!“ ich wusste nicht, das Leon das so gut kann. Schließlich wird es eher selten gesehen, das Männer einen Tisch eindecken.
„Setz dich!“ Leon zieht einen der beiden Stühle nach hinten und bietet mir den Sitzplatz an. Ich setzte mich an den Tisch und lehne mich zurück. Während Leon das Essen aus der Küche holt, betrachte ich den liebevoll gestalteten Tisch.
Leon hat wirklich ein gutes Auge für Details. Die Deko auf dem Tisch ist liebevoll platziert. Er scheint sich viel Mühe gegeben zu haben.
„Das Essen war wirklich sehr gut!“ noch einmal bedanke ich mich bei Leon für die leckere, selbstgemachte Kürbissuppe und das Zanderfilet. Niemals im Leben hätte ich gedacht das er so gut kochen kann. In meiner Fantasie hatte jeder Fußballer einen privat Koch. Aber er ist anders. Er ist nicht so wie all die anderen Fußballer, die ihr vieles Geld in irgendwelche sinnlose Sachen stecken. Leon ist viel ehrlicher. Wenn nicht sogar der ehrlichste Mensch den ich bis jetzt kennengelernt habe. Mit ihm kann man über alles reden, er versteht einem. Die Gespräche zwischen uns beiden tun mir einfach unbeschreiblich gut. Seit ich wieder zurück von meinem Auslandsjahr bin, vermisse ich meine Freunde in Amerika sehr. Mit meinen Freunden hier in Deutschland traue ich mich nicht darüber zu reden. Ich denke schon, sie würden mich verstehen, aber ich will ihnen nicht das Gefühl geben, das ich sie ersetzt habe. Mir allein hat schon das Gefühl gereicht, das sie hier ohne mich weiter gelebt hatten. Als ich im Flieger nach München saß, dachte ich alle hier Zuhause würden auf mich warten. Aber so war es nicht. Auch hier ging das Leben ohne mich weiter. Und dieses Gefühl war echt übel. Ich möchte das meinen Freunden nicht auch antun.
Leon ist der einzige, mit dem ich bis jetzt über diese Probleme geredet habe. Er hat mir ganz genau zugehört und mir das ganze aus seiner Sicht als Außenstehender beurteilt. Genau das tut mir gut. Nach unseren Gesprächen fühle
ich mich jedesmal befreit von all meinen Problemen.
„Danke das du heute hier warst.“ Leon hilft mir meinen Mantel über zu ziehen und auf einmal...es war nicht so geplant, stehe ich ganz eng an meinem Gegenüber. Nur noch wenige Zentimeter trennen uns. Mein Herz klopft wie verrückt. Normalerweise würde ich jetzt zurück schrecken, aber in diesem Moment kann ich das nicht. Es würde alles zerstören.
Keiner von uns beiden redet ein Wort. Wir schauen uns nur tief in die Augen. Eine Weile bleiben wir still so stehen. Das ganze hätte auch noch eine Ewigkeit andauern können, aber das Klingeln von Leons Handy lässt uns beide zusammenzucken. Einen ungünstigeren Zeitpunkt für einen Anruf gab es wohl nicht. Mein Gegenüber räusperte sich und meldet sich dann mit einem kleinlauten „Hallo?“ bei seinem Anrufer. Kurz stehe ich noch wie angewurzelt da. Ich muss ersteinmal verarbeiten, was gerade passiert ist. Habe ich Leon gerade wirklich fast geküsst?! Ich wollte die Gefühle für ihn nie erst entwickeln. Was ist denn zurzeit mit mir los. Kaum zurück in Deutschland, schon häuft sich ein Chaos an Problemen.
Am liebsten würde ich jetzt meine Koffer packen und auf nach Amerika. Zu meiner Gastfamilie. Zu meinen Freunden. Zu all den Leuten, die das Thema
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«𝚃𝚑𝚎 𝙽𝚒𝚐𝚑𝚝 𝚠𝚎 𝚖𝚎𝚝 » || 𝒂 𝑳𝒆𝒐𝒏 𝑮𝒐𝒓𝒆𝒕𝒛𝒌𝒂 𝑺𝒕𝒐𝒓𝒚
FanfictionMila ist müde und möchte einfach nur nach Hause. Bis sie durch einen Zufall auf ihn trifft. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht zu sein. Aber wird diese scheinbar perfekte Beziehung auch eine Trennung von über 7.000 Kilometern überstehen?
