Vollgepumpt mit positiver Energie und erstaunlich viel Motivation betrat ich mein Zimmer, schnappte mir mein Handy und warf mich auf mein Bett. Ich entsperrte das Telefon mit meinem Fingerabdruck, öffnete die Galerie und stutzte, als ich den Kamera-Ordner öffnete und die Fotos aus dem Archiv nicht mehr fand. Hastig durchsuchte ich jeden anderen Ordner, doch sie waren weg.
„Was zur Hölle?", fluchte ich in völligem Unverständnis darüber, wie das sein konnte. Ich hatte sie definitiv nicht gelöscht. Also wie konnten die Fotos einfach so verschwinden?
„Denk nach, Hannah", beschwor ich mich selbst, ging in Gedanken zurück zum Tag unseres „Einbruchs" ins Archiv und kam zu dem eindeutigen Schluss, dass ich die Akte abfotografiert hatte. Dennoch strahlte mich auf dem ersten Bild im Ordner meine Mum an und kein beschriebenes Blatt Papier.
Verdammter Mist! Das durfte doch alles nicht wahr sein und erklären konnte ich es mir erst recht nicht. Beschissene Technik. In einem plötzlich aufwallenden Anfall von Wut packte ich das Handy und hätte es am liebsten gegen die Wand geschleudert, doch da kämpfte sich meine Vernunft durch den Schleier des Zorns und hielt mich in letzter Sekunde davon ab. Ich hätte es schon in der nächsten Sekunde bereut, wenn ich es getan hätte. Stattdessen klatschte ich es auf meinen Tisch und krallte mir kurzer Hand meine Sportsachen und verzog mich in die menschenleere Turnhalle, wo ich mir eines der Trainingsschwerter krallte und mit aller Kraft auf die Übungsdummies einschlug. Nach guten zehn Minuten begannen meine Arme zu brennen und Schweiß sammelte sich auf meiner Stirn.
„Das solltest du lieber nicht fortsetzen. Du schädigst damit nur deine Gelenke, auch wenn es gut tun mag."
Ich erstarrte mitten in der Bewegung, als ich Direktorin Freys klare Stimme vernahm. Schwer atmend ließ ich mein Schwert sinken und wandte mich der Direktorin zu. Ich registrierte ihre streng zurückgebundenen Haare, ihr engen Trainingssachen und zuletzt das lange, silberne Schwert in ihrer Hand.
„Was machen Sie hier?", wollte ich verwirrt wissen.
„Normalerweise trainiere ich jeden Samstagnachmittag", erwiderte sie und musterte mich eindringlich. „Und was tust du hier?"
„Auch trainieren", flunkerte ich und wischte mir mit dem Handrücken meiner freien Hand den Schweiß von der Stirn.
„Aha", machte sie, doch mir war klar, dass sie mich durchschaut hatte. „Dann los."
„Wie?" fragte ich verdutzt.
„Lass uns trainieren." Leichthändig wirbelte Direktorin Frey ihre Waffe in den Händen und kam auf mich zu.
„Na gut." Ich hatte ja keine Ahnung, worauf ich mich da gerade einließ.
Elara Frey ließ mir nicht viel Zeit, um mich vorzubereiten, sondern griff direkt an. Ihre Klinge zischte durch die Luft und es klirrte, als ich mein Schwert hochriss, um den Schlag abzuwehren. Der Schlag brachte meinen ganzen Körper zum Vibrieren. Verdammt, hatte sie Kraft.
„Überraschungsmoment", sagte Mrs. Frey, drückte ihre Waffe schwungvoll nach rechts und entwand mir in einer schnellen Abfolge von Schlägen die Klinge. Ich hatte keine Chance. Nicht die geringste. Klappernd landete meine Waffe auf dem Boden und die Direktorin hielt mir die Spitze ihres Schwerts an die Kehle.
„Tot", stellte sie fest.
„Das ...", Ich suchte nach Worten. „Das war unfair."
Elara Frey schüttelte den Kopf. „Das nennt sich Technik und wird dir den Hintern retten, wenn es hart auf hart kommt." Wo sie vermutlich recht hatte. Mein Kampfgeist war geweckt.
„Nochmal", verlangte ich und Mrs. Frey nickte.
Wieder und wieder griff sie mich an, korrigierte zwischendurch mein Haltung, meine Fußarbeit und meine Deckung, ohne dabei selbst aus dem Rhythmus zu geraten. Zu wie viel Multitasking war diese Frau eigentlich fähig?
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Academy for Elementarys 1 - Verborgene Kräfte
Fantasy》„Hannah Windemear." Ich zuckte zusammen. Noch nie hatte sich mein Name so angehört, als würde ich mit Eiswasser übergossen werden.《 Nun ja, ich hatte auch noch nie jemandem mit Magie fast meine Tasche ins Gesicht geschleudert. Abgesehen davon, dass...
