Die nächsten Tage verbrachten wir größtenteils an der frischen Luft, bevor uns die Ideen ausgingen und wir beschlossen, in die Stadt zu fahren. Gesagt getan und so verstrich der Vormittag. Wir stöberten in den Geschäften, aßen in einem kleinen Restaurant zu Mittag und beobachteten die vorbeigehenden Menschen. Nachdem wir unser Essen bezahlt hatten, griff ich nach meinem Handy, um Mara dabei zu filmen, wie sie versuchte, mit einem Stück Brot, das sie aus dem Restaurant mitgenommen hatte, ein paar Vögel anzulocken, doch als ich den Bildschirm entsperrt hatte – ja, ich hatte dazugelernt und mir endlich ein Sperrmuster ausgedacht – fiel mein Blick auf das SMS Symbol.
„Ich habe sechs verpasste Anrufe und vier SMS' von meiner Mum", meinte ich überrascht und tippte auf das Display meines Handys und Mara unterbrach ihren Versuch, die Vögel anzulocken.
„Was ist denn los?", fragte sie und schirmte ihre Augen gegen die Sonne ab. Für Mitte April war es angenehm warm, sodass ich meine Jacke aufgemacht hatte. Als ich die Nachrichten las, stockte mir der Atem.
„Hannah, was ist los?", fragte Mara besorgt und musterte mich.
Ich stieß fassungslos Luft aus.
„Jemand ist in das Büro meiner Tante eingebrochen. Am helllichten Tag!"
„Was?!"
„Wir müssen sofort zur Akademie zurück!"
Schon rannte ich los und Mara folgte mir. In letzter Sekunde erwischten wir den Bus und ließen uns atemlos auf zwei freie Plätze sinken.
„Hat deine Mum noch mehr geschrieben?", wollte Mara wissen und ich las hastig die restlichen knapp formulierten Texte.
Stumm schüttelte ich den Kopf. Hoffentlich war Elara nichts passiert, obwohl es unwahrscheinlich war, dass sie sich ausgerechnet heute dort aufgehalten hatte. Trotzdem schnürte Sorge mir die Kehle zu und ich musste mich zwingen, tief durchzuatmen. Ich spürte, wie Mara mir sanft ihre Hand auf den Arm legte und ihre Berührung sorgte dafür, dass ich mich ein bisschen beruhigte.
Endlich hielt der Bus und wir stiegen an der Endstation aus. Der Busfahrer warf uns einen skeptischen Blick zu, denn hier im Nirgendwo verließen eigentlich nur diejenigen den Bus, die zu einem Campingausflug aufbrechen wollten. Vollbepackt mit Rucksäcken. Aber wir trugen nur kleine Umhängetaschen und wirkten überhaupt nicht wie Wanderer.
„Los, komm", drängte ich Mara ungeduldig und joggte bereits los. Von hier aus waren es noch ungefähr zwei Kilometer quer durch den Wald. Normaler Weise fuhr ein extra Bus für die Schüler der Akademie, doch da Ostern war und kein Schüler über die Feiertage an der Schule war, hatte meine Tante dem Unternehmen abgesagt. Alle – in dem Fall Mara und ich – die trotzdem in die Stadt wollten, mussten laufen und dann den normalen Bus nehmen.
Wie vom Teufel gejagt, rannten wir durch den Wald. Meine Tasche schlug bei jedem Schritt gegen meine Hüfte und langsam aber sicher begannen meine Beine zu schmerzen.
„Hannah, langsamer, bitte", keuchte Mara hinter mir, doch ich dachte gar nicht daran. Meine Lunge brannte vor Anstrengung und ich schnappte keuchend nach Luft, als wir nach zehn Minuten endlich die Schule erreichten.
„Los! Zum Büro!", japste ich und wischte mir den Schweiß aus der Stirn.
Noch einmal legten wir einen Sprint hin, der sich gewaschen hatte. Mehr stolpernd als laufend, überwanden wir die letzten Meter und vor der geschlossenen Bürotür stoppte ich ab.
„Ich kann nicht mehr", ächzte Mara mit hochrotem Kopf und lehnte sich nach Luft schnappend gegen die Wand.
„Ich auch nicht", erwiderte ich und bemühte mich, wieder zu Atem zu kommen.
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Academy for Elementarys 1 - Verborgene Kräfte
Fantasy》„Hannah Windemear." Ich zuckte zusammen. Noch nie hatte sich mein Name so angehört, als würde ich mit Eiswasser übergossen werden.《 Nun ja, ich hatte auch noch nie jemandem mit Magie fast meine Tasche ins Gesicht geschleudert. Abgesehen davon, dass...
