„Wo soll das nur hinführen?", seufzte Mara und schüttelte den Kopf, wobei ihre blonden Haare auf und ab wippten. Aber dann hellte sich ihre Miene urplötzlich auf. „Kommen wir zu etwas Erfreulicherem."
„Und zwar?", fragte ich neugierig, während ich mir ein Stück Brötchen in den Mund schob.
„Der Weihnachtsball."
„Weihnachtsball?" Schon bei dem Wort begann mein Magen sich zusammenzuziehen. Ethan verdrehte dramatisch die Augen, doch Will musterte mich nur und ich wandte mich sehr schnell wieder meinem Essen zu.
„Ja, der Weihnachtsball ist das Schönste hier. Tonnenweise köstliches Essen, einen traumhaften Baum und ganz viel Musik." Die Augen meiner Freundin leuchteten, als sie von dem Fest schwärmte.
„Aber bis Weihnachten ist doch noch mehr als einen Monat Zeit", entgegnete ich.
„Man kann nie früh genug anfangen", konterte Mara grinsend und piekte gekonnt eine Weintraube auf ihre Gabel.
„Na klar", murmelte ich, überhaupt nicht von ihrer Begeisterung angesteckt.
„Aber das Beste weißt du doch noch gar nicht", setzte Ethan noch eines drauf und grinste verschlagen.
„Ich will es gar nicht wissen."
„Du brauchst einen Partner." Ich hatte es gewusst. Damit stand mein Entschluss fest, an diesem Tag üble Bauchschmerzen vorzutäuschen. Neben mir kicherte Mara belustigt und ich konnte Wills Blick auf mir spüren, weswegen ich angestrengt das angebissene Brötchen auf dem Teller vor mir anstarrte. Vielleicht würde es anfangen zu schweben, wenn ich noch intensiver draufschaute. Also im Ernst. Einen Partner? Als ob ich nicht genug andere Probleme hatte und wen kannte ich hier bitte, der mich auf einen Ball einladen würde?
Will, flüsterte eine Stimme säuselnd in mir, die ich aber ganz fix zum Schweigen brachte.
„Also, darüber können wir uns ja zu gegebener Zeit nochmal unterhalten, aber musst du nicht zum Kampftraining, Mara?", versuchte ich das Thema zu wechseln und glücklicher Weise hatte ich Erfolg, auch wenn in den Augen ein vergnügtes Funkeln aufblitzte, das mir verriet, dass das Thema noch lange nicht vom Tisch war.
„Gut, bis dann", verabschiedete sie sich schwungvoll, griff nach ihrem leeren Teller und stand auf.
„Ich komme mit", schloss Ethan sich an. „Ich muss noch in die Bibliothek."
Na toll. Jetzt saß ich alleine mit einem Jungen am Tisch, der die Eigenschaft hatte, sich immer ohne Vorwarnung an mich heranzuschleichen, kaum ein Wort mit mir wechselte – wenn man von dem Ausflug ins Archiv absah – sondern mich mit seinen Blicken aus den eisblauen Augen komplett in Verlegenheit brachte.
„Tja, also bis dann", murmelte ich, schnappte mein Geschirr und verließ ohne ein weiteres Wort beinahe schon fluchtartig den Speisessaal. Im Flur schlug ich schnurstracks den Weg zu meinem Zimmer an. Zumindest war das mein Plan gewesen, der jedoch zunichte gemacht wurde, als jemand urplötzlich mein Handgelenk packte. Ein erschrockenes Quietschen entfuhr mir und instinktiv riss ich meinen Arm weg. Dann erst erkannte ich, wer mich da festgehalten hatte und verdrehte die Augen.
„Habe ich dir nicht schon mal gesagt, dass ich es hasse, wenn du dich so anschleichst?"
„Kann sein", erwiderte Will und bedachte mich mit einem geheimnisvollen Lächeln.
„Und warum tust du es dann trotzdem?"
„Komm mit. Ich möchte dir etwas zeigen", überging er eiskalt meine Frage und ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Warum sollte ich?" Meine Stimme hatte einen trotzigen Tonfall angenommen, der im Grunde nur dazu diente, meine Unsicherheit zu vertuschen.
„Komm einfach." Damit drehte er sich um schlenderte den Gang hinunter. Ich haderte mit mir, während mein Puls schneller als normal pochte. Was sollte schon passieren? Bevor ich es mir anders überlegen konnte, folgte ich Will, blieb jedoch abrupt stehen, als wir die Eingangstür erreichten.
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Academy for Elementarys 1 - Verborgene Kräfte
Fantasy》„Hannah Windemear." Ich zuckte zusammen. Noch nie hatte sich mein Name so angehört, als würde ich mit Eiswasser übergossen werden.《 Nun ja, ich hatte auch noch nie jemandem mit Magie fast meine Tasche ins Gesicht geschleudert. Abgesehen davon, dass...
