„Ich sollte wohl mal mit Mara reden." Meine Stimme klang ebenso schuldbewusst wie ich mich fühlte und Will legte sanft seinen Arm um mich.
„Sie ist deine beste Freundin, obwohl man bei Mara nie so richtig weiß ..."
„Hm", machte ich und lehnte mich an ihn.
„Du brauchst gar nicht erst zu versuchen, Zeit zu schinden", raunte Will. „Auch wenn ich nichts dagegen hätte."
„Idiot", murmelte ich ertappt und löste mich von ihm. Sein eisblauer Blick war weich und ich verlor mich in den Tiefen seiner Augen.
„Geh schon, bevor ich es mir anders überlege", riss er mich aus meiner Trance und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. Ich seufzte erneut, machte mich dann aber auf den Weg zu Maras Zimmer. Sollte sie dort nicht sein, würde ich als nächstes die Turnhalle absuchen.
Unterwegs überlegte ich mir, wie ich ihr am besten klarmachen sollte, wieso ich Ashley verteidigt und sie angefahren hatte.
„Mara?", fragte ich, während ich an ihre Tür klopfte, doch niemand reagierte.
„Da kannst du lange klopfen", meinte eine Stimme und ich erblickte Ethan.
„Hör mal, Ethan, es tut mir leid. Weißt du, wo sie ist?"
„Sie ist echt sauer auf dich", erwiderte er mit verschränkten Armen.
„Ich weiß", seufzte ich. „Und das muss ich wieder gutmachen. Also, wo ist sie?"
Ethan sah mich mitfühlend an. „Sie hat ihr Schwert geholt und ist in Richtung Turnhalle verschwunden."
„Danke", antwortete ich und lächelte ihm kurz zu, bevor ich loslief.
Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel und sanfte Wind wehte mir ins Gesicht. Ich holte tief Luft und atmete die frische Sommerluft ein. Ein paar Schüler kamen mir auf dem Weg zur Turnhalle entgegen, beachteten mich aber nicht weiter.
Schwungvoll zog ich die Tür auf und schlüpfte ins Innere. Hier war es beinahe schon dämmrig, da die schmalen Fenster kaum Licht durchließen.
„Mara?", rief ich und betrat die Trainingshalle. Meine beste Freundin drosch wie besessen auf die Übungspuppen ein und erinnerte mich an meinen eigenen Ausbruch, nachdem die Fotos aus der Akte meines Vaters verschwunden waren.
„Mara?", fragte ich zaghaft und trat näher an sie heran. Ruckartig wich sie zurück und starrte mich an. Schweiß glänzte auf ihrer Haut und sie atmete angestrengt.
„Was willst du?", wollte sie wissen und ich konnte ihr den schroffen Tonfall nicht verübeln.
„Es tut mir leid", sagte ich schnell. „Ich wollte einfach nur hören, was sie zu sagen hatte."
„Und da war dir meine Sicht auf die Sache egal."
„Natürlich nicht, aber-"
„Spar dir deine Ausrede. Bei Sätzen mit aber kannst du dir alles davor schenken, weil es sowieso nicht stimmt."
Sie wandte sich wieder ihrer Übungspuppe zu und ich schloss kurz die Augen. Ihre Worte verletzten mich.
„Ich möchte dir etwas zeigen", sagte ich entschlossen. „Etwas, das ich noch niemandem je gezeigt habe."
Das schien ihre Neugier zu wecken und ihren Ärger zumindest ein bisschen zu verdrängen.
„Ach ja? Und was wäre das?"
„Komm einfach mit."
Während sie mit nach draußen folgte, das Schwert noch immer in der Hand, hoffte ich, Will würde es mir nicht übel nehmen, wenn ich Mara zur Feenlichtung brachte.
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Academy for Elementarys 1 - Verborgene Kräfte
Fantasy》„Hannah Windemear." Ich zuckte zusammen. Noch nie hatte sich mein Name so angehört, als würde ich mit Eiswasser übergossen werden.《 Nun ja, ich hatte auch noch nie jemandem mit Magie fast meine Tasche ins Gesicht geschleudert. Abgesehen davon, dass...
