Als eine atomare Katastrophe die Erde vor 97 Jahren zerstört und mit ihr fast die ganze Menschheit auslöschte, retteten die wenigen Überlebenden sich auf eine Raumstation, um den nuklearen Winter auszuharren.
Und hinterließen die Erde strahlenverse...
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
chapter five
atmen
Nur der leise wind außerhalb des Ships war zu hören. Raven saß am Boden gegen die Wand gelehnt, den Blick ins Leere gerichtet, während Murphy ein paar Meter entfernt saß, die Hände auf seinem schoß, sein Blick unruhig. Beide verwundet, schwer atmend, unruhig und müde. Nach einer Weile brach Raven die Stille, ihre Stimme brüchig: „Ich hoffe den anderen geht es wo auch immer sie sind besser als hier."
Murphy wich ihrem Blick aus, schluckte schwer, als würde jedes Wort, das er sagen wollte, in seiner Kehle stecken bleiben. „Ich glaube, Freya ist tot." Raven riss die Augen auf, ihr Atem stockte. „Was? Wieso...?" Murphy wich ein paar Schritte zurück, als ob der Gedanke selbst ihn verletzen würde. „Ich hab sie gesehen. Als die Toren vom Drop Ship geschlossen wurden." Seine Stimme klang rau, fast heiser. „Sie lag da... hat kaum noch geatmet. Blut überall."
Ravens Augen wurden glasig, sie presste die Lippen zusammen, wollte etwas sagen, brachte aber nur ein heiseres Flüstern heraus: „Und dann...?" Murphy fuhr sich mit zitternden Fingern durchs Haar, sein Blick blieb irgendwo im Dunkel hängen, weit weg von Raven. „Ein Grounder kam zu ihr. Ich schwöre, sie war kaum noch bei Bewusstsein..." Er machte eine kurze Pause, holte tief Luft. „Er hat sie einfach genommen. Ihren Körper. Weggezerrt wie ein Stück Fleisch."
Raven schüttelte fassungslos den Kopf, ihr Herz raste. „Warum? Warum sollte er...?" „Raven..." Murphy sah sie jetzt an, sein Blick kalt und gleichzeitig voller Schmerz. „Wenn sie nicht verblutet ist, dann hat der Grounder sie erledigt." Raven schlug die Hand vor den Mund, als würde sie sich das Erbrechen verkneifen. Die Stille war ohrenbetäubend. "Nein, das glaub ich nicht. Ich kanns nicht glauben. Freya ist stark. Eine der stärksten von uns sie..." Raven konnte nicht mehr weiter sprechen. „Ich weiß." Seine Stimme klang ungewohnt weich, fast so, als wäre da ein Rest von dem Jungen, der er einmal war. „Und sie hat's nicht verdient." Ein paar Herzschläge lang saßen sie nur da.
Zwei Holzstöcke – etwa ein Meter lang – lagen nun zwischen ihnen im Staub. Freya bückte sich und hob einen auf. Er war schwerer als erwartet, das Holz glatt und hart. Verak nahm den anderen, drehte ihn ein paar Mal in der Hand. Sie beobachtete wie er das Stück Holz mit Leichtigkeit kontrollierte. "Das ist kein Schwert", begann er. "Aber du wirst lernen, wie man damit kämpft. Wenn du mit dem Stock klar kommst, kannst du alles andere auch führen." erklärte er weiter.
Sie stellte sich in Position. Die Beine auseinander, den Stock wie einen Baseballschläger vor sich haltend. Verak schüttelte den Kopf. "Falscher Griff. Du bist zu starr." Er trat an sie heran, berührte kurz ihre Arme, bewegte ihre Hände. "Hier. Locker. Der Stock ist eine Verlängerung von dir - nicht dein Schutzschild." er legte ihre Hände und Beine an die Richtige Position. Kurz nachdem er sich zurückgestellt hatte griff er an – nicht wild, sondern kontrolliert. Der erste Schlag kam schnell von oben, sie hob den Stock zum Block. Das Holz krachte hart aufeinander, und ihre Hände vibrierten.
Dann drehte er den Stock zur Seite, versuchte sie zu entwaffnen. Sie wich zurück, stolperte fast. Er lachte nicht. Verak war nicht wie die anderen. Er war hart, aber nicht grausam.
"Atmen. Du hältst die Luft an, wenn du Angst hast. Atme. Finde deinen Rhytmus." Sie nickte und kam zurück. Diesmal ging sie zuerst vor – ein schneller Schlag zur Seite, den er mühelos parierte. Dann folgte sie mit einem Stoß zum Bauch. Er blockte, drehte den Stock und schlug leicht, aber deutlich gegen ihre Rippen. Sie keuchte und ging zurück. "Du musst antizipieren. Nicht nur reagieren." Einige Grounder klatschten, halb spöttisch, halb beeindruckt.
Freya wurde wütend. Aber diesmal nicht blind. Sie ließ die Wut in den Schlag fließen, den sie nun führte – ein schneller Aufwärtshieb, der Verak zwang, einen Schritt zurückzugehen. Es war kein Treffer, aber es brachte Raum. Sie nutzte ihn, machte einen Ausfallschritt, versuchte den Stock gegen sein Bein zu schlagen. Verak blockte, ging tief, drehte sich – und brachte sie mit einer einzigen Bewegung erneut zu Boden. Ihr Rücken krachte in den Staub. Stille.
Dann Gelächter. Aber diesmal lachte auch Freya, heiser, schmutzig, erschöpft. Sie spuckte Sand aus und starrte in den Himmel. Verak stand über ihr und reichte ihr wieder die Hand. "Du lernst schnell." Sie nahm die Hand an, atmete schwer. „Du haust ziemlich hart zu, für jemanden, der nett sein will." kommentierte sie als sie mit seiner Hilfe wieder auf die Beine kam. "ich will, das du überlebst. Das ist netter als du denkst." Ihre Arme schmerzten, die Beine zitterten. Aber in ihren Augen lag ein Funke – nicht Stolz, aber etwas, das Verak auffiel. Sie war noch nicht gut. Noch lange nicht. Aber sie war bereit, weiterzumachen. Und das, wusste Verak, war der erste Schritt.
Die Nacht hatte sich wie ein schwerer Mantel über das Grounder-Dorf gelegt. In der Ferne knackte noch leise ein Feuer, und vereinzelt hörte man Schritte – Wachen, die ihre Runden drehten. Doch hier, in der kleinen, dunklen Hütte, in die man sie untergebracht hatte, war es still. Freya lag auf einem Lager aus Fellen. Die Decke roch nach Rauch und Tierhaut, und der Boden war hart unter ihrer Hüfte. Sie konnte nicht schlafen. Stattdessen starrte sie zur Decke – oder dorthin, wo sie sie vermutete, denn in der Finsternis konnte man kaum etwas sehen. Ihre Gedanken kreisten hin und her. Es war ein paar Tage her. Vielleicht etwas mehr. Vielleicht weniger.
Sie wusste es nicht mehr genau – die Tage verschwammen. Das Zeit Gefühl war weg, sie wartete nur bis die Sonne auf und wieder unter ging, jeden einzelnen Tag. Seit der Entführung, seit der Zelle, seit Verak. Und doch kam es ihr vor wie ein anderes Leben. Sie dachte an Monty. An Raven. An Clarke. An Jasper, irgendwo da draußen. Aber am meisten dachte sie an Bellamy. Waren sie noch am Leben?
Sein Gesicht tauchte vor ihrem inneren Auge auf – ernst, wie so oft, aber mit diesem Blick, den er manchmal hatte, wenn er sich Sorgen machte, ohne es zeigen zu wollen. Sie erinnerte sich an seine Stimme, an die Art, wie er sie angeschaut hatte, als sie das letzte Mal gestritten hatten. Und an ihren Kuss. Jetzt war er weit weg. Oder vielleicht gar nicht mehr da. Was, wenn sie ihn nie wieder sah? Was, wenn sie ihn vergessen würde? Was wenn er tot war? Sie drehte sich zur Seite, vergrub das Gesicht in der Decke.
Ihre Augen brannten. „Ich will das nicht", flüsterte sie ins Dunkel. „Ich will keine von ihnen werden." seufzte sie sich selber zu. Aber sie erinnerte sich auch an Veraks Worte. An seinen Blick, als er sagte: „Ich will, dass du überlebst." Und sie wusste, das war es, was Bellamy auch gewollt hätte. Dass sie kämpfte. Dass sie stark blieb. Nicht, weil sie es musste – sondern weil sie es konnte.