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Felicita POV.

,,Schade, dass die Zeit schon wieder vorbei ist", seufzt Vic neben mir. Wir haben vor etwa einer halben Stunde unseren Zielhafen erreicht. Jetzt sind wir auf dem Weg zu den anderen. Wir haben uns ein Leihauto gemietet und sind seit etwa einer viertel Stunde unterwegs. Ich sitze am Steuer, Vic hat ihre Beine auf dem Armaturenbrett liegen und Chilli sitzt auf ihrem Schoß. ,,Schön, dass mir die Überraschung gelungen ist. Aber wir sind ja jetzt noch eine ganze Woche im Urlaub, also ist die Zeit noch nicht vorbei." ,,Ja, aber unsere Zweisamkeit ist vorbei. Ich habe die anderen echt lieb, aber ich weiß jetzt schon, wie sie reagieren, wenn sie erfahren, dass wir zusammen sind", jammert Vic.

Nachdenklich kaue ich auf meiner Unterlippe. ,,Wir müssen es auch nicht allen sagen...", sage ich unsicher. Eigentlich finde ich es echt bescheuert, wenn man nicht zu seiner Beziehung steht, aber vielleicht braucht Vic ja noch Zeit? ,,Nein, nein, nein. Ich bin so glücklich, dass ich am liebsten jedem erzählen möchte, dass ich die beste feste Freundin habe, die man sich nur vorstellen kann" Ich merke wie ich die Luft angehalten habe und sie jetzt entweicht. Vic lächelt zu mir und nimmt meine Hand, die ich nicht am Steuer habe und verschränkt unsere Finger.

,,Wenn wir das jetzt geklärt haben, lass uns ein Spiel spielen. Es heißt this or that. Eigentlich ist es kein wirkliches Spiel, sondern eher eine Methode den anderen besser kennenzulernen", schlägt Vic vor. Ich nicke. ,,Klingt interessant. Fang mal an....müssen wir hier rechts?" Nachdem ich wieder auf der nächsten Autobahn bin, stellt Vic die erste Frage. ,, Sommer oder Winter?" Da muss ich nicht lange überlegen. ,,Ich bin eher der Frühling und Herbst Typ. Sommer ist mir zu heiß und Winter ist mir zu kalt und nass. Und du?" ,,Eigentlich musst du dich für eins von den beiden entscheiden. Ich wähle Sommer. Ich liebe die Sonne und wenn ich dir ein Geheimnis verraten kann, ich bin noch nie Ski gefahren...." ,,Noch nie?", frage ich nach. "Winter ist zwar nicht meine Lieblingsjahreszeit, aber er ist nun mal da, also kann man ihn auch nutzen. In der Schweiz bin ich oft Ski gefahren. Vielleicht wollen wir im nächsten Winter zusammen Ski fahren?"

,,Klar...wieso nicht? Aber stell dich schon mal darauf ein, dass wir dann zusammen zwei Meter vor und wieder ein Meter zurückrutschen werden", lacht Vic neben mir. Ich gluckse vor mich hin. ,,Mmmm...eine der wichtigsten Fragen: Kaffee oder Tee?", frage ich und werfe Vic einen Seitenblick zu, bevor ich mich wieder auf die Fahrt konzentriere. ,,Definitiv Tee. Ich liebe Tee einfach und deshalb weiß ich auch, was deine nächste Frage sein wird. Früchtetee oder Kräutertee?" Überrascht wandern meine Augenbrauen nach oben. ,,Du kannst Gedanken lesen? Bei mir ist es Kräutertee." Vic schnaubt empört. ,,Nee, ich bin eher der Früchteteetyp." Chilli bellt. ,,Da gibt mir Chilli wohl recht. Zwei zu eins.... Früchtetee gewinnt", jubelt Vic.

Wir spielen das Spiel schon eine Weile, als Vic das Radio lauter stellt. ,,Ich liebe diesen Song", sagt sie. Ich nicke im Takt und erkenne an den ersten Tönen, um was für ein Lied es sich handelt. L'italiano. Schon beim ersten Refrain singen wir beide lauthals mit und Chilli bellt aufgeregt.

Nach drei Stunden kommen wir endlich am Ziel an. Wir fahren auf eine Villa zu, die komplett aus Stein gebaut wurde. Sie sieht wunderschön aus. Als wir aussteigen, stürmt Chilli sofort los. Durch einen kleinen Weg zu Vorderseite des Hauses. Wir folgen ihm und was ich dort erblicke, raubt mir den Atem. Das Haus liegt an einem steilen Hang und sieht aus als wäre es in den Felsen eingemeißelt. Große Fenster lassen viel Sonnenlicht hinein und eine Steinterrasse mit Liegestühlen, einem Sonnensegel und einem Holztisch runden das Gesamtpaket ab. Das Schönste jedoch ist der Meeresblick. Man kann von der Terrasse direkt aufs Meer schauen, das nur wenige Meter entfernt ist. Das Haus befindet sich auf einer Anhöhe, weshalb der Garten mit einer großen Wiese und einem Pool etwas höher als das Meer liegen. Ich gehe an den Gartenzaun und beuge mich darüber. Direkt darunter ist eine kleine Bucht, die einen weißen Sandstrand besitzt.

Begeistert drehe ich mich zu Vic um, die von einem jungen Mann begrüßt wird. ,,Hi, ich bin Felicita, Thomas Schwester. Ist das dein Haus hier? Es ist atemberaubend", stelle ich mich vor. ,,Hi Felicita, ich bin Sebastian. Schön, dass es dir hier gefällt. Es war wirklich ein Glückskauf", sagt er und lächelt mich an. Nachdem er von Vic umarmt wird, fragt Vic: ,,Bis du eigentlich nicht da?" Sebastian lacht. ,,Sollte ich mir Sorgen machen, dass du mich loswerden möchtest?" Vic verneint ebenfalls lachend. ,,Ich wollte gerade anfangen zu kochen, als ich euch gesehen habe. Die anderen sind unten", sagt Sebastian und verschwindet zurück ins Haus. Chilli scheint auf diese Worte nur gewartet zu haben, denn er fetzt los auf eine kleine Steintreppe, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Vic greift nach meiner Hand und zieht mich mit. Die Treppe ist in einen Felsen gemeißelt worden. Die einzelnen Stufen sind uneben und ich gebe mir Mühe nicht zu stolpern. Mir steigt ein salziger Geruch in die Nase und ich höre ein Meeresrauschen.

Stein wird durch Sand abgelöst und wir machen Halt, um aus unseren Schuhen zu schlüpfen. Der Sand ist angenehm warm. Ich gucke mich um. Die Bucht ist klein und es scheint so, dass man sie nur über diesen Eingang erreichen kann. Natürlich könnte man auch über das Wasser kommen, jedoch ist hier keine Anlegestelle für ein Boot. Da entdecke ich die anderen. Damiano tobt mit Chilli und Toto am Strand herum. Ethan kommt gerade aus dem Wasser und ich will ja nichts sagen, aber wie das Wasser so an seinen Bauchmuskeln abperlt....

Thomas liegt auf dem Bauch in der Sonne und scheint eingeschlafen zu sein. Plötzlich schießt ein Geistesblitz in meine Gedanken. Ich gehe zum Wasser und schöpfe etwas davon in meine Hände. Leise schleiche ich mich Richtung Thomas und schütte das Wasser über seinen Rücken. Dieser flucht lautstark und springt auf. Zumindest versucht er es. Er taumelt stark und fällt wieder in den Sand zurück. ,,Felicita! Wenn ich dich kriege, dann wirst du..." Den Rest bekomme ich gar nicht mehr mit, denn ich habe mich umgedreht und renne schnurstracks in die andere Richtung. Plötzlich spüre ich, dass sich etwas Schweres auf mich wirft und mich zu Boden reißt. Es ist Thomas, der seine Arme um meinen Oberkörper geschlungen hat.
Der Sand ist nicht so hart, weshalb ich mich nicht verletzt habe. Dennoch pappt jetzt überall an mir Sand.

,,Alles gut Fee?", fragt Thomas mich und hilft mir wieder aufzustehen.










Malen in E-DurWo Geschichten leben. Entdecke jetzt